Studie zur Positronen-Emissions-Tomographie

Krebstherapie wird individueller

Mit der FMISO-PET-Bildgebungsmethode lässt sich die Wirkung der kombinierten Radio-Chemotherapie bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren vorhersagen – eine wichtige Basis für eine verbesserte Therapie.

Quelle: NCT Dresden/Philip Benjamin, Anna Bandurska-Luque

Patienten mit einem Kopf-Hals-Tumor können in Zukunft individueller behandelt werden. Möglich macht das eine neuartige Form der Tumordiagnose, die genauer als bisher die Widerstandsfähigkeit der Krebszellen erkennen lässt. Eine aktuelle Studie eines deutschen Forschernetzwerkes belegt die Genauigkeit der sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit dem radioaktiven Markerstoff Fluormisonidazol (FMISO). von Tim Gabel

FMISO-PET-Scan eines Patienten mit Kopf-Hals-Tumor. Die sauerstoffarmen Areale des Tumors leuchten farbig, wobei die Intensität des Sauerstoffmangels im Bereich der Magenta-Färbung am größten ist.

Quelle: OncoRay/Anna Bandurska-Luque

Für die Studie wurden Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren, das heißt Tumoren der Zunge, des Gaumens oder des Kehlkopfes, an vier Zeitpunkten vor und während einer primären Radio-Chemotherapie mit der FMISO-PET-Methode untersucht. Mithilfe des modernen Bildgebungsverfahrens machten die Wissenschaftler den Sauerstoffgehalt im Tumor sichtbar: Das radioaktiv markierte Molekül FMISO reichert sich in sauerstoffarmen, so genannten „hypoxischen“ Tumorbereichen an. Eine PET-Kamera bildet die Anreicherung des radioaktiven Markerstoffs ab.

Wie hoch der Sauerstoffgehalt eines Tumors ist, spielt für die Behandlung eine wichtige Rolle. Denn Kopf-Hals-Tumoren mit großen hypoxischen Arealen sind deutlich widerstandsfähiger gegenüber einer Radio-Chemotherapie als sauerstoffreiche Tumoren. „Zu Beginn der Therapie kann sich der Sauerstoffgehalt im Tumor noch stark verändern, in der zweiten Woche ist die Aussagekraft der Bilddaten wesentlich höher. Zu diesem Zeitpunkt bleibt dann auch noch genügend Zeit, um die Behandlung anhand der Prognose anzupassen“, erklärt Prof. Mechthild Krause, Direktorin des OncoRay-Zentrums, der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, sowie des HZDR-Instituts für Radioonkologie – OncoRay.

Höhere Strahlendosis verursacht Nebenwirkungen und Spätfolgen

Mit einer höheren Strahlendosis lassen sich die widerstandsfähigen Tumoren zwar besser bekämpfen, zugleich steigt jedoch das Risiko für Nebenwirkungen und Spätschäden. Deshalb muss sorgfältig abgewogen werden, welche Patienten für eine intensivierte Behandlung infrage kommen. Hierfür bieten die FMISO-PET-Scans eine wichtige Grundlage.

Mit ihrer aktuellen Untersuchung bestätigen die Forscher die Ergebnisse einer bereits 2012 am Dresdner OncoRay-Zentrum erfolgten Explorationsstudie. Die gemeinsamen Ergebnisse beider Studien sollen nun genutzt werden, um die bisherige Standardtherapie bei Kopf-Hals-Tumoren individueller auf Patienten mit unterschiedlich guten Prognosen zuzuschneiden. In einer Folgestudie wollen die Wissenschaftler die Strahlentherapie bei Tumoren anpassen, für welche die PET-Bilder ein besonders schlechtes Ansprechen auf die Behandlung prognostizieren. „Diese Tumoren sollen mit einer zehn Prozent höheren Strahlendosis behandelt werden, als es die jetzige Standardtherapie vorsieht. So wollen wir die Heilungschancen der Patienten erhöhen“, sagt Prof. Michael Baumann, Initiator der Studien und wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums.

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