Techniker Krankenkasse

Innovationsbudget soll Innovationsfonds ablösen

Zwischen mehreren Glühbirnen stehen einige Münzenstapel.

Geht es nach der Techniker Krankenkasse, sollten künftig Innovationen direkt über Beiträge der Mitglieder gefördert werden.

Quelle: Fotolia/patpitchaya

Die Techniker Krankenkasse würde gern selbst Innovationen fördern und dazu Mitgliedsbeiträge verwenden. Geht es nach Thomas Ballast, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, finanzieren dann die gesetzlichen Krankenkassen über dieses Budget künftig auch digitale Produktinnovationen für die Patientenversorgung. Ballast nennt auch eine Hausnummer. von Ingrid Mühlnikel

Herr Ballast, Sie haben noch vor der Bundestagswahl einen Vorschlag vorgelegt, wie Innovationen stärker ins Gesundheitssystem gelangen sollen. Die Idee der Techniker Krankenkasse ist, ein Innovationsbudget einzurichten. Wie sieht das Konzept konkret aus?

Der Innovationsfonds läuft 2019 aus. Dann muss sich die nächste Regierung überlegen, ob sie ihn fortführt oder nicht. Wir plädieren dafür, den Innovationsfonds auslaufen zu lassen und stattdessen Innovationsbudgets einzuführen. Die Innovationsbudgets orientieren sich von der Idee her an den Budgets für Präventionsleistungen. Bei letzteren sind die Kassen ebenfalls verpflichtet, eine definierte Summe pro Versicherten an Präventionsleistungen im Jahr auszugeben. Wir schlagen für jede gesetzliche Krankenkasse 2,50 Euro pro Versicherten für Innovationen vor. Sollten die Innovationsmittel nicht vollständig ausgegeben werden, fließt die Differenz über den GKV-Spitzenverband an solche Kassen, die mehr als 2,50 Euro pro Versicherten investiert haben.

Bei mehr als 71 Millionen GKV-Versicherte stünden dem System demnach rund 178 Millionen Euro zur Verfügung. Wo soll das Geld herkommen – wenn die Kassen nicht wieder „on-top“ wie bei den integrierten Versorgungs- oder auch Selektivverträgen zusätzliche Mittel bereitstellen sollen?

Zum einen fließen die Mittel, die die Kassen heute schon für innovative Versorgungsformen ausgeben, in die Innovationsbudgets mit ein. Ansonsten ist es natürlich Sache des Gesetzgebers, festzulegen, wie die Innovationsbudgets finanziert werden sollen. Der Innovationsfonds erhält 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro von den Kassen und aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds – also Geld für Innovationen ist grundsätzlich da.

Ein Mann mittleren Alters mit Brille und dunklen kurzen Haaren. Er trägt ein dunkelblaues Sakko, ein weißes Hemd und eine hellblaue Krawatte.

Thomas Ballast ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.

Quelle: Techniker Krankenkasse

Warum wollen Sie den Innovationsfonds auslaufen lassen?

Der Innovationsfonds ist so angelegt, dass er nur Projekte fördert, die das Potenzial haben, die Regelversorgung zu ersetzen beziehungsweise zu ergänzen. Unserer Meinung nach fallen dabei viele Ansätze unter den Rost, die einen lokalen oder regionalen Bezug haben. Des Weiteren ist der Innovationsfonds ein sehr bürokratisches Instrument mit einem aufwendigen Verfahren bei der Antragstellung und der Auswahl der Projekte. Im Kern ist dies natürlich richtig, weil es sich um Versichertengelder handelt, die sorgfältig geprüft zum Einsatz kommen müssen. Allerdings, beides passt nicht in eine Welt der digitalen Transformation, die gerade in sämtlichen Lebensbereichen stattfindet und naturgemäß auch nicht vor dem Gesundheitswesen Halt macht. Die Geschwindigkeit des digitalen Wandels ist enorm: Und als TK wollen wir die Vorteile dieser Entwicklung unseren Versicherten möglichst schnell zugänglich machen.

Das heißt, Kassen könnten mit dem Innovationsbudget auch Produktinnovationen fördern? Im Gegensatz zum Innovationsfonds, der grundsätzlich auf die Förderung neuer innovativer Versorgungsformen und Versorgungsforschung ausgerichtet ist.

Ja, wir treten für einen erweiterten Innovationsbegriff ein. Warum nicht auch digitale Produkte fördern, die die Versorgung verbessern und vereinfachen? Selbstverständlich steht dies alles erst einmal unter Erprobungsvorbehalt.

Die Techniker Krankenkasse hat mehr als 10 Millionen Versicherte. Wofür würden Sie die 25 Millionen Euro als erstes ausgeben? Bitte nennen Sie möglichst konkrete Projekte.

Die Techniker Krankenkasse unternimmt heute schon sehr viel, um digitale medizinische Anwendungen in die Versorgung zu bringen. Beispielsweise arbeiten wir eng mit Start-ups zusammen im Bereich einer digitalbasierten Logopädie. Weitere Projekte sind Anwendungen in der Verhaltenstherapie durch virtual-realitybasierte Technologien, die etwa in der Angstbekämpfung zum Einsatz kommen. 3-D-gedruckte maßgeschneiderte Prothesen sind ein weiteres Versorgungsgebiet, in dem digitale Prozesse die Versorgung von morgen entscheidend verändern werden. In dieser Richtung möchten wir weiter arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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