Lungenerkrankungen

COPD und Lungenkrebs: Sterblichkeitsrate unter Frauen steigt

Zu sehen ist eine dunkelhaarige Frau von schräg hinten links. Sie hält ein Röntgenbild der Lunge in der Hand und schaut es sich an.

Wie gesund sind die Lungen der Deutschen? Dieser Frage geht das Robert Koch-Institut in einer aktuellen Studie nach.

Quelle: StockPhotoPro / Fotolia

Das Robert Koch-Institut hat in einer Studie die Lungenerkrankungen unter die Lupe genommen. Während die Sterblichkeitsrate bei Asthma weiter sinkt, sind die Mortalitätszahlen bei COPD und Lungenkrebs unter Frauen – anders als unter Männern – zuletzt gestiegen.  von Romy König

Die gute Nachricht zuerst: Die Volkskrankheit Asthma bronchiale hat ihren Schrecken verloren. So gingen die Sterberaten der chronischen Lungenerkrankung laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) seit 1998 pro Jahr um durchschnittlich 8,3 Prozent bei den Frauen und 11,2 Prozent bei den Männern zurück. Im Jahr 2015 starben hierzulande noch 1.052 Menschen an Asthma. Die RKI-Wissenschaftler führen die gestiegenen Überlebensaussichten von Asthmapatienten auf eine verbesserte medikamentöse Behandlung zurück und mutmaßen, dass die Sterblichkeit sogar noch weiter reduziert werden könnte – „vor allem auch mittels einer angemessenen Therapie einschließlich des optimalen Selbstmanagements“.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Asthma noch immer weit verbreitet ist. Wie auch in anderen Ländern nehme die Krankheit in Deutschland weiter zu: Die kumulative Inzidenzrate betrug in den letzten zwölf Jahren bei Frauen 4,1 Prozent, bei Männern immerhin noch 1,6 Prozent. Als Ursache nimmt das RKI Veränderungen von Lebensstil und Umweltfaktoren an, nennt hier vor allem den Kontakt mit Allergenen und Luftschadstoffen.

Immer mehr Frauen sterben an Lungenkrebs

Zwei weitere chronische Erkrankungen machen dem RKI Sorgen: Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und Lungenkrebs zählen noch immer zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bei Männern gehört zusätzlich die Lungenentzündung dazu. Interessanter Befund des RKI: Anders als bei den Männern steigt die COPD- und Lungenkrebs-Sterblichkeitsrate unter Frauen an: So sind im Jahr 2015 knapp 15.900 Frauen an Lungenkrebs und 13.773 an COPD gestorben. Das entspricht einer jährlichen Zunahme seit 1998 von 2,5 bzw. 2,3 Prozent. Zum Vergleich: Bei Männern nahm die Sterberate für Lungenkrebs im gleichen Zeitraum um jährlich 1,8 Prozent (COPD: 1,1 Prozent) ab.

Rauchen tötet

Das Autorenteam um RKI-Epidemiologin Henriette Steppuhn liefert dazu auch eine Erklärung: Der größte Risikofaktor bei Lungenkrebs und COPD sei das Rauchen. Doch gerade das Rauchverhalten habe sich unter den Geschlechtern in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts unterschiedlich entwickelt. Während der Anteil der Raucher bei den Männern damals zurückging, stieg er bei den Frauen noch bis ins Jahr 2000 an, wenngleich er auch nie das Niveau der Männer erreichte. Das zeige sich nun in der Mortalitätsrate. „Der inzwischen auch bei Frauen zu beobachtende Rückgang beim Tabakkonsum wird sich erst in den kommenden Jahrzehnten deutlich auswirken“, so das RKI.

Doch auch wenn sich die Sterberaten von Männern und Frauen etwas angleichen: COPD und Lungenkrebs fordern unter Männern noch immer mehr Todesopfer als unter Frauen. 29.378 Männer verstarben 2015 an Lungenkrebs. 17.300 Männer erlagen im selben Jahr einer COPD-Erkrankung.

190.000 Lungenkrebspatienten jährlich in stationärer Behandlung

Für die Lagebeurteilung bei Lungenkrebs stützt sich das RKI auf Schätzungen auf Grundlage des 2009 etablierten Bundeskrebsregisters. Demnach wurden im Jahr 2015 mehr als 190.000 Menschen in deutschen Kliniken wegen eines Lungen- oder Bronchialkarzinoms behandelt. Die Entwicklung der Neuerkrankungen bewegt sich auf fast gleichem Niveau wie die der Sterberaten. Noch immer stirbt etwa die Hälfte der Patienten im ersten Jahr nach Diagnosestellung. „Immerhin“, so die Autoren, „fiel die Neuerkrankungsrate bei unter 55-jährigen Frauen um zuletzt 1,4 Prozent.“ Deren Sterberate lag zuletzt bei 2,8 Prozent. „Tendenziell ist diese Entwicklung in fast allen westlichen Industrienationen zu beobachten.“

Warnung vor Grippe: Kapazitätsgrenzen schnell erreicht

Auch den akuten Atemwegserkrankungen widmete sich das RKI, allen voran der Influenza. Wenig überraschend: Sowohl die Krankheitslast als auch der resultierende Versorgungsbedarf unterliegen starken saisonalen Schwankungen, so die Autoren. Jedes Jahr zur Grippesaison führt die Influenza nicht nur zu vermehrten Arztbesuchen, sondern je nach Saison auch zu bis zu 30.000 stationären Behandlungen. Grundsätzlich sei Deutschland auf eine Grippewelle eingestellt, so das RKI. Aber es warnt auch: Eine starke Grippewelle könnte „die ambulanten und stationären Versorgungssysteme an ihre Kapazitätsgrenzen bringen“ – vor allem, wenn auch noch das medizinische Personal erkranke und ausfalle.

Grippe vermutlich häufiger Todesursache als bekannt

Die Wissenschaftler mahnen ferner zu engmaschiger, „möglichst wöchentlicher“ Überwachung kurzfristiger Inzidenz-Trends und langfristiger Entwicklungen von Grippefällen. Ihr Verdacht: Viele influenzabedingten Todesfälle würden einer anderen chronischen Krankheit oder einer Pneumonie zugeordnet. „Die Grippe-Sterberaten allein auf Basis der Todesursachenstatistik zu berechnen, ist unzureichend“ – und führe dazu, dass die Gefahr von Grippe unterschätzt werde.

Mehr im Internet:

Zeitliche Trends in der Inzidenz und Sterblichkeit respiratorischer Krankheiten von hoher Public-Health-Relevanz in Deutschland

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