SturzApp zur Gangbildanalyse

Mit künstlicher Intelligenz gegen Stürze

Lindera hat einen Mobilitätstest zur Reduzierung des Sturzrisikos bei Senioren entwickelt, um mit Künstlicher Intelligenz den Pflegealltag zu unterstützen.

Quelle: Lindera GmbH

Die Lindera GmbH hat eine App entwickelt, die das individuelle Sturzrisiko ermittelt und Tipps zu Sturzvermeidung gibt. Für die mit Video-Gangbildanalyse und Machine Learning arbeitende Software wurde das Berliner Start-up jetzt mit dem VFG-e-Health-Award belohnt. von Ulrich Kraft

Diana Heinrichs, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Lindera GmbH.

Quelle: Lindera GmbH

Knapp ein Drittel der über 65-Jährigen und rund die Hälfte der über 80-Jährigen stürzen mindestens einmal im Jahr, teils mit gravierenden Folgen. So sind 90 Prozent der bei Senioren besonders häufigen Oberschenkelhalsbrüche durch Stürze bedingt. Obwohl Diana Heinrichs, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Lindera GmbH, erst Anfang 30 ist, haben diese Zahlen für sie einen sehr persönlichen Bezug. Denn auch ihre pflegebedürftige Oma, die in den eigenen vier Wänden lebt, ging bereits zum wiederholten Mal mehr oder minder unsanft zu Boden.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat das Berliner Start-up eine App entwickelt, mit der sich das individuelle Sturzrisiko ermitteln lässt. Und das „binnen kurzer Zeit und ohne dass dazu besondere Vorkenntnisse notwendig sind“, wie Diana Heinrichs betont. Der Mobilitätstest fürs Smartphone, der auch konkrete Tipps zur Sturzprophylaxe liefert, wurde jetzt mit dem e-Health-Award des Vereins zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig e.V. (VFG) ausgezeichnet. „Bei dem aktuellen Zeit- und Fachkräftemangel in der Pflege brauchen wir genau solche Vorschläge, die in der Praxis umsetzbar sind und den Pflegalltag entlasten“, sagt Simone Hartmann, Leiterin der Techniker Krankenkasse Sachsen, die das Preisgeld von 3000 Euro gestiftet hat.

Festzustellen, wie es um die Mobilität eines älteren Patienten steht, ist fester Bestandteil des geriatrischen Assessment. Hier stellen Arzt oder Pflegekraft Fragen zum Wohnumfeld und zur psychosozialen Situation und beurteilen wichtige Größen wie Muskelkraft, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Schrittlänge. Dabei helfen Tests wie das Timed-up-and-go, bei dem der Senior von einem Stuhl aufsteht, drei Meter geht, umkehrt und sich wieder setzt. Das verlangt allerdings eine gewisse Expertise und kostet Zeit, die dem Fachpersonal oft fehlt – zumal die Mobilitätsprüfung um Veränderungen zu bemerken öfter wiederholt werden sollte.

App liefert Empfehlungen zur Sturzprophylaxe

„Unsere SturzApp macht genau das, was bei einem analogen geriatrischen Assessement gemacht wird, ist aber so einfach zu bedienen, dass jeder sie benutzen kann, auch Angehörige oder Azubis“, sagt Diana Heinrichs. Im ersten Schritt wird mit der Smartphone-Kamera ein kurzes Video des Patienten beim Aufstehen und Gehen aufgenommen. Unter Verwendung von Machine Learning und neuen künstlichen Intelligenzen analysiert die App das Gangbild und vergleicht es einerseits mit der Norm, andererseits mit den Daten aus vorherigen Analysen. Anschließend sind noch einige Fragen zu Faktoren zu beantworten, die im Hinblick auf die Sturzgefahr relevant sind. Dazu gehört beispielsweise die Wohnsituation, aber auch, ob der Patient eine Demenz hat und wie ängstlich er ist.

Aus all diesen Informationen wird dann das individuelle Sturzrisiko errechnet. „Der Nutzer bekommt aber nicht nur die Auswertung sondern basierend darauf auch konkrete Empfehlungen, wie sich die Gefahr zu stürzen, verringern lässt“, so Heinrichs. „Das beginnt mit Bewegungsübungen und geht bis zu Ausleuchtung der Wohnung.“ Um die Ergebnisse mit Ärzten, Pflegekräften und anderen Angehörigen zu teilen, genügt ein Knopfdruck. Die App eignet sich gleichermaßen für die stationäre und für die ambulante Pflege. Ganz oben auf der Agenda der Lindera GmbH steht derzeit die Suche nach Kooperationspartnern. Ein großer wurde mit der AOK Nordost bereits gefunden und auch bei anderen Krankenkassen, Wohlfahrtsverbänden und häuslichen Pflegedienstleistern besteht reges Interesse, wie die Geschäftsführerin verrät. „Wir können uns vor Anfragen ehrlich gesagt kaum retten“, freut sich Heinrichs.

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