BMBF-Förderinitiative Medizininformatik

Datenaustausch soll Medizin verbessern

Der entschlüsselte Patient: Ganz so futuristisch wie im Bild werden die Ergebnisse der BMBF-Konsortien für Medizininformatik wohl nicht ausfallen. Ziel der Förderinitiative ist der standortübergreifende Zugriff auf alle Patientendaten zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie.

Quelle: Fotolia/Elnur

Initiative gegen Insellösungen: Um Patienten- und Gesundheitsdaten bundesweit besser für Forschung und Entwicklung nutzbar zu machen, fördert das Bundesforschungsministerium (BMBF) den Aufbau von Datenintegrationszentren. Vier ausgewählte Konsortien unter der Leitung von Universitätskliniken sollen Standards für den Datenaustausch entwickeln, die in vier Jahren bundesweit zum Einsatz kommen. Eingebettet ist die Initiative in das Förderkonzept Medizininformatik, für das das BMBF 150 Millionen Euro bis 2021 zur Verfügung stellt. von Tim Gabel

Es ist paradox: Die digitale Revolution des Gesundheitssystems ist in aller Munde – gleichzeitig laufen in Deutschland jeden Tag unzählige Patienten mit handgeschriebenen Zetteln, Kopien und Röntgenbildern von einem Arzt zum anderen.

Zwischen Theorie und Praxis klaffe in Bezug auf Gesundheits- und Patientendaten in Deutschland eine sehr große Lücke, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Präsentation von vier Konsortien, die sogenannte Datenintegrationszentren für das Gesundheitssystem aufbauen sollen. „Aufgrund der Menge an Daten, die heute erhoben werden, könnten Ärzte theoretisch passgenaue Diagnosen für einzelne Patienten stellen. Menschen mit einer seltenen Erkrankung könnten beispielsweise schneller und effizienter behandelt werden. Oft vergehen hier Jahre, bis Eltern die richtige Therapie für ihr erkranktes Kind gefunden haben. Auch zu den Volkskrankheiten Diabetes und Krebs fallen in der klinischen Forschung sehr viele Daten an, die bislang ungenutzt bleiben.“

Wenn Daten über Symptome und Krankheitsverläufe zentral gesammelt werden, würden solche Patienten mit ihrer Symptomatik schneller und genauer zu diagnostizieren sein, so die Theorie. Neben einer besseren Diagnostik erhofft sich das BMBF auch die Entwicklung von „wirkungsvolleren und maßgeschneiderten Behandlungsmethoden“ auf Grundlage der Daten. In der Realität lägen die Informationen allerdings oft in verschiedenen Formen vor und eine Zusammenführung finde nur punktuell statt, so Wanka. Die Ursachen seien technische und kulturelle Hürden. Unterschiede im Speicherort, bei der Datenqualität oder den Datenstandards verhinderten eine standortübergreifende Nutzung von Forschungs- und Versorgungsdaten. 

Daten werden für konkrete Anwendungen gesammelt

Das BMBF habe deshalb schon 2015 die Medizininformatik-Initiative veröffentlicht. Ziel sei es, die Daten aus der Krankenversorgung, klinischen und biomedizinischen Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg zu nutzen.

In einer neunmonatigen Phase zur Konzeptentwicklung förderte das BMBF sieben Konsortien, an denen sich 28 der 33 deutschen Universitätskliniken beteiligten. Beraten von einem international besetzten Expertenkreis hat das BMBF jetzt vier Konsortien mit insgesamt 17 Unikliniken und 40 assoziierten Partnern für die Aufbau- und Vernetzungsphase ausgewählt. Für die vier Konsortien stellt das BMBF ab Januar 2018 rund 120 Millionen Euro zur Verfügung. Die übrigen drei Konsortien sollen mit einer Finanzierung von jeweils zehn Millionen Euro zumindest einen Sockelbetrag zur Realisierung ihrer Konzepte erhalten.

Neben dem Aufbau der Datenintegrationszentren, über die der Datenaustausch laufen soll, erarbeiten die Konsortien auch Anwendungskonzepte, etwa im Bereich neurologischer Erkrankungen, der individualisierten Krebstherapie und für die Auswertung von intensivmedizinischen Daten: „Für uns ist es wichtig, dass die IT-Konzepte auch schon einen ganz praktischen Nutzen für Patienten belegen sollen und dass Datensicherheitskonzepte für die strikten Datenschutzbestimmungen in Deutschland entwickelt werden.“ Ziel ist die Entwicklung von Standardlösungen, die ab 2022 auch auf andere Standorte in Deutschland übertragen werden können. „Die Privatwirtschaft wird dabei viele wichtige Funktionen übernehmen. In den Konsortien sind viele Unternehmen beteiligt, die die Daten für die Entwicklung von neuen Arzneimitteln und Medizinprodukten nutzen“, so Wanka. Abgerundet wird die Initiative durch die Etablierung neuer Lehrstühle für Medizininformatik und den Ausbau der Aus- und Weiterbildung, um den Fachkräftebedarf in diesem Bereich zu decken.

Mehr im Internet:

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