Digitalisierung in der Medizin

Merkel räumt Rückstand ein

Die Digitalisierung der Medizin erfordert einen gemeinsamen Kraftakt vieler Ministerien: Bundesminister für Digitale Infrastruktur Alexander Dobrindt (2.v.l.), Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (4.v.l.), Bundeskanzlerin Angela Merkel (Mitte), Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (3.v.r.), Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (2.v.r.) hier auf dem Digital-Gipfel im Juni.

Quelle: BMWi/Maurice Weiss

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschland im internationalen Vergleich mangelhafte Entwicklung bei der Digitalisierung in der Medizin attestiert. In der nächsten Legislaturperiode müssten die Verfahren zur Forschungsförderung beschleunigt und Daten besser genutzt werden, so die Kanzlerin. von Tim Gabel

„Unser Ziel in der Gesundheitsforschung – und deshalb haben wir ja auch in der Hightech-Strategie da einen Schwerpunkt gesetzt – muss ja sein, auch Rückstände aufzuholen“, sagte Merkel (CDU) in einem am Sonntag veröffentlichten Video-Beitrag auf der Website der Bundeskanzlerin. Viele Innovationen in diesem Bereich würden nicht mehr aus Deutschland und Europa kommen.

Bei der Ausschreibung von Forschungsprojekten müsse man mit dem Forschungsministerium darüber sprechen, was Forscher behindert. Verfahren müssten beschleunigt werden, damit die schnelleren Entwicklungszyklen gerade im Bereich der digitalen Medizin berücksichtig werden. Auch sprach sich die Kanzlerin für die seit Jahren geplante Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte aus, deren Rollout jetzt starten soll. Sie kündigte zudem an, dass darauf in absehbarer Zeit die elektronische Gesundheitsakte folgen werde. „Es bedarf dazu noch gemeinsamer technischer Standards unter den Krankenhäusern und der Aufklärung in der Bevölkerung.“ Merkel kündigte an, in der nächsten Legislaturperiode ein Bürgerportal für die digitalen Belange von Bürgern zu schaffen, über das sie später auch Zugang zu ihren Gesundheitsakten bekommen sollen.

Roboter-Operationen und Big Data forcieren

In der Medizin umfasst Digitalisierung verschiedene Aspekte, etwa den Einsatz von Robotern bei Operationen, die von Ärzten an einem anderen Ort gesteuert werden. Solche Vorstellungen seien neu, sagte die Kanzlerin, man müsse sich im Bereich der Medizin aber immer mit vielem Neuen arrangieren. „Auch die endoskopischen Operationen waren erst eine Neuheit und wirkten auf den ersten Blick komisch.“ Im Hinblick darauf, dass nicht jedes Krankenhaus auf alles spezialisiert sein könne, „ist es schon gut, wenn man auf das Expertenwissen weit entfernt zurückgreifen kann. Und wenn die jungen Studenten gleich auf die Roboter-Operationen vorbereitet werden, dann wird das vielleicht normal.“ Der Maßstab müsse die Sicherheit und die Vermeidung von Fehlern sein.

Auch bei der Nutzung von großen Datenmengen für Forschung und Entwicklung will Merkel Fortschritte erreichen: „Bei den Daten, die keine Rückschlüsse auf die Herkunft zulassen, müssen wir sehr offen sein und versuchen, daraus neue Anwendungen zu machen. Viele digitale Gesundheits-Apps und Behandlungsmethoden bauen ja darauf auf.“ Grundlage für die sichere Nutzung großer Datenmengen sei die ab 2018 europaweit geltende Datenschutzgrundverordnung.

Mehr im Internet:

Rede der Bundeskanzlerin bei der Eröffnung der neuen Brainlab-Firmenzentrale am 11. Juli 2017

© Medizintechnologie.de/dpa

Weitere Inhalte

  • Informationsdienst
  • Akteursdatenbank
  • Veranstaltungen