Digitale Patientenakte

AOK geht online

Die elektronische Patientenakte soll die Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Klinikern effizienter und effektiver machen - und dadruch die Behandlungsergebnisse verbessern.

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Die erste Krankenkasse testet die elektronische Patientenakte im Regelbetrieb. Sie soll für die Lösungen der Gematik und anderer Krankenkassen anschlussfähig sein. von Matthias Lehmphul

Die AOK testet ab November die elektronische Patientenakte an zwei Kliniken und dem Ärztenetz Haffnet in Mecklenburg-Vorpommern. Über das so genannte AOK-Gesundheitsnetzwerk sollen niedergelassene Ärzte und Kliniker jederzeit medizinische Informationen und Dokumente austauschen können. „Unser Ziel ist ein bundesweites Angebot für die AOK-Versicherten, das regional verschieden ausgestaltet wird“, sagte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, in der vergangenen Woche in Berlin. Dieser sektorenübergreifende Austausch solle die optimale Behandlung der Patienten unterstützen und zu mehr Patientensicherheit führen.

Zunächst werden den etwa 8.000 Versicherten vier Anwendungen zur Verfügung stehen: das Aufnahme- und Entlassmanagement, der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, die Möglichkeit zum Hochladen eigener medizinischer Dokumente, etwa Organspendeausweis oder Mutterpass sowie die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte in die eigene Akte einfließen zu lassen.

Die elektronische Patientenakte wurde in einem Konsortium von AOK Nordost, Cisco Systems, xevIT, Healthcubator, Tiani Spirit und ehealthbusiness entwickelt. Technisch basiert die Plattform auf dem Standard Integrating the Healthcare Enterprise – kurz IHE. Dieser Standard bildet in Österreich, der Schweiz und Teilen der USA bereits den Grundstein für die elektronische Patientenakte.

Digitale Patientenakte in der Hauptstadt

Ende 2017 folgt die Hauptstadt. Dort vernetzt sich die AOK mit der Sana Kliniken AG und Vivantes. Beteiligt sind neun Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren von Vivantes sowie das Sana-Klinikum Lichtenberg. Zusammen versorgen sie pro Jahr etwa 114.000 AOK-Versicherte, die künftig die digitale Akte nutzen können. Zusätzlich angeboten werden den teilnehmenden Patienten in Berlin ein digitaler Medikationsplan, die Bereitstellung von Labordaten durch die beteiligten Ärzte sowie die Möglichkeit zur Terminvereinbarung mit Kliniken und Ärzten.

„Wir haben schon vor mehr als drei Jahren begonnen, unsere IT-Architektur auf die Zukunft auszurichten und Themen wie die digitale Patientenakte und die digitale Interoperabilität mit Dritten in die Umsetzung zu bringen", sagte Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH. Die bei Vivantes etablierte Infrastruktur basiere auf der gleichen Methodik und ermögliche somit die Vernetzung. „Mit der Digitalisierung erhalten die Patienten einen besseren Einblick in ihre Gesundheitsdaten. Sie werden damit auch in die Lage versetzt, noch stärker als bisher über Behandlungsoptionen mit zu entscheiden.“

„Wichtig ist Sana dabei, dass es sich um ein offenes Netzwerk handelt, an das weitere Akteure später ohne große Hürden angebunden werden können“, sagte Jens Schick, Vorstandschef der Sana Kliniken AG. Als deutschlandweiter Partner wolle die Klinikgruppe bei der Erweiterung des Netzwerkes in andere Regionen mitwirken. Durch die große Reichweite der Beteiligten und die dahinter stehende Innovationskraft könne es gelingen, Standards für die künftige Ausgestaltung elektronischer Patientenakten zu setzen.

Anschlussfähige Lösung

Die AOK verfolge „keinen zentralen Ansatz wie bei der Gematik“, sagte Litsch. „Je nach regionaler Situation werden wir unterschiedliche Anwendungen mit verschiedenen Partnern umsetzen.“ Alle diese Lösungen seien aber „anschlussfähig“. „Sie können unter dem Dach des Gesundheitsnetzwerkes vernetzt und auch an die Telematik-Infrastruktur angedockt werden. Wir entwickeln keine Insellösung, sondern wollen Teil der gesamten digitalen Vernetzung sein.“

Das AOK-Gesundheitsnetzwerk ist als offene Plattform konzipiert und soll schrittweise allen Akteuren im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen – auch anderen Krankenkassen. „Ein besonderes Merkmal ist die dezentrale Datenhaltung, die vor Datendiebstahl schützt“, erklärt Christian Klose, Projektleiter für das Gesundheitsnetzwerk. „Die Daten bleiben beim Arzt oder bei der Klinik, wo sie erhoben wurden.“ Die AOK habe keinen Zugriff auf die Gesundheitsdaten. Zudem könne der Patient selbst entscheiden, welcher Arzt welche Informationen und Dokumente in der Gesundheitsakte einsehen darf.

Mehr dazu im Internet:

AOK-Gesundheitsnetzwerk

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