Nadelstichverletzungen

Einmal-Handschuhe sicherer machen

Dr. Larisa Schmidt (Chemikerin), Michael Schneiker (Finanzen), Dr. Martin Bothe (Geschäftsführer, Physiker) und Dr. Nikolaus Mirtschin (Ingenieur) sind gemeinsam Smarterials Technology und haben medizinische Handschuhe entworfen, die sicher und praktisch sind.

Quelle: Wista-Management GMBH

Smarterials Technology entwickelt neuartige Einmal-Handschuhe für den Gesundheitssektor, die mehr Schutz vor Nadelstichverletzungen bieten, ohne das Tastgefühl zu verschlechtern. Mit dem Kapital aus einer gerade erfolgreich abgeschlossenen Finanzierungsrunde wollen die Berliner Start-up-Gründer ihr Produkt zur Marktreife bringen. von Ulrich Kraft

Es ist ein schmaler Grat, auf dem Ärzte und medizinisches Fachpersonal tagtäglich wandern. Um die Patienten und sich selbst vor Infektionen zu bewahren, sind Handschuhe ein Muss, insbesondere beim Operieren, aber auch bei anderen Tätigkeiten wie Wunden versorgen, Injektionen verabreichen und Gefäßzugänge legen. Das dünne Material ist allerdings empfindlich für Perforationen. Davon zeugen die rund 500.000 Nadelstichverletzungen, zu denen es allein in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr kommt. Der Begriff fasst alle Verletzungen der Haut zusammen, die durch einen mit Blut und anderen potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten verunreinigten medizinischen Gegenstand verursacht werden. Hepatitis B und C sowie HIV sind die am meisten gefürchteten Folgen. Ein verbreitetes Gegenmittel, das allerdings auf Kosten des Tastempfindens geht, besteht darin, zwei oder sogar drei Handschuhe übereinander zu tragen.

Wie sich dieses Double Gloving anfühlt, hat Martin Bothe selbst ausprobiert. „Ein bisschen wie diese Gummidinger zum Spülen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter von Smarterials Technology. Chirurgische Handschuhe – neu gedacht: So lautet das Motto des 2016 gegründeten Medizintechnik-Start-ups aus Berlin, mehr Sicherheit bei erhaltenem Tastgefühl sind die konkreten Ziele. Dazu haben Bothe und sein Team ein Latexpartikel-Composite entwickelt, das eine doppelschichtige Barriere bildet. Wird die äußere Schicht perforiert, bleibt die Schutzfunktion durch die zweiten Layer nach wie vor erhalten. Die optimierten Handschuhe, die im Vergleich zu den handelsüblichen Modellen eine verbesserte Widerstandskraft besitzen, sind an den Fingerspitzen dünnwandiger als in den übrigen Bereichen. „So vereinen wir die Eigenschaften von tastsensiblen einlagigen Handschuhen und die Vorteile des Double Gloving in einem Handschuhsystem“, sagt der Physiker und Materialwissenschaftler, der vorher in der Polymerforschung tätig war.

Warnsystem zeigt Perforationen an

Die Handschuhe von Smarterials sind an den Fingerspitzen hauchdünn, um den Ärzten möglichst viel Gefühl zu geben. Gleichzeitig sind sie extrem reißfest und verfärben sich, sobald der Handschuh nicht mehr intakt ist.

Quelle: Wista-Management GmbH

Ein weiteres Feature, das der Sicherheit dient, ist der integrierte Perforationsindikator. Gelangt Flüssigkeit zwischen die beiden Wandschichten, ändert sich dort der Brechungsindex. Dadurch verfärbt sich die betroffene Stelle und zeigt dem Träger so an, dass der Handschuh perforiert wurde. Was genau das Geheimnis der Latex-Partikel ist, kann Martin Bothe nicht verraten, da die Patentanmeldung noch läuft. Bereits erfolgreich zu Ende gebracht hat Smarterials Technology vor kurzem die jüngste Finanzierungsrunde, die einen sechsstelligen Betrag in die Kasse spülte. „Mit dem zur Verfügung gestellten Kapital sind wir in der Lage, den Markteintritt vorzubereiten,“, so Martin Bothe.

Prinzipiell erfüllt das innovative Handschuh-System der Berliner schon jetzt alle Anforderungen für die Zulassung als Medizinprodukt. Die momentan größte Hürde besteht darin, die Partikel in großen Mengen herzustellen. „Die Synthese ist gar nicht so aufwendig, aber das Reinigen“, erläutert Bothe. Um die Produktion aus dem Gramm-Bereich im Labor in den zur industriellen Fertigung notwendigen Tonnen-Maßstab zu überführen, kooperiert Smarterials mit einem Chemiepartner in Köln. Jungunternehmer Martin Bothe ist optimistisch, dass auch dieser wichtige Schritt bald gelingt. „Wir rechnen damit, die Handschuhe im vierten Quartal 2019 auf den Markt bringen zu können“, sagt er.

Mehr im Internet:

Website Smarterials Technology

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