Bilanz: Medica 2015

Bundesregierung setzt bei Medica Akzente

Im Rahmen der weltgrössten Medizinmesse MEDICA informieren sich 130.000 Fachleute, davon mehr als 50 Prozent internationale Besucher, über Innovationen und Weiterentwicklungen aus allen Bereichen der ambulanten und stationären Versorgung. 4.952 Aussteller aus 70 Nationen präsentieren sich zur MEDICA 2015 auf einer Ausstellungsfläche von rund 116.000 Quadratmetern.

Quelle: Medica

Die Bundesregierung hat auf der weltgrößten Medizintechnik-Messe eindrucksvoll Flagge gezeigt. Die Gesundheitswirtschaft hatte auf der Messe spannende Themen auf der Agenda: Digitalisierung, Vernetzung und „Wearables“ waren die Trends der diesjährigen Schau. Die neuen Lauftage von Montag bis Donnerstag kamen bei den Besuchern laut Veranstalterangaben gut an.

Vom 16. bis 19. November kamen 130.000 Fachbesucher aus rund 120 Nationen nach Düsseldorf (Vorjahr: 128.500). Der Anteil internationaler Besucher lag bei über 50 Prozent, auffällig viele kamen aus den Überseemärkten USA, Lateinamerika und verstärkt aus dem Iran und den arabischen Ländern.  Fast 5.000 Aussteller aus 70 Nationen boten ihnen das komplette Neuheiten-Spektrum für die ambulante und klinische Versorgung. „Die MEDICA ist und bleibt über alle Ländergrenzen hinweg ein Top-Event für Entscheider“, sagt der Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, Joachim Schäfer - 96 Prozent der Besucher kamen aus der Entscheider-Riege.

Industrie entwickelt sich unverändert dynamisch

Die Medizintechnik-Industrie entwickelt sich unverändert dynamisch, vor allem getrieben durch das Exportgeschäft. Die im Bundesverband Medizintechnologie e. V. (BVMed) organisierten Unternehmen erwarten für das laufende Jahr ein weltweites Umsatzwachstum von 6,8 Prozent, wohingegen in Bezug auf den deutschen Markt ein Wachstum um 4,3 Prozent prognostiziert wird. Die Branchenverbände Spectaris und ZVEI bestätigten zur MEDICA 2015 für ihre Mitgliedsunternehmen ebenfalls ein deutliches Wachstum von mindestens 6 Prozent, auch resultierend aus „soliden“ Zuwächsen im Westeuropa-Geschäft. Das Umsatzvolumen der deutschen Hersteller liegt demnach bei derzeit gut 27 Milliarden Euro bei einer Exportquote von 68 Prozent. Der deutsche Markt bleibt aus Sicht der Industrie unverändert lukrativ. Er gilt nicht nur hinter den USA und knapp hinter Japan als drittgrößter Markt für Medizintechnik und Medizinprodukte. Deutschland kann auch mit seiner guten Infrastruktur des Gesundheitswesens punkten, einem hohen Versorgungsniveau für Patienten sowie gut ausgebildeten Medizinern und einem hohen Standard der klinischen Forschung.

Gröhe und Wanka setzten politische Akzente

Eine blonde Dame in gelber Kostümjacke wirft eine blaue Karte in einen würfelförmigen, transparenten Behälter.

Johanna Wanka abonniert am Stand der Bundesregierung den Newsletter von Medizintechnologie.de.

Quelle: Eric Lichtenscheidt/VDI Technologiezentrum GmbH

Gleich zwei Mitglieder aus den Reihen der Bundesregierung nutzten die MEDICA als publikumsträchtige Plattform zum Dialog und der Kommunikation aktueller politischer Anliegen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe unterstrich zur Eröffnung der MEDICA 2015 beim 38. Deutschen Krankenhaustag die Bedeutung des geplanten Krankenhausstrukturgesetzes und diskutierte im Anschluss beim MEDICA Econ Forum über aktuelle gesundheitspolitische Themen. Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka stellte zum Auftakt beim MEDICA Health IT Forum das richtungsweisende Förderkonzept Medizininformatik der Bundesregierung vor. Es setzt genau da an, woran es derzeit noch vielfach hapert: Viele medizinische Daten sind verstreut gespeichert in Kliniken, Praxen oder anderen Versorgungseinrichtungen – oft nicht einmal in digitaler Form. Gefragt sind demnach innovative IT-Lösungen zur besseren Daten-Zusammenführung, wie Bundesministerin Wanka hervorhob: „Einer der großen inhaltlichen Schwerpunkte der MEDICA ist die Digitalisierung der Medizin. Darum war die MEDICA 2015 für die Vorstellung des Förderkonzepts Medizininformatik der geeignete Ort. Uns geht es vor allem darum, dass medizinisch relevante Daten zum Wohle der Patienten genutzt werden. Wenn diese Daten systematisch ausgewertet werden, können daraus genauere Diagnosen und verbesserte Therapien abgeleitet werden.“

