Europäischer Erfinderpreis 2017

Preise für deutsche Medizintechnik

Der deutsche Physiker Dr. Robert Huber verhalf der Optischen Kohärenztomografie (OCT) am Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Boston zum weltweiten Durchbruch.

Quelle: Europäisches Patentamt

Das Europäische Patentamt (EPA) zeichnete insgesamt fünf Erfinder für zwei Innovationen im Bereich der Medizintechnik an diesem Mittwoch in Venedig aus. Dabei handelt es sich um die Optische Kohärenztomografie (OCT), die in der Augenheilkunde, Kardiologie und Onkologie eingesetzt wird, und um ein Schnelltest-System, das Malaria im Blut erkennt. von Matthias Lehmphul

Der deutsche Physiker Robert Huber wurde gemeinsam mit seinen amerikanischen Kollegen James G. Fujimoto und Eric Swanson in der Kategorie „Nicht-EPA-Staaten“ für die Entwicklung der Optischen Kohärenztomografie (OCT) ausgezeichnet. OCT ist die erste Technologie, die Echtzeitbilder von menschlichem Gewebe in hochauflösenden, dreidimensionalen Strukturen liefert, ohne dass dafür invasive Untersuchungen und chirurgische Gewebeentnahmen vorgenommen werden müssen.

Die innovative Technologie basiert auf einem Prinzip, das jenem des Ultraschalls ähnelt. Hierbei wird das von den Organen reflektierte Licht eines Laserstrahls und dessen Geschwindigkeit gemessen - sozusagen die Zeitverzögerung des Lichtechos. Inzwischen gehört OCT mit Millionen durchgeführten Scans jährlich zum weltweiten Standard und ermöglicht die frühe Diagnose von schweren Augenkrankheiten wie Glaukom (grüner Star), aber auch von Krebs und Herzerkrankungen.

Alle drei Erfinder hätten OCT in erfolgreiche Unternehmen umgesetzt, so die EPA. Robert Huber ist Mitgründer der Optores GmbH und ist Professor am Institut für Biomedizinische Optik an der Universität Lübeck.

Blutschnelltest mit großem Potenzial im Kampf gegen Malaria

Auch das Preisträgerteam in der Kategorie „Industrie“ hat einen Bezug zu Deutschland: Der österreichische Biochemiker Oliver Hayden und der niederländische Hämatologe Jan van den Boogaart entwickelten bei Siemens Healthineers in Erlangen einen computergestützten Blutschnelltest für Malaria. Dafür betrachteten die Erfinder spezifische von der Infektion hervorgerufene Veränderungen im Blut und identifizierten eine Kombination aus 30 Parametern, die die Krankheit kennzeichnen. Mit einem Computeralgorithmus machen sie diesen „Daten-Fingerabdruck“ von Malaria für ein Bluttest-Gerät lesbar.

„Die Methode basiert auf der Auswertung bereits vorhandener Datenmengen. Ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Potential ausschöpfen können, um in Zukunft hämatologisch mehr zu erkennen, als wir uns bisher vorstellen konnten“, sagte Jan van den Boogaart. Wie es bei Medizinprodukten üblich ist, folgen nun nach der Entwicklungsphase umfassende klinische Studien. Das Ende der Forschungen ist damit dennoch nicht erreicht. „Wir sammeln derzeit weitere Proben, um zu untersuchen, ob die Methode prinzipiell auf andere Krankheitserreger angewendet werden kann.".

2015 zählte die Weltgesundheitsorganisation weltweit 212 Millionen Menschen an Malaria erkrankte Menschen. Davon starben 429.000 Menschen an Malaria. Als erster automatisierter Test habe die Erfindung großes Potenzial im Kampf gegen die Krankheit. Denn dieser erkenne die Infektion schnell und mit hoher Sensitivität - und setze damit einen „Meilenstein“, so die EPA.

Besondere wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung

Die Preisträger wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams für die diesjährige Preisverleihung ausgewählt. Der Europäische Erfinderpreis fand 2017 zum zwölften Mal statt und ist einer der wichtigsten Preise für Innovation in Europa. Er wird seit 2006 jährlich vom EPA verliehen.

„Diese Erfinder haben nicht nur zur Förderung der technologischen Entwicklung beigetragen. Ihre patentierten Erfindungen sind von besonderer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Preisverleihung im Arsenale di Venezia.

Mehr dazu im Internet:

Erfinderpreis des Europäischen Patentamtes 2017 in der Kategorie „Nicht-EPA-Staaten“

Erfinderpreis des Europäischen Patentamtes 2017 in der Kategorie „Industrie“

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