Mittelstandsförderung

Schwerpunkt auf innovativer Medizintechnik

Kleine und mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der Medizintechnikbranche und der gesamten Gesundheitswirtschaft. Im branchenübgreifenden Zehn-Punkte-Programm für den Mittelstand hat der medizintechnische Mittelstand daher einen hohen Stellenwert.

Quelle: BVMed

Die Medizintechnik-Branche hat einen hohen Stellenwert in der neuen BMBF-Strategie für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland. Im branchenübergreifenden Zehn-Punkte-Programm: „Vorfahrt für den Mittelstand“ sind Initiativen für die Medizintechnik an mehreren Stellen prominent vertreten. Unter anderem wird in dem Papier angekündigt, dass das Bundesforschungsministerium in naher Zukunft ein speziell für die Medizintechnik zugeschnittenes Fachprogramm veröffentlichen will. Dieses soll die besonderen Herausforderungen für mittelständische Unternehmen in diesem Bereich adressieren. Ein wichtiges Signal gerade nach neuen beunruhigenden Ergebnissen zweier Innovationsberichte.  von Tim Gabel

Kleine und mittlere Unternehmen fallen laut der Zahlen der Innovationsreports der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei Forschungs- und Entwicklungsausgaben zurück. Nach dem ZEW-Bericht liegen die Ausgaben der Unternehmen in Deutschland für Innovationen, also für Forschung und Entwicklung, Marketing, Prototypen oder Produktionsaufbau, zwar insgesamt mit 145 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf einem stabilen hohen Niveau, doch der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen daran nimmt ab. Selbst der absolute Wert der Ausgaben stagniert. Gleichzeitig sinkt die sogenannte „Innovatorenquote“ - der Anteil der Unternehmen, die erfolgreich neue Produkte und Dienstleistungen in den Markt eingeführt haben.

KMU entscheiden über wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands

Das ist problematisch, da kleine und mittlere Unternehmen mitentscheidend für den Erfolg der deutschen Wirtschaft sind. Auf den KMU fußt das deutsche Wirtschaftsmodell: Sie bieten 16 Millionen Menschen Arbeit und stellen etwa 83 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplätze. Zwar geht es vielen Unternehmen gut, angesichts des globalen Wettbewerbs, der Digitalisierung und neuer Geschäftsmodelle ist es aber keineswegs sicher, dass das so bleibt. Damit sie sich international noch besser behaupten können, fördert das Bundesforschungsministerium ihre Innovationskraft mit einem neuen Konzept. „Unser Ziel ist es, auch Unternehmen zu eigenen Innovationsanstrengungen zu ermuntern, die hier bisher wenig aktiv waren“, sagte Bundesministerin Johanna Wanka bei der Vorstellung des neuen Programms „Vorfahrt für den Mittelstand“, mit dem das Ministerium die  Förderung der KMU bis einschließlich 2017 auf rund 320 Millionen Euro pro Jahr erhöht.

Medizintechnik als Wachstumstreiber

Einen Schwerpunkt legt das Ministerium dabei auf die Medizintechnikbranche. Die deutsche Medizintechnik ist innerhalb der Gesundheitswirtschaft einer der zentralen Wachstumstreiber. Mit einem jährlichen Umsatz in 2014 von 8 Milliarden Euro im Inland und 17 Milliarden Euro im Ausland sowie 125.000 Mitarbeitern ist sie ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Nach den USA und Japan zählt Deutschland zu den weltweit bedeutendsten Herstellerländern von Medizinprodukten. Strukturell gesehen ist die Branche vor allem mittelständisch geprägt. Die rund 1.100 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bilden mit einem überdurchschnittlichen Anteil von 93 Prozent das Rückgrat der Medizintechnik in Deutschland.

Gleich drei Förderangebote speziell auf Medizintechnik zugeschnitten

Neben Information und Beratung durch die Nationale Informationsplattform Medizintechnik, Medizintechnologie.de, bietet das BMBF inzwischen gleich drei auf die Medizintechnik-Branche zugeschnittene Förderangebote. Mit „KMU-innovativ Medizintechnik“ haben Mittelständler ein verlässliches Förderangebot für FuE-Projekte. Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens rücken Medizintechnik- und IT-Branche enger zusammen, woraus sich neue Innovationspotenziale für KMU der Medizintechnikbranche ergeben. Mit der Fördermaßnahme „Medizintechnische Lösungen für die digitale Gesundheitsversorgung“ wird diese Entwicklung aufgegriffen.

Laut Zehn-Punkte-Plan ist es das Ziel der Maßnahme, digitalgestützte Produkt-, Prozess- oder Dienstleistungsinnovationen zu initiieren, die die Patientenversorgung und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems nachhaltig verbessern“. In der Fördermaßnahme „Industrie-in-Klinik-Plattform“ werden mittelstandsorientierte, neue Innovations- und Kooperationsmodelle erprobt. „Dies stärkt die Zusammenarbeit von Klinikern und Innovatoren. Wir ermöglichen KMU die Entwicklung und Erprobung neuer Medizinprodukte in direktem Kontakt mit Anwendern und federn mögliche Entwicklungsrisiken ab“, so das BMBF.

Fachprogramm soll Forschung stärker versorgungsnah ausrichten

Ein Fachprogramm Medizintechnik, dass das BMBF in Kürze veröffentlichen will, soll die Förderung in diesem Bereich für die nächsten Jahre verlässlich festlegen. Das Fachprogramm adressiert die besonderen Herausforderungen für mittelständische Medizintechnikunternehmen. „Mit dem Fachprogramm richten wir – aufbauend auf den Handlungsempfehlungen des nationalen Strategieprozesses Medizintechnik – die Forschung stärker am medizinischen und versorgungsseitigen Bedarf aus und etablieren eine anwendungsnahe und industrieorientierte Forschungsförderung“, so die BMBF-Strategie laut dem Zehn-Punkte-Plan.

Mehr im Internet:

BMBF-Mitteilung zum Zehn-Punkte-Programm
für einen innovativen Mittelstand

Das Zehn-Punkte-Programm des BMBF als pdf

© Medizintechnologie.de