Die digitale „Revolution“ könnte vom Patienten ausgehen

Dass die digitale Zukunft auch im Gesundheitsbereich schon sehr konkrete Formen annimmt, davon konnten sich die MEDICA-Besucher im Hinblick auf zahlreiche  Neuheiten überzeugen, aber auch in den Vorträgen und Präsentationen etwa beim MEDICA Connected Healthcare Forum (mit MEDICA App Competition) oder dem MEDICA Health IT Forum. Hier wurden Projekte und IT-Anwendungen vorgestellt für eine „Live“-Verbindung des Patienten vom Klinikbett in ein Klassenzimmer mittels Internet, Tablet-PC und steuerbarem Robotor oder auch das Projekt einer telemedizinischen Sprechstunde zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.

Wearables und Health-Apps auf dem Vormarsch

Insbesondere „Wearables“ und Smartphones in Kombination mit speziellen Health-Apps, die auch durch den Patienten selbst angewendet werden können, haben das Potenzial, zum unabdingbaren Bestandteil einer Zukunft der vernetzten Gesundheit zu werden. Zu den Produktneuheiten der MEDICA 2015 zählten etwa das erste mobile 22-Kanal-EKG-System für Tablet-PC und Smartphone. Das System ermöglicht nicht nur die Diagnose von Herzrhythmusstörungen, sondern auch von Durchblutungsmängeln (als Vorboten eines Infarktes). Viel Beachtung fanden auch ein mobiles Analysetool zur Messung von Emotionen für ein optimales Stressmanagement oder ein Frisbee-Scheiben ähnliches Gerät mit Mobiltelefon-Anbindung zur perfekten Analyse der Schlafaktivitäten. Wohin „die Reise geht und mit welchen Analyse-Daten womöglich demnächst schon Patienten ihre behandelnden Ärzte konfrontieren, davon konnte jeder auch einen Eindruck gewinnen bei der „Wearable Technologies Show“. Die Vielfalt der Geräte reicht von Lifestyle-Produkten wie Fitness-Tracker über intelligente Brillen und Hörgeräte bis hin zum neuesten Trend – intelligenten Pflastern, die über Sensoren kontinuierlich Körperdaten abrufen und unter anderem Medikamente abgeben können.

Trend zur Miniaturisierung hält an

Überhaupt hält der Miniaturisierungstrend in der Medizintechnik weiter an. Das gilt auch in Bezug auf Geräte und Systeme, die wirklich nur durch die „Profis vom Fach“ genutzt werden sollten. Dazu zählen zum Beispiel äußerst kompakte Geräte im Jackentaschen-Format für die medizinische Bildgebung, wobei selbst das noch auf die Spitze getrieben werden kann. Vorgestellt wurde  zudem ein Ultraschall-Gerät, das einzig aus einem Schallkopf und der Verbindung zu einem Tablet-PC mit passender App besteht. Ebenfalls neu: ein System mit kabellosem Schallkopf für besondere Bewegungsfreiheit bei der Ultraschall-Untersuchung. 

Zulieferer als Partner für die komplette Wertschöpfungskette

Bereits zum 24. Mal in Verbindung mit der MEDICA und nun erstmals an vier Lauftagen fand die Compamed statt, als die international führende Fachmesse für die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie. Die Rekordzahl von 779 Ausstellern präsentierten den 18.800 Fachbesuchern in den Halle 8a und 8b Technologielösungen und Services für die gesamte Medizintechnik-Wertschöpfungskette – von der Entwicklung über die Zulassung bis hin zur Serienfertigung und den Vertrieb sowie den Ersatzteil-Handel. Den anhaltenden Trend zur Miniaturisierung, immer kompakteren und doch zugleich komplexeren Systemen thematisierte zum Beispiel der Gemeinschaftsstand des IVAM – Fachverband für Mikrotechnik sowie auch die beiden in die Compamed integrierten Fachforen. Als Highlights der Compamed 2015 anzuführen sind unter anderem smarte Sensoren zur Verwendung in „Wearables“, Mikrosystemtechnik-Applikationen für intelligente Implantate oder auch gedruckte Elektronik.

Termin der nächsten MEDICA und Compamed in Düsseldorf: 14. bis 17. November 2016