MEDICA 2015

Fokus auf E-Health und Digitalisierung

"Versorgungsdaten und Forschungsdaten werden nicht verbunden. Wir vergeben hier große Chancen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung des neuen Förderprogramm Medizininformatik.

Quelle: MEDICA

Prominenter Besuch und ein Austellerrekord: So startete gestern die MEDICA 2015.  Bundesforschungsministerin Johanna Wanka stellte ein millionenschweres Medizininformatik-Förderkonzept vor. Mit Hilfe von Daten sollen in den nächsten Jahren bessere Therapien und Diagnosen entwickelt werden. Außerdem kündigte sie im Interview mit Medizintechnologie.de ein Fachprogramm Medizintechnik an. von Tim Gabel

Die weltgrößte Medizintechnikmesse startete in diesem Jahr mit einem Rekord von fast 5.000 Ausstellern. Auch die Compamed, die parallel stattfindende Zulieferer-Messe, steigerte sich zum Vorjahr nochmal um knapp 50 auf 779 Aussteller.

Auf dem Deutschen Krankenhaustag, der ebenfalls in den Messehallen Düsseldorf stattfindet, verteidigte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gestern bei einer Podiumsdiskussion die Krankenhausreform, die „keine Marktbereinigung, sondern ein Weg zu einer besseren Arbeitsteilung der Kliniken und zu einer erhöhten Transparenz der Qualität der Patientenversorgung" sei.

E-Health und Digitalisierung in der Medizin sind die inhaltlichen Schwerpunkte der MEDICA 2015. Immer mehr auch medizinisch relevante Daten können sprichwörtlich im Handumdrehen erfasst, verarbeitet und übermittelt werden. Messe-Geschäftsführer Joachim Schäfer sieht es als Aufgabe der Medica, auch in diesem Bereich Trendsetter zu sein: „Was mit wenigen Mini-Programmen für Smartphones und Fitness-Armbändern begann, entwickelt sich zum Megatrend und wird künftig die Behandlung, zum Beispiel auch nach einem stationären Aufenthalt zuhause, wesentlich prägen.“

Das Thema taucht deshalb gleich in mehreren Programmpunkten der MEDICA wieder auf. Nach der Premiere im vergangenen Jahr wird auch 2015 wieder das MEDICA Connected Healthcare Forum stattfinden. Gerechnet wird dort mit rund 2.000 Teilnehmern, die sich in den durchweg englischsprachigen Präsentationen informieren können. Außerdem spiegelt auch das seit Jahren etablierte MEDICA Health IT Forum, auf dem Johanna Wanka ihr Förderkonzept vorgestellt hat, Trends aus dem Themenbereich Digitalisierung wieder. Hier liegt der Schwerpunkt vorrangig auf dem weiten Feld der Telemedizin.

Bei der Vorstellung des neuen Förderprogramms Medizininformatik kritisierte Wanka, dass Deutschland im internationalen Vergleich beim Thema E-Health hinterher hinke. In Europa seien besonders Großbritannien und die skandinavischen Länder schon weiter. "Versorgungsdaten und Forschungsdaten werden nicht verbunden. Wir vergeben hier große Chancen", sagte sie. Der bereits jetzt riesige Datenschatz in Medizin und Forschung wachse kontinuierlich weiter, werde aber noch unzureichend genutzt. „Täglich werden unzählige gesundheitsrelevante Daten in Kliniken, Arztpraxen und auch in der biomedizinischen Forschung erhoben. Die neue Strategie zur Medizininformatik wird dazu beitragen, dass mit Hilfe dieser Informationen genauere Diagnosen und bessere Therapien entwickelt werden", sagte Wanka. Zur Förderung der Medizininformatik stellt das BMBF in den kommenden fünf Jahren 100 Millionen Euro bereit. Die zu entwickelnden IT-Systeme sollen die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, biomedizinischer und klinischer Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg ermöglichen, so Wanka.

Heute, am 17. November, solll die MEDICA App Competition spannende Ideen hinsichtlich hilfreicher medizinischer Anwendungen für mobile Endgeräte liefern. Das MEDICA Tech Forum stellt Produktinnovationen der Medizintechnik-Industrie sowie politische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für das Gebiet der Hightech-Medizin vor und zur Debatte.