Robert Koch Institut

Deutschland droht Zunahme von Erblindungen

Im Alter ist das Auge sehr anfällig für Erkrankungen.

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Etwa 560.000 Menschen in Deutschland sind blind oder sehbehindert - Tendenz steigend. Einer der Hauptgründe ist die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik. Das Robert-Koch-Institut hat nun in einer Studie die Ursachen für Erblindungen zusammentragen sowie Möglichkeiten der Vorbeugung und Versorgung sondiert. Das Fazit: Es gibt Besserungsbedarf. von Romy König

In Zukunft wird es in Deutschland immer mehr blinde Menschen geben. Das mahnt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem kürzlich erschienenen GBE-Themenheft „Blindheit und Sehbehinderung“ an. Der Grund seien altersbedingte Augenerkrankungen wie die Makuladegeneration, die, so das RKI, im Zuge der allgemeinen Alterung der deutschen Bevölkerung weiter zunehmen würden.

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), eine Netzhauterkrankung, bei der im Spätstadium die Stelle des schärfsten Sehens, der Gelbe Fleck (Makular), geschädigt wird, ist mit 40 Prozent die häufigste Ursache für Neuerblindungen. Etwa 13 Prozent der über 85-Jährigen sind daran erkrankt. Die fortschreitende Erblindung sei bei AMD-Patienten nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nur schwer aufzuhalten, so das RKI. Bei lediglich einer der zwei Formen der AMD, der sogenannten späten feuchten AMD, gebe es neuere Behandlungsmöglichkeiten. Doch deren Erfolg hänge maßgeblich von einem frühen Behandlungsbeginn ab. Auch regelmäßige und ausreichende Folgebehandlungen seien wichtig.

Diagnosemethode für Glaukom dringend gesucht

Neben der AMD zählen der Grüne Star (Glaukom) und die diabetische Retinopathie zu den Hauptursachen für Erblindung (15,4 bzw. 9,7 Prozent). Während das Glaukom – eine irreversible Schädigung des Sehnervenkopfes – meist mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks einhergeht, ist die Retinopathie, eine Schädigung der Netzhaut, eine direkte Folge der Zuckerkrankheit. „Hier wirkt sich verstärkend aus, dass es immer mehr Menschen gibt, die an Diabetes erkranken und entsprechend gefährdet sind“, so die RKI-Wissenschaftler.

Damit in Deutschland künftig weniger Menschen erblinden, müssten die ursächlichen Erkrankungen früh diagnostiziert und therapiert werden, heißt es weiter in der Studie. So sei etwa das Glaukom nur bei früher Diagnose erfolgreich behandelbar. Das Problem: Bisher steht keine Diagnosemethode zur Verfügung, die, so die Autoren, „den Anforderungen des G-BA an ein bevölkerungsbezogenes Screeningprogramm genügen“ würde. Gut seien hingegen die Chancen, einer diabetischen Retinopathie vorzubeugen. Hier würden allerdings die entsprechenden Angebote, etwa Untersuchungen beim Augenarzt, zu selten in Anspruch genommen.

Positiv bewertete das RKI die zahlreichen Unterstützungsangebote für Blinde in Deutschland. Neben finanziellen Sozialleistungen und der Versorgung mit Hilfsmitteln könnten blinde und sehbehinderte Menschen auch auf Strukturen der Selbsthilfe zurückgreifen. Zudem stehe im Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes (BGG) – das 2002 in Kraft getreten ist und gerade überarbeitet wird – die barrierefreie Umweltgestaltung im Vordergrund. Auch der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention werde derzeit aktualisiert. Allerdings hätten einige Bundesländer in den letzten Jahren das einkommensunabhängige Blindengeld gekürzt. „Betroffene haben in diesen Fällen die Möglichkeit, die Beantragung der ergänzenden einkommensabhängigen Blindenhilfe nach § 72 SGB XII zu beantragen“, so das RKI.

Keine belastbaren Zahlen über Therapie von Blinden vorhanden

„Erhebliche Lücken“ sieht das RKI allerdings bei der derzeitigen Datenlage: So fehlten in der Schwerbehindertenstatik etwa genaue Zahlen über die Inzidenz von Blindheit und Sehbehinderung, also die Anzahl der Neuzugänge. Selbst die in der amtlichen Statistik ausgewiesene Blindheitsprävalenz, also die Häufigkeit, sei „lediglich eine Annäherung an die Zahl blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland“. Auch fehle ein Überblick, wie viele Blinde und Sehbehinderte Reha-Maßnahmen in Anspruch nehmen – zu viele unterschiedliche Organisationen seien damit befasst, eine übergreifende Bestandsaufnahme gebe es nicht. Doch gerade belastbare Daten seien eine wichtige Voraussetzung, um Maßnahmen zur Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen künftig besser zu planen und umzusetzen.

Mehr dazu im Internet:

Themenheft: Blindheit und Sehbehinderung

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