BMBF fördert Pflegeinnovationszentrum

Der Roboter wird zum Kollegen

Ein weißer Roboter in Bärengestalt hält eine junge Frau in seinen Armen. Hinter ihm steht eine Frau im Arztkittel und freut sich.

Ein neuer Trend in Krankenhäusern und Pflegeheimen? In Japan jedenfalls soll "Robear" Pflegekräfte entlasten, indem er ihnen beispielsweise das Tragen und Umbetten von Patienten abnimmt.

Quelle: Riken

Digitale Assistenzsysteme und Tele-Robotik helfen künftig, den Alltag von Pflegenden und Pflegebedürftigen zu erleichtern und den Fachkräftemangel in der Pflege abzumildern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt bis 2022 insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung, um neue technologische Unterstützungslösungen zu erforschen und schon existierende auf Wirksamkeit zu testen. Am Informatikinstitut in Oldenburg (OFFIS) ist dafür ein Pflegeinnovationszentrum – bundesweit einmalig – ins  Leben gerufen worden. von Ingrid Mühlnikel

Der Wunsch, im Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben, wird nahezu von allen Generationen geteilt. Der Einsatz moderner Technologien in der Pflege wird hierbei in naher Zukunft eine große Rolle spielen. Bereits heute gibt es mit Sensoren ausgestattete Fußmatten, die etwa einen Sturz anzeigen oder wie oft die zu pflegende Person das Bett verlässt. In Zukunft wird es aber maßgeblich darum gehen, die sogenannte Mensch-Technik-Interaktion zu verbessern.

Professor Andreas Hein, Sprecher Bereichsvorstand Gesundheit am OFFIS: „Wir werden uns am Pflegeinnovationszentrum unter anderem mit dem Einsatz von motorisierten Pflegebetten beschäftigen. Diese Betten werden heute zumeist über Fernbedienung manuell von der Pflegekraft oder dem zu Pflegenden bedient – nicht alle kommen gleich gut damit klar. Hier sehen wir Verbesserungsmöglichkeiten beispielsweise über eine visuelle Überwachung des Bettes sowie der Pflegekraft und des zu Pflegenden, so dass automatisch unterstützende Positionen des Bettes eingestellt und damit die Pflegekraft entlastet wird.“

Vier Pflegezentren testen auf Praxistauglichkeit

In vier Laboratorien in denen jeweils die Situation eine Pflegeheims, einer häuslichen Umgebung, einer Intensivpflege sowie die einer Pflegezentrale nachgestellt wird, sollen der Einsatz von Pflegerobotern und Telemonitoring  erforscht und entwickelt werden. Das Szenario: Ein Pflegeroboter hebt eine zu pflegende Person in dem Labor „Häusliche Umgebung“ aus dem Bett. Diese Pflegesituation wird in dem Labor „Pflegezentrale“ über einen Monitor überwacht und gesteuert. „Es wird darum gehen, wie wir Telemonitoring, Telerobotik und Telekonferenzsysteme unterstützend in den Pflegealltag integrieren können. Uns ist bewusst, dass das Thema Datenschutz dabei eine außerordentlich große Rolle spielen wird“, erklärt Professor Andreas Hein.

Ergänzt wird die Arbeit des Pflegeinnovationszentrums ab 2018 durch vier Pflegepraxiszentren, die in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Niedersachsen entweder an einer medizinischen Fakultät oder bei einem großen Pflegeanbieter angesiedelt sind. In ihnen sollen Technologien, die schon am Markt sind, auf Praxistauglichkeit und Wirksamkeit getestet werden. Ziel des Forschungsnetzwerkes ist also die Erprobung von derzeit im Einsatz befindlichen Pflegekonzepten und von Forschungsprojekten. Dem Pflegeinnovationszentrum am OFFIS sind die Universität Oldenburg, die Universität Bremen sowie das Hanse Institut Oldenburg angeschlossen.

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