Siemens Medizintechnik

Healthineers auf Aktienkurs

Die Healthineers produzieren in Forchheim Angiographie-Systeme für die interventionelle Bildgebung.

Quelle: Siemens AG

Siemens macht seine Ankündigung wahr und bringt die Medizintechnik-Tochter an die Börse. Im ersten Halbjahr 2018 sollen erste Zeichnungen von Aktien erfolgen. Es gibt aber noch viele Fragezeichen. Eines ist klar: Die Healthineers werden weiter wachsen. von Matthias Lehmphul

Die Siemens AG bringt ihre Tochter im ersten Halbjahr 2018 an die Börse. Das verkündete der Mutterkonzern am vergangenen Donnerstag in München. Demnach sollen die Wertpapiere öffentlich gehandelt werden. „Mit einer klaren strategischen Ausrichtung und einem stringenten Umsetzungsplan werden wir die Siemens Healthineers im ersten Halbjahr 2018 in Form eines Initial Public Offerings (IPO) an die Börse bringen“, sagte Michael Sen, Vorstandsmitglied der Siemens AG. Der Konzern machte jedoch keine konkreteren Angaben – etwa wann genau oder wo der Börsengang stattfinden wird. Auch über das Gesamtvolumen und den Ausgabewert der Aktien, die im kommenden Jahr erstmalig gehandelt werden, wurden noch keine Angaben gemacht.

Mittel für Wachstum und Übernahmen

Es wurde lange darüber gerätselt, wie es mit den Healthineers weitergeht. Vorstandschef Joe Kaeser erklärte bereits 2014, dass Siemens seine Medizintechniksparte eigenständiger machen wolle. Es war aber unklar, welchen unternehmerischen und finanztechnischen Weg Siemens dabei einschlagen würde. Im Herbst 2016 gab Kaeser dann bekannt, dass die Healthineers an die Börse gehen. Mit der Ansage vom vergangenen Donnerstag, die Wertpapiere öffentlich zu handeln, ist auch klar: Die Healthineers werden nicht, wie das damalige Tochterunternehmen Osram unter den Anteilseignern von Siemens aufgeteilt.

Sen begründet die lange Entscheidungsfindung mit unternehmensinternen Prozessen. „Der Grund liegt darin, dass alle für ein solches Vorhaben wesentliche Themen nunmehr den erforderlichen Reifegrad aufweisen und sich optimal wie Puzzleteile ineinander fügen.“ So würden beispielsweise zu diesem Zeitpunkt neue Produkte auf den Markt kommen – unter anderem die Labordiagnostikplattform Atellica Solution .

Der Börsengang ist Teil der so genannten „Healthineers Strategy 2025“. Das dadurch gewonnene Finanzkapital solle helfen, die Marktposition des Konzerns mittelfristig zu sichern, so Sen. Zum einen solle das Bestandsgeschäft – sprich die Bildgebung – und das Labordiagnostikgeschäft ausgebaut werden. Zum anderen wolle Siemens in der Medizintechnik zukunftsorientierte Technologien entwickeln und auf den Markt bringen. Damit werden die Healthineers wohl auch weiter einkaufen gehen. Vor gut einem Jahr übernahmen die Healthineers das Kölner Start-up New Oncology. „Wir gehen an die Börse, weil wir damit die nötigen Mittel für Wachstum und Akquisition zur Verfügung stellen können“, sagte Sen.

Digitalisierung prägt Weiterentwicklung

Der Strategie liegen fünf Themenfelder zu grunde: „Digital, Data und AI“, „Precision Medicine“, „Therapy of Tomorrow“, „Patient Journey Steward“ und „Technology Enabled Services“. Die Healthineers sind damit in einem großen Spektrum an medizinischen Trends unterwegs. Denn nach eigenen Angaben spielen Lösungen im Bereich Digitalisierung, Big Data, künstliche Intelligenz, Präzisionsmedizin, Analyse klinischer Daten, Management von Behandlungspfaden und klinische Dienstleistungen zukünftig die zentrale Rolle.

Die Healthineers wollen mit dieser Strategie auf den durch die Digitalisierung hervorgerufenen Paradigmenwechsel in der Medizin reagieren. Dieser führe nach eigenen Angaben dazu, dass sich die evidenz-basierte Diagnose und Behandlung hin zur algorithmus-basierten Diagnose und Behandlung entwickle. Daten und Erkenntnisse aus künstlicher Intelligenz würden zu einer neuen Quelle der Wertschöpfung in der Gesundheitsbranche. Zugleich würden die Patienten zunehmend über mobile Geräte Daten sammeln und verarbeiten – und anhand dieser gesundheitsrelevante Entscheidungen treffen.

Joe Kaeser: „Voll auf Kurs“

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser stellte am Donnerstag die Geschäftszahlen des dritten Quartals 2017 vor. „Wir sind voll auf Kurs mit unserer Vision 2020 und steuern auf ein weiteres operatives Rekordjahr zu“, sagte Kaeser. Insgesamt rechnet Siemens für das laufende Geschäftsjahr mit einer Ergebnismarge von 11 Prozent für das industrielle Geschäft und erwartet ein Ergebnis pro Aktie von 7,20 Euro bis 7,70 Euro nach Steuern. Zum Vergleich: 2016 ergab die einzelne Aktie einen Gewinn von 6,74 Euro. Der Umsatz der Healthineers selbst verbesserte sich mit 3,3 Milliarden Euro moderat im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres – das entspricht 4 Prozent oder 131 Millionen Euro mehr. Das Ergebnis wuchs um 9 Prozent auf 579 Millionen Euro. Vor allem das Chinageschäft blüht mit zweistelligen Wachstumsraten.

Neben den Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal und der Nachricht über den Börsengang der Healthineers gab es noch einen dritten wichtigen Punkt: Der Aufsichtsrat verlängerte das Mandat für Joe Kaeser um weitere vier Jahre bis 2021. „Herr Kaeser hat die Neuausrichtung von Siemens in den vergangenen Jahren mit großem Engagement und Unternehmergeist vorangetrieben“, sagte Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG. Kaeser ist maßgeblich verantwortlich für die Umsetzung der Strategie des Gesamtkonzerns „Vision 2020“. Darin geht es im Lichte der Automatisierung und Digitalisierung um die Neuausrichtung von Siemens. „Er ist nicht nur Garant des Erfolges, sondern auch der Stabilität in zunehmend unruhigen Zeiten.“

© Medizintechnologie.de