Telematikinfrastruktur

Ende November gehen Praxen ans Netz

Zunächst werden nur die Stammdaten zwischen Arztpraxis und Krankenkasse abgeglichen. Im Nächsten Ausbauschritt der Telematikinfrastruktur können dann noch mehr Informationen auf der elektronischen Versicehrtenkarte abgelegt werden - etwa Notfalldaten.

Quelle: Fotolia/Volker Witt

Pünktlich zur Medica 2017 wurden die ersten Komponenten für die Telematikinfrastruktur des deutschen Gesundheitswesens offiziell zugelassen. Noch in diesem Jahr sollen mehrere tausend Praxen online gehen. von Philipp Grätzel

Ob geplant oder nicht, es war ein guter Zeitpunkt. Unmittelbar vor der Medizinmesse Medica in Düsseldorf, am 10. November, hat die Betreibergesellschaft der Selbstverwaltung für die digitale Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen (Gematik) bekannt gegeben, was schon seit Wochen und Monaten angekündigt wurde. Mit dem Konnektor KoCoBox MED+ von KoCo Connector, dem Kartenterminal ORGA 6141 von Ingenico, dem VPN-Zugangsdienst der CompuGroup Medical (CGM) und dem elektronischen Praxisausweis der Bundesdruckerei wurden gleich vier Komponenten der Telematikinfrastruktur für den Echtbetrieb zugelassen.

CompuGroup: Bis zu 15.000 Installationen noch in diesem Jahr

Im freien Handel gibt es damit jetzt sämtliche Komponenten, die für das Online-Versichertenstammdaten-Management in den Praxen niedergelassener Ärzte und Zahnärzte erforderlich sind. Die genannten vier Unternehmen können ab sofort produzieren, wovon insbesondere die CGM profitiert, die nicht nur den VPN-Dienst anbietet, sondern auch den Konnektor, da KoCo ein Tochterunternehmen der Koblenzer ist. Der Aktienkurs der CGM sprang nach der Zulassung gegen den Markttrend um über 15 Prozent nach oben.

CGM-Vorstand Uwe Eibich betont auf Nachfrage von Medizintechnologie.de, der Produktionsstart der Konnektoren sei noch am Tag der Zulassung erfolgt. Bereits am 12. November sei die erste Lieferung Konnektoren bei dem Unternehmen eingetroffen: „Ende November, spätestens Anfang Dezember werden wir die ersten Ärzte an die TI anschließen. Bei den Zahnärzten können wir sogar früher starten.“

Dass die Zahnärzte die Nase vorn haben, liegt daran, dass die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) bereits alles nötige in die Wege geleitet hat, damit Zahnärzte den elektronischen Praxisausweis beantragen können. „Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) steht die sektorale Zulassung noch aus. Hier hoffen wir täglich auf ein positives Signal“, so Eibich. Insgesamt geht der CGM-Vorstand von 5.000 bis 15.000 Installationen noch in diesem Jahr aus. Der Rest folge dann 2018.

Fristverlängerung: Entscheidung steht noch aus

Nun hat die CGM zwar einen großen Marktanteil bei den Arzt- und Zahnarzt-IT-Systemen und ist damit primärer Ansprechpartner für rund ein Drittel des ambulanten Marktes. Es gibt aber noch andere IT-Anbieter, die sich jetzt entscheiden müssen, wie sie vorgehen. Sie könnten den CGM-Konnektor erwerben oder auf weitere Zulassungen warten. Im Rennen sind die Deutsche Telekom, die längst einen zugelassenen Konnektor hätte haben sollen, außerdem das von der Gematik beauftragte Unternehmen RISE, das auch die österreichischen Konnektoren herstellt.

Aus den Reihen der Gematik wurde in Düsseldorf die Hoffnung geäußert, dass es im Laufe des ersten Quartals 2018 zu weiteren Zulassungen kommen könnte. Genauer wollte freilich niemand werden. Das Ganze ist deswegen relevant, weil das Anfang 2016 in Kraft getretene E-Health-Gesetz eine Frist für die Online-Anbindung der Ärzte vorsieht. Wird sie nicht eingehalten, droht eine Kürzung der GKV-Honorare. Diese Frist wird zwar verlängert, doch bis wann genau, das ist bisher noch unklar. Ist die Politik zu streng, könnte es für Nutzer anderer IT-Systeme knapp werden.

Notfalldaten und E-Medikation ab 2018?

Viel können wird die Telematikinfrastruktur im ersten Schritt noch nicht: „Zunächst ist vorgesehen, dass beim Stecken der Gesundheitskarte in angeschlossenen Praxen ein automatischer Abgleich der Versichertenstammdaten erfolgt – ein Dienst, der vor allem Krankenkassen nutzt“, so Eibich. „Medizinisch“ wird es erst mit den Notfalldaten und dem elektronischen Medikationsplan. Da rechne er damit, dass sein Unternehmen im Laufe des Jahres 2018 in die Entwicklung gehen könne, so Eibich.

Immerhin: Über den Konnektor können die Ärzte auch die KV-interne elektronische Kommunikation abwickeln. Sie können die unter dem Mantel des KV-Netzes existierenden Angebote zur Online-Abrechnung der KVen nutzen, außerdem elektronische Arztbriefe versenden und an der elektronischen Dokumentation im Rahmen von Disease Management Programmen („E-DMP“) teilnehmen. Das ging bisher auch schon, allerdings war dafür eine eigene VPN-Box nötig. Die fällt weg: „Über die TI ist auch ein Zugang ins KV-SafeNet möglich“, betont Eibich.

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