Strahlentherapie

Viel Neues, hohes Innovationspotenzial

Der Kopf eines Mannes ragt von links ins Bild und ist in eine Halterung eingespannt. Er befindet sich in einem kleinen, lila leuchtenden Raum.

MRT und Strahlentherapie in einem - das Hybridgerät ermöglicht eine punktgenaue Bestrahlung von Tumoren, auch wenn diese in Bewegung sind, etwa wenn der Patient atmet. Diese und weitere Innovationen haben in den vergangenen Jahren die Quote der Krebsheilungen erhöht.

Quelle: Elekta

Die Strahlentherapie ist heute eine zentrale Säule bei der Behandlung von Krebserkrankungen wie dem Mamma- oder dem Prostatakarzinom. Welche Technologien es ermöglichen, bösartige Tumore immer präziser zu bestrahlen, und was die Zukunft bringen wird, diskutierten Experten jetzt bei einem Roundtable in Berlin. von Ulrich Kraft

„Den Krebs besiegen. Patienten schonen.“ – diese Überschrift, unter der die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) am 8. September zum Roundtable-Gespräch lud, untermauert Wilfried Budach gleich zu Beginn der Veranstaltung mit konkreten Zahlen. „50 Prozent aller Krebserkrankungen können heute geheilt werden und bei 40 Prozent dieser Heilungen hat die Strahlentherapie einen wesentlichen Anteil“, berichtet der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Ziel sei aber nicht nur eine effektive Behandlung, sondern auch, die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, betont der Präsident der DEGRO. Die entstehen in erster Linie dadurch, dass gesundes Gewebe der Strahlung ausgesetzt ist. Dank ausgefeilter Filtervorrichtungen, schwenkbarer Linearbeschleuniger, beweglicher Behandlungstische und anderer Neuerungen kann das Krebsgewebe heute sehr gezielt und mit hohen Dosen bestrahlt werden. Das Potenzial für technische Innovationen schätzt Budach aber weiterhin als „sehr hoch“ ein.

Innovationen in der Medizintechnik sorgen dafür, dass die Tumorzellen im menschlichen Körper immer effektiver und zielgerichteter angegriffen werden können.

Quelle: Fotolia

Derzeit braucht jeder zweite Tumorpatient im Laufe der Behandlung ein- oder mehrmals eine Strahlentherapie. Laut Schätzungen wird bis 2025 die Zahl der jährlichen Krebs-Neuerkrankungen in Europa von aktuell 3,4 Millionen auf 4 Millionen und hierzulande von rund 480.000 auf 570.000 steigen. In Europa sind dann 300.000 zusätzliche Strahlentherapien erforderlich, in Deutschland etwa 45.000, rechnet der Experte aus Düsseldorf vor. Mit der häufigsten Krebsart bei Frauen – dem Mammakarzinom – beschäftigt sich Stephanie Combs anschließend in ihrem Vortrag. Auch die Direktorin der Klinik und Poliklinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum der Technischen Universität München betont, dass technische Entwicklungen ihr Fachgebiet entscheidend vorangebracht haben. Als ein Beispiel nennt sie die dreidimensionale Behandlungsplanung auf Basis von bildgebenden Untersuchungen wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie, die mittlerweile Standard ist. Ebenfalls im klinischen Alltag etabliert hat sich die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT), die es erlaubt, die Strahlendosis innerhalb des Zielgebiets zu variieren. „Wir können Brustkrebs heute individualisiert behandeln und den betroffenen Frauen eine maßgeschneiderte Strahlentherapie anbieten“, sagt Combs. „Das ist deshalb so wichtig, weil Mammakarzinome sehr unterschiedlich sind.“

Hypofraktionierung halbiert Behandlungsdauer 

Ob als alleinige kurative Therapie, ergänzend zur Operation oder bei Metastasen – auch bei der Behandlung des Prostatakarzinoms, an dem allein in Deutschland jedes Jahr fast 65.000 Männer erkranken, ist die Bestrahlung nicht mehr wegzudenken, sagt Volker Budach von der Charité Universitätsmedizin Berlin. In seinem Vortrag stellt der Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie die Hypofraktionierung vor – eine, so Budach, „ganz innovative Therapie.“ Um das umliegende Gewebe zu schonen, wird die therapeutisch notwendige Gesamtstrahlendosis üblicherweise in viele kleine Portionen aufgeteilt. Diese Fraktionen werden bei der Standardbehandlung von Prostatakarzinomen über einen Zeitraum von acht Wochen in 40 Sitzungen verabreicht. Die hypofraktionierte Bestrahlung bringt in nur 20 Sitzungen die insgesamt gleiche effektive Dosis auf den Tumor. Dadurch verkürzt sich die Behandlungsdauer auf vier Wochen. „Studienergebnisse zeigen, dass die hypofraktionierte Strahlentherapie eine gleichwertige Alternative zum bewährten Bestrahlungsschema ist“, berichtet Volker Budach. Wie der Experte unterstreicht, haben neue hochpräzise Techniken, etwa die intensitätsmodulierte Bestrahlung und die volumenmodulierte Strahlentherapie, bei der das Bestrahlungsgerät um den Patienten rotiert, der Hypofraktionierung den Weg geebnet.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellt Stephanie Combs die nächste Generation von Bestrahlungssystemen vor, die den Linearbeschleuniger mit der Magnetresonanztomografie (MRT) kombinieren. Anhand der kontinuierlichen Bilddaten des MRT wird die Strahlenquelle in Echtzeit ausgerichtet und gegebenenfalls nachgeführt. Das ermöglicht selbst dann eine zielgenaue Bestrahlung, wenn der Tumor sich bewegt, bedingt beispielsweise durch das Ein- und Ausatmen des Patienten. „In anderen Ländern werden schon die ersten Krebspatienten mit diese Technologie behandelt“, berichtet Combs. „Und auch in Deutschland wird die MRT-gestützte Strahlentherapie kommen.“

©Medizintechnologie.de/ga

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