Moderne Technik in der Medizin

Deutsche sehen vor allem Chancen

Die Hand eines Roboters hält eine Tablette, in der schemenhaft eine Matrix zu erkennen ist.

Jeder Vierte in Deutschland würde sich auch von einem Roboter pflegen lassen.

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Ob Wearables, Hirn-Chips oder Pflegeroboter: Die Deutschen sind für moderne Technologien in der Medizin aufgeschlossen. Das ergab eine repräsentative Befragung im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF). Gerade die Jungen sehen vor allem die Chancen der Technik. Bei den Älteren liegt die Telepflege hoch im Kurs. Auch, weil die Sorge vor Pflegebedürftigkeit, Altersarmut und lebensbedrohlichen Krankheiten groß ist.

Wenn es um Gesundheit und Pflege geht, ist vielen Deutschen moderne Medizintechnologie willkommen. In einer Umfrage gab sogar mehr als die Hälfte der Befragten an, sie würden sich einen Chip zur Steigerung der Gedächtnisleistung ins Gehirn einbauen lassen. Die repräsentative Emnid-Befragung aus dem Juli 2015 hat das Bundesforschungsministerium (BMBF) jetzt als „Zukunftsmonitor – Gesundheit neu denken“ veröffentlicht.

Die Meinungsforscher erfragten die Einstellung der Deutschen zu verschiedenen Technologien, die in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen könnten. Insgesamt ist sie mehrheitlich positiv. Das gilt insbesondere für die sogenannten Wearables, also Fitnessbänder und mobile Geräte, die Puls, Schritte und Höhenmeter messen und Schlafrhythmus oder Kalorien aufzeichnen. 55 Prozent der Befragten stehen diesen Technologien positiv gegenüber.

Jüngere akzeptieren „künstliche Intelligenz“

Auch zur Selbstoptimierung hätten Innovationen eine gute Chance: So befürworten 51 Prozent der Befragten Implantate für mehr Konzentration und Gedächtnisleistung. Und das, obwohl die Wissenschaft und Forschung derzeit noch keine marktfähigen Produkte in diesem Segment anbieten kann und auch ethische Fragen noch nicht ausreichend diskutiert scheinen.

Bereits eingesetzt werden moderne Roboter in der klinischen Pflege: In Japan etwa sind Trageroboter im Einsatz, die Krankenpfleger dabei unterstützen, Patienten umzubetten. Immerhin rund ein Viertel der Befragten (26 Prozent) kann sich demnach heute schon vorstellen, von solchen oder anderen Robotern gepflegt zu werden.

In fast allen Bereichen gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Alter der Umfrageteilnehmer und ihrer Einstellung zu Innovationen. Vor allem junge Menschen bewerten neuronale Implantate erstaunlich positiv (14 bis 19 Jahre: 62,3 Prozent). Auch beim Thema Roboter ist diese Tendenz zu erkennen: In der Gruppe der 14- bis 19-Jährigen misst man knapp 34 Prozent Zustimmung für den Einsatz von Maschinen in der Pflege, bei den über 70-Jährigen nur noch 20 Prozent.

Pflege ist zentrales Thema im Alter

Dass sich dieser Trend dreht, wenn man das Feld der Telepflege betrachtet zeigt eine aktuelle Umfrage des Insituts für Demoskopie Allensbach, die im Juni 2015 für die Telekom durchgeführt worden ist (medizintechnologie.de berichtete). Demnach interessiert sich gerade mal ein Fünftel der 16 bis 29-Jährigen für telemedizinische Lösungen. Deutlichen Zuspruch erhielten dagegen Videotelefonie und Fernüberwachung von Körperfunktionen von den über 60-Jährigen (57 Prozent). Die Allensbach-Studie ergab, dass die Sorge vor Pflegebedürftigkeit, Altersarmut und vor lebensbedrohlichen Krankheiten in der Bevölkerung groß ist.

Auf den ersten Blick erstaunlich: Laut Emnid-Umfrage sind die Menschen in kleineren Kommunen und auf dem Land neuen Technologien in der Medizin gegenüber aufgeschlossener als Stadtbewohner. 53,9 Prozent der Landbevölkerung sehen zum Beispiel in der Telepflege eher Chancen, bei den Stadtbewohnern sind es nur 44,1 Prozent. Das ist allerdings logisch, wenn man bedenkt, dass die Nachfrage für Telepflege oder -medizin auf dem Land – durch  fehlendes Personal und weitere Anfahrtswege – deutlich größer sein dürfte. Für die knappe Mehrheit der Deutschen sind die Chancen der Telepflege größer als ihre Risiken.

Regionale Unterschiede

Auch regional gibt es zwischen Ost und West Unterschiede: In der Telemedizin sehen zum Beispiel 43,1 Prozent der Ostdeutschen eher die Chancen, bei den Westdeutschen sind es nur 36,3 Prozent. Wobei für die Deutschen in diesem Bereich ohnehin die Risiken im Vordergrund stehen. Das Ärzte in manchen Bereichen ihre Diagnose oder Therapie nur noch über Telekommunikationsmittel ausführen, sehen viele kritisch. 52Prozent der Befragten verbinden mit der Telemedizin eher Risiken.

„Der ZukunftsMonitor zeigt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger sehr für die Gesundheitstechnologien von morgen interessieren. Ihre Sorge um mögliche Risiken belegt aber auch, dass es noch großen Forschungsbedarf gibt, um Fragen in der Anwendung zu klären und Vertrauen in neue Technologien zu schaffen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Denn Technik muss den Menschen dienen. Über Chancen und Risiken will ich mit den Bürgern ins Gespräch kommen.“

Jede Meinung zählt

Die Meinungsumfrage zu medizinischen Zukunftstechnologien ist der Auftakt des vom BMBF initiierten Bürgerdialogs „Zukunfts-Forum“, bei dem bis 2017 zu verschiedenen Zukunftsthemen repräsentative Befragungen durchgeführt werden sollen. Außerdem soll es moderierte Workshops und Bürgerdialoge geben, deren Ergebnisse dann bei den langfristigen Innovationsstrategien Deutschlands berücksichtigt werden sollen. Das erste Zukunfts-Forum findet am 8. September in Berlin statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürgen können sich online um eine Teilnahme bewerben.

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