conhIT 2017

Digitalisierung voll im Visier

In den Berliner Messehallen unter dem Funkturm dreht sich Ende April wieder alles um die digitale Gesundheitswirtschaft.

Quelle: conhIT/ Messe Berlin

Dieses Jahr treffen sich zum 10. Mal die Experten der digitalen Gesundheitswirtschaft unter dem Berliner Funkturm, diskutieren Herausforderungen und präsentieren ihre Innovationen. Die zentralen Themen rund um das Jubiläum der conhIT sind: Elektronische Patientenakte, Interoperabilität, IT-Sicherheit und Mobile Health. von Matthias Lehmphul

Es ist wieder so weit. In der 17. Kalenderwoche treffen sich die Fachleute aus Wirtschaft und Politik, um über die Belange der digitalen Gesundheitswirtschaft auf der conhIT zu debattieren - im Großen wie im Kleinen. Und es gibt viel zu besprechen: E-Health-Gesetz, IT-Sicherheit in Kliniken und Interoperabilität von Software wie Geräten. Alles keine kleinen Bretter, die im Gesundheitswesen gebohrt werden. 

Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung

Die Unternehmen bewiesen in den vergangenen neun Messen, dass sie eigentlich mehr können, als im Alltag der Praxen und Kliniken angewendet wird - und angewendet werden darf. Es wird also wieder spannend - und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wird die conhIT als Schirmherr gebührend eröffnen.

Alle Akteure - auch die Patienten - wollen nämlich wissen, wie es weitergeht mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen. „Digitale Vernetzung bedeutet nicht nur schnellere Kommunikation und verbesserte Wirtschaftlichkeit, sondern es geht immer um den direkten medizinischen Nutzen für die Gesundheit des Einzelnen, das heißt um die Überwindung von Informationsbrüchen und um die Verbesserung von Behandlungsabläufen", sagt Hermann Gröhe in seinem Grußwort im Programmheft. „Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird unsere gesamte Gesundheitsversorgung nachhaltig verändern. Die Chancen, die sie uns bietet, müssen wir für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer hervorragenden Gesundheitsversorgung nachhaltig nutzen."

Elektronische Patientenakte

Eine zentrale Rolle spielt dabei die elektronische Patientenakte. „Digitale Gesundheit, also die Vernetzung der Leistungserbringer und der direkte mobile Zugang von Patienten auf ihre Gesundheitsdaten, ist der große Treiber der Zukunft“, sagt Ekkehard Mittelstaedt, Geschäftsführer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) und Veranstalter der conhIT. Die Digitalisierung werde ihre Wirkung – etwa die einer effizienteren Gesundheitsversorgung – nur entfalten können, wenn elektronische Patientenakten flächendeckend zur Verfügung stünden.

Deswegen sei dieses Thema auch eines der Schwerpunkte auf der Messe. „Ziel sollten nicht Insellösungen einzelner Krankenkassen sein. Es gilt, einheitliche technische und semantische Standards zu definieren.“

Interoperabilitätsverzeichnis

Dauerbrenner Schnittstellen wird dieses Jahr besonders heiß auf den Podien der Kongresssessions diskutiert werden. Denn im Sommer soll das Interoperabilitätsverzeichnis seinen Betrieb aufnehmen. Der Bundesverband bvitg ist sehr skeptisch, ob es geeignet ist, die nötige technische Standardisierung bei elektronischen Patientenakten voranzubringen.

Es bestehe die Gefahr, dass die Selbstverwaltung und die Gematik darüber eher regulatorisch handeln und ihre eigenen Standards setzen möchten, anstatt sich die besten Lösungen im freien Wettbewerb entwickeln zu lassen. Dadurch könnte es zu einem Bruch kommen, so dass am Ende jeder Versorgungssektor seine eigenen Standards etablieren würde, was wiederum den Patienten schaden würde, so der Verband.

IT-Sicherheit in Kliniken

Die Randsomeware ist mitnichten das einzige Problem der Kliniken. Nach Angaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik stieg 2016 die Anzahl der Varianten möglicher Schadsoftware auf über 560 Millionen. Es gibt nur Schätzungen über Angriffe. Offiziell wurden 2016 nach Angaben des Bundesverbandes Krankenhaus-IT 60 Fälle gemeldet - also etwa 3 Prozent aller Kliniken. Die Dunkelziffer sei möglicherweise höher, schätzen Experten, da viele Unternehmen Vorfälle einfach nicht melden.

Das Thema bleibt hochbrisant und wird auch auf der Messe viel diskutiert werden - etwa Risikomanagement in Kliniken, das IT-Sicherheitsgesetz, die anknüpfenden Rechtsverordnungen zur Umsetzung der kritischen Infrastrukturen oder die Frage der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Und die Hersteller zeigen in den Hallen ihre innovationen Lösungen, um bestmögliche Sicherheit im Gesundheitswesen zu ermöglichen.  

Apps und Mobile Health

Auf der Messe ist neben E-Health-Gesetz, Elektronischer Patientenakte, Interoperabilität und IT-Sicherheit in Kliniken das Thema Apps und Mobile Health omnipräsent. Die gesetzlichen Krankenkassen diskutieren zusammen mit Ärzten und Herstellern über innovative Lösungswege und Herausforderungen. Denn es treffen immer noch Welten aufeinander, wenn IT-Unternehmen, APP-Entwickler und Kliniken miteinander sprechen. „Die ausdrückliche Erwähnung des mobilen Zugriffs auf die Telematikinfrastruktur im E-Health-Gesetz war ein wichtiges Signal. Allerdings muss jetzt auch in der Umsetzung sichergestellt werden, dass der Patient mit seinen mobilen Anwendungen wirklich Zugang zur Telematikinfrastruktur erhält", sagt Mittelstaedt. 

Es gibt aber nicht nur große Bühnen auf der conhIT. Viel passiert zwischendurch auf den Fluren oder in kleiner Runde. So wird es einen Workshop für Startups, die in den ersten Gesundheitsmarkt wollen, geben. Und für Kleinunternehmer wird es das Angebot eine Nummer größer geben - auf der Suche nach Wachstumsstrategien. Höhepunkt für diesen thematischen Arm sind der Newcomer-Pitch und der AppCircus. Dort wird um die beste Health App des Jahres geslamt - im zehn Minutentakt. Und die Prämie ist echt heiß: Der Gewinner fährt zum global challenge nach Barcelona.

Die conhIT wurde 2008 vom bvitg gegründet und seit dem von der Messe Berlin organisiert. 2016 präsentierten sich 451 Hersteller. Die Messe zählt mit etwa 9.000 Besuchern zu den wichtigsten Branchentreffs der digitalen Gesundheitswirtschaft in Europa.

Mehr dazu im Internet:

Programm der conhIT 2017

APP Circus 2017

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