Brain-Computer-Interface

Experten fordern ethische Richtlinien

Kopf einer Frau. Der Hinterkopf besteht aus leuchtenden Punkten. Diese symbolisieren die Verbindung des Gehirns mit einem Computer.

Die technologischen Fortschritte im Bereich der Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln sich rasant. Ethische Rahmenbedingungen gab es dafür bislang nicht.

Quelle: peshkova / Fotolia

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben im Fachmagazin Science ethische Richtlinien für den Einsatz von Gehirn-Computer-Schnittstellen formuliert. Diese sollen bei hirngesteuerten Systemen Datenschutz, Haftung und Sicherheit gewährleisten. von Jana Ehrhardt-Joswig

„Help, hope and hype“ – die Überschrift des Science-Artikels über Brain-Computer-Interfaces (BCI) bzw. Gehirn-Computer-Schnittstellen klingt beinahe pathetisch. Das passt zum Spannungsfeld, das sich bei diesem Thema auftut: Aufsehenerregende Forschungsergebnisse, die bei querschnittgelähmten Menschen durchaus berechtigte Hoffnungen auf konkrete Alltagshilfen wecken, treffen auf Einsatzszenarien, die eher dem Bereich der Fiktion denn der Wissenschaft zuzurechnen sind.

Umso wichtiger ist es, dass die Autoren in ihrem Beitrag ethische Richtlinien für den Umgang mit Gehirn-Computer-Schnittstellen aufstellen. Vor allem fordern die Tübinger Forscher eine Veto-Funktion, mit der die Nutzer jederzeit unbeabsichtigte Befehle abbrechen, die Maschine also stoppen können – etwa über eine bestimmte Bewegung der Augen. Sie schlagen außerdem vor, dass wie bei der Blackbox eines Flugzeugs alle Daten vorübergehend gespeichert werden sollten. Damit die aufgezeichneten Signale nicht unerlaubt ausgelesen werden können, müssten sämtliche Daten sicher verschlüsselt werden. Dies sei aktuell keine gängige Praxis. „Brainhacking“, der Missbrauch von Informationen durch Dritte, sei somit nicht auszuschließen. Bei implantierbaren Systemen oder Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Gehirngewebe auch direkt stimulieren können, sei besondere Vorsicht geboten: Im Extremfall sei ein sogenanntes „Brainjacking“ nicht auszuschließen – also die Manipulation des Systems, um die Hirnfunktionen und das Verhalten des BCI-Trägers zu beeinflussen.

Rasante Fortschritte

Obschon Technologien, die Hirnaktivität in Steuersignale von Computern, Robotern oder Prothesen übersetzen, bereits sehr weit entwickelt sind, wurden diese Aspekte bislang wenig beachtet und sind teilweise noch völlig ungeklärt. „Die technologischen Fortschritte im Bereich der Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln sich derzeit so rasant, dass es höchste Zeit ist, rechtliche und ethische Rahmenbedingungen zu definieren und durchzusetzen“, fordert Jens Clausen, Neuroethiker an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Mitglied des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften an der Universität Tübingen.

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