Hauptversammlung

Fresenius weiter in Einkaufslaune

Produktion von Adsorbern bei Fresenius Medical Care im österreichischen Krems.

Quelle: Fresenius

Das 13. Rekordergebnis von Fresenius erfreut vor allem die Aktionäre auf der diesjährigen Hauptversammlung. Derweil geht der Gesundheitskonzern weiter shoppen. von Matthias Lehmphul

Im Geschäftsjahr 2016 erzielte der Gesundheitskonzern einen Umsatz von 29,5 Milliarden Euro. Gestärkt vom 13. Rekordgewinn in Folge, trat das Management von Fresenius am vergangenen Freitag in Frankfurt sichtlich stolz vor die Aktionäre. „Mit Bewährtem geben wir uns nicht zufrieden", sagte Stephan Sturm, Vorstandsvorsitzender von Fresenius, auf der Hauptversammlung in Frankfurt. „Das gilt im Kleinen, also beim einzelnen Produkt oder einer Dienstleistung. Das gilt aber auch im Großen, also beim Unternehmen selbst. Deshalb wollen und werden wir weiter wachsen. Weil wir dadurch noch bessere Produkte und Therapien anbieten können. Weil wir so zu einer hochwertigen medizinischen Versorgung beitragen, die gleichzeitig bezahlbar bleibt. Auch künftig lautet unser Anspruch: Immer bessere Medizin für immer mehr Menschen."

Die Bad Homburger wuchsen in den vergangenen Jahren auf beachtliche Größe. Die Tochter Helios ist mit 112 Kliniken der größte private Krankenhausbetreiber hierzulande, und die Sparte Vamed bietet Dienstleistungen für Kliniken. Die Tochter Kabi versorgt Patienten mit Fusionen, klinischer Ernährung und intravenös verabreichten Nachahmermedikamenten. Und mit der Medizintechniksparte ist Fresenius der Weltmarktführer im Bereich der Dialyse.

Das Wachstum zahlt sich für die Aktionäre aus. Die Aktie des Gesamtkonzerns liegt derzeit bei etwa 80 Euro. Allein in den vergangenen drei Jahren hat sich ihr Wert damit verdoppelt. Die Aktionäre erhalten für 2016 eine satte Dividende von 62 Cent je Anteil - deutlich mehr als für das Vorjahr (55 Cent).

Erwartungen nach oben korrigiert

Die Erfolgsgeschichte scheint weiter anzuhalten. Im ersten Quartal 2017 kletterten die Gesamterlöse um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Wechselkursschwankungen herausgerechnet, betrug das Plus 17 Prozent. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Dabei konnte Fresenius aus eigener Kraft um sieben Prozent wachsen, den Löwenanteil zum Umsatzplus trug jedoch eine Vergütungsnachzahlung für die Dialysetochter Fresenius Medical Care bei.

Im laufenden Jahr will Fresenius sein Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis und währungsbereinigt um 19 bis 21 Prozent steigern - bislang war ein Zuwachs um 17 bis 20 Prozent angepeilt. Auch das besagte Tochterunternehmen Fresenius Medical Care erwartet im Geschäftsjahr 2017 ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum. Der Umsatz soll währungsbereinigt um acht bis zehn Prozent und das Konzernergebnis um sieben bis neun Prozent steigen.

„Fresenius Medical Care ist das weltweit größte Dialyseunternehmen“, sagt Rice Powell, Vorstandsvorsitzender von Fresenius Medical Care. „Kein Unternehmen verkauft mehr Dialyseprodukte als wir. Kein Unternehmen betreut mehr Patienten als wir. Im Bereich Versorgungsmanagement bauen wir Geschäftsfelder aus, die die umfassende Behandlung unserer Patienten über die Dialyse hinaus ermöglichen. Neue Bereiche wie diese sind die Grundlage für zusätzliches Wachstum.“

Überraschender Doppelschlag

Dass Konzernchef Sturm große Übernahmen nicht scheut, bewies er jüngst wieder mit einem Doppelschlag. Fresenius übernimmt Akorn, einem US-amerikanischen Hersteller von Nachahmermedikamenten, für 4,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig kauft Fresenius die Biosimilars-Sparte des Darmstädter Merck-Konzerns für bis zu 670 Millionen Euro. Beide Übernahmen könnten durchaus das ganze Geschäftsjahr beanspruchen.

Mit Biosimilars, Nachahmermitteln von Biotech-Medikamenten, wagt sich Fresenius in ein neues Feld. Da bei wichtigen Mitteln weltweit der Patentschutz abläuft, hofft Fresenius, mit günstigeren Kopien mehr Patienten zu versorgen. Für das Geschäft mit biotechnologischen Nachahmerprodukten sei der Einstiegszeitpunkt „optimal“, sagte Sturm. Der Bereich biete zahlreiche Parallelen zum Geschäft der Fresenius-Flüssigmedizinsparte Kabi und erlaube es, viele Krebsarten, aber auch Krankheiten wie Rheuma und Diabetes zu behandeln.

Übernahmen als Erfolgskonzept

Der Konzern will weiter wachsen. „Aus dieser Position der Stärke heraus schaffen wir mit strategisch wichtigen Zukäufen noch bessere Voraussetzungen für unseren langfristigen Erfolg.“ Vorstandschef Sturm, der seit vergangenem Juli Fresenius führt, setzt gezielt auf Übernahmen.  Erst 2016 übernahm Fresenius die spanische Klinikkette Quirónsalud - die mit gut 5,7 Milliarden Euro größte Übernahme der Firmengeschichte.

Dieses Jahr sind weitere Zukäufe möglich. Denn der Übernahmehunger des Dax-Konzerns scheint noch nicht gestillt zu sein. Sturm ließ bereits im Februar durchblicken, dass die Krankenhaustochter Helios nach Deutschland und Spanien einen dritten Klinik-Markt erschließen möchte. Besonders stark aus eigener Kraft wachsende Bereiche bekämen die Gelegenheit, „ihr Geschäft durch Zukäufe abzurunden“.

Ob der Gesundheitskonzern diese Geschwindigkeit im Wachstum beibehält, wird sich zeigen. Unproblematisch ist das sicher nicht. Denn mit dem rekordverdächtigen Tempo weckt der Konzern immer höhere Erwartungen bei den erfolgsverwöhnten Aktionären. Allerdings finanziert Fresenius die Übernahmen per Kredit. Außerdem wird die Integration der Zukäufe in den Konzern durchaus eine Weile dauern. Bisher hatten die Bad Homburger bei Zukäufen ein gutes Händchen. „Die Frage ist, ob man sich nicht irgendwann einmal übernimmt“, sagt Bernhard Weininger vom Analysehaus Independent Research. Aktuell gebe es aber hierfür keine Anzeichen, und auch die Finanzierung der Akorn- und Biosimilar-Deals hält er für unproblematisch. „Derzeit sieht bei Fresenius alles solide aus.“

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