Medizintechnik in Thüringen

Eine bunt gemischte Szene im Herzen Deutschlands

Ein Landschaftsfoto: im Vordergrund grün, dahinter eine Kleinstadt vor blauem sonnigen Himmel.

In der Mitte Deutschlands liegt Jena. Nicht nur Carl Zeiss prägt dort das Gesicht der Medizintechnikbranche.

Quelle: deyveone/Fotolia

Mitte Mai nahm in Jena die „Zukunftskonferenz Medizintechnik“ die neuen Herausforderungen für die Branche ins Visier. Am Rande sprach Medizintechnologie.de mit Volker Wiechmann, Vorstand von medways e.V., darüber, welche Zukunft die Medizintechnik im Freistaat Thüringen hat. von Jana Ehrhardt-Joswig

„Zukunftskonferenz Medizintechnik“ – das ist ein wegweisender Titel. Herr Wiechmann, wie sieht diese Zukunft aus?

Volker Wiechmann: Vor einigen Jahren sind Megatrends für die Medizintechnik ausgemacht worden: Molekularisierung, Miniaturisierung und Computerisierung. Diese Megatrends gelten nach wie vor. Hinzu kommen die Digitalisierung der Medizin und der damit zusammenhängende Transport großer Mengen von Patientendaten. Dahin wird sich die Medizinprodukteindustrie entwickeln müssen: auf das Handling großer Datenmengen und auf die damit einhergehenden besseren Diagnostik- und individuellen Behandlungsmöglichkeiten.

Medizintechnik in Thüringen – da denkt man in allererster Linie an Carl Zeiss Jena. Was macht die Branche im Freistaat sonst noch aus?

Protrait eines Mannes mittleren Alters mit kurzem Haar und Brille.

Volker Wiechmann, Vorstand von medways e.V.

Quelle: medways e.V.

Thüringen hat eine sehr bunt gemischte Medizintechnik-Szene. Wir haben hier Hersteller von OP-Tischen, von Rehabilitationsmaterialien, von Hilfsmitteln für alte und behinderte Menschen, von funktionsdiagnostischer Medizintechnik. In den vergangenen Jahren ist im Zuge der Computerisierung der Anteil von IT-Lieferanten sehr stark gewachsen. In Summe gibt es in Thüringen 42 In-Verkehr-Bringer – vom Kleinstunternehmen über den typischen Mittelständler bis hin zur Aktiengesellschaft – und etwa 200 Zulieferer.

Nicht zu vergessen: Thüringen hat eine ausgezeichnete Forschungsinfrastruktur. In Jena an der Fachhochschule gibt es den Fachbereich Medizintechnik, an der Technischen Universität in Ilmenau ist ein Institut für Biomedizinische Technik und Informatik angesiedelt. In Thüringen studieren also junge Menschen aus der ganzen Welt Medizintechnik in ihren diversen Spielarten.

Im Vergleich mit anderen Bundesländern: Wo steht Thüringen?

Bei den Beschäftigtenzahlen, Umsatzzahlen und Betriebsgrößen kommt Thüringen nicht an Bayern oder Baden-Württemberg heran. Aber wir sind – wenn auch nur mit knappem Abstand vor Berlin-Brandenburg – der größte Medizintechnikstandort in den neuen Bundesländern.

Wenn wir über Zukunft reden, kommen wir um die Medical Device Regulation und die neue Qualitätsmanagement-Norm 13485 nicht herum. Was kommt da auf die Unternehmen zu?

Die Herausforderungen, die die Unternehmen meistern müssen, nehmen deutlich zu. Unter anderem wird der Dokumentationsaufwand für alles, was die Hersteller bei Forschung, Entwicklung, Produktion, Vertrieb et cetera zu leisten haben, immens. Das wird viele Unternehmen belasten, denn es bindet Arbeitskräfte. Der typische Medizintechnikhersteller ist ja ein klein- und mittelständisches Unternehmen, und entsprechend sind die Beschäftigungszahlen. Die Unternehmen müssen ihre Personalressourcen also auf diese Forderung hin ausbauen. Das bedeutet im Endeffekt, dass die Medizinprodukte teurer werden. Denn die Personalkosten – das sind ohnehin die höchsten Kosten, die im Unternehmen anfallen – werden zunehmen.

Sind denn genug Personalressourcen vorhanden?

Ich würde sagen, da sind wir in vornehmer Gesellschaft. Wir haben deutschlandweit in allen Branchen einen immensen Fachkräftemangel, da macht die Medizintechnik keine Ausnahme.

Also ist ein Medizintechnikstudium – und damit kommen wir wieder auf die Zukunft zu sprechen – ein aussichtsreiches Fach?

Auf alle Fälle.

Vielen Dank für das Gespräch!

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