Siemens

Neue Unternehmensstrategie im Visier

Die Healthineers fertigen Computertomographen unter anderem im bayerischen Forchheim an.

Quelle: Siemens Healthineers

Die Siemens AG ist weiter auf Erfolgskurs. Dabei geht es den Sparten unterschiedlich gut. Die Healthineers glänzen und werden voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 an die Börse gehen. Gleichzeitig denkt Vorstandschef Joe Kaeser über eine neue Strategie für den Konzern nach. Im Kern soll sie helfen, im digitalen Industriezeitalter den Erfolg des Unternehmens zu sichern. von Matthias Lehmphul

„In der heutigen Zeit überwiegen die politischen und gesellschaftlichen Risiken deutlich die ökonomischen. Denken Sie an die Eskalation der Lage in Nordkorea, die Entwicklung in Katalonien oder auch die Ergebnisse der Bundestagswahl in Deutschland“, sagte Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG am vergangenen Donnerstag in München. Klimawandel, globale Migration, kurzfristiges Denken in den Märkten, Renaissance von Populismus und Nationalismus und der digitale Wandel würden den Menschen Antworten abverlangen – auch den global tätigen Unternehmen wie Siemens. „Um sie überzeugend zu geben, muss eine wichtige Grundvoraussetzung erfüllt sein: langfristige wirtschaftliche Stärke unserer Geschäfte in einem an Kontur und Geschwindigkeit zunehmenden globalen Wettbewerb.“

2017 war demnach wieder einmal ein Rekordjahr. Der Umsatz stieg nach eigenen Angaben um 4 Prozent auf 83 Milliarden Euro. Der Gewinn des industriellen Geschäftes erreichte 9,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 8 Prozent. Die Medizintechnik war die ertragreichsten Sparte des Konzerns – mit insgesamt 2,5 Milliarden Euro Gewinn. Fast ein Drittel trugen die Healthineers damit zum Gesamtergebnis des Konzerns bei. Vor allem in China, Europa, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Russland brummt das Geschäft – vor allem in der diagnostischen Bildgebung.

Aktien gehen an Mitarbeiter

Für Forschung und Entwicklung gab das Unternehmen insgesamt 5,2 Milliarden Euro aus – mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Vor allem investierten sie in die Entwicklung von 3-D-Druck, Künstlicher Intelligenz, Blockchain-Anwendungen und Energiespeicher-Technologien. Für das kommende Jahr erwartet der Finanzvorstand Thomas ein „leichtes Wachstum der Umsatzerlöse“. Die Ergebnismarge werde sich um die 11 Prozent für das industrielle Geschäft bewegen.

Das positive Jahresergebnis zahlt sich für die Aktionäre aus. 2013 gab es die bislang letzte Gewinnwarnung – damals lag der Aktienkurs bei 78,62 Euro. Innerhalb der vergangenen 4 Jahre legte sie um 52 Prozent zu. Das mache Kaeser zufolge 30 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Derzeit liegt die Aktie bei 118,00 Euro. Der Vorstand werde den Aktionären auf der Hauptversammlung am 31. Januar 2018 eine Dividende von 3,70 Euro vorschlagen, sagte Ralf Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG. Das sind 10 Eurocent mehr als im Vorjahr. Von dem Erfolg profitieren dieses Jahr auch die Siemens-Mitarbeiter unterhalb des Senior-Managements. Sie erhalten zusammen 400 Millionen Euro in Siemens-Aktien. Aktuell hielten insgesamt 165.000 Mitarbeiter Siemens-Aktien.

Börsengang der Healthineers im Zeitplan

 „Für das Geschäftsjahr 2018 liegt sehr viel Arbeit vor uns.“ Es seien in einzelnen Geschäften strukturelle Marktveränderungen zu bewältigen. Damit meint der Konzernchef unter anderem die Healthineers. Der angekündigte Börsengang liege „exakt“ im Zeitplan. Siemens sei für ein Listing im ersten Halbjahr vorbereitet. So hätten die Healthineers für das Portfolio unter anderem Unternehmen zugekauft, in den Vertrieb und in die Fertigung investiert. Und noch vor Jahresende gibt es einen Personalwechsel im Vorstand der Healthineers. Thomas Rathmann verlässt Siemens. Ab 1. Dezember 2017 ist  Jochen Schmitz der neue Finanzchef der Medizintechniksparte. Der 51-jährige Schmitz war für das Accounting, Reporting und Controlling der Siemens AG verantwortlich. „Wir gehen mit den Healthineers an die Börse, um die Gesundheitstechnik bei Siemens zu stärken“, sagte Kaeser.  

Damit war aber sicher auch die Gasturbinensparte gemeint. Aufgrund der sinkenden Nachfrage dürfte es im kommenden Jahr schmerzhafte Einsparungen in der Belegschaft geben. „In unserem Abkommen Radolfzell II haben Firmenseite, Gesamtbetriebsrat und IG Metall vereinbart, dass es möglichst keine Standortschließungen oder Standortverlagerungen sowie keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Zur Wahrheit gehört aber auch: Radolfzell II sieht zwischen den Parteien ein klar geregeltes verfahren vor, wenn die Rahmenbedingungen sich wesentlich verändern“, sagte Janina Kugel, Personalvorstand der Siemens AG. 2017 stieg die Mitarbeiterzahl weltweit auf 372.000 Menschen – gut ein Drittel davon arbeiten in Deutschland.

Neue Strategie heißt 2020+

Neben dem Börsengang der Healthineers und der Umstrukturierung innerhalb der Gasturbinensparte denkt Vorstandschef Joe Kaeser offensichtlich bereits über die Zukunft des Konzerns nach. „Wir sind mit der Umsetzung der Vision 2020 sehr gut unterwegs“, bilanziert Kaeser die aktuelle Unternehmensstrategie und den damit einhergehenden Umbau von Siemens. „Es wird Zeit, die Weichen über 2020 hinaus zu stellen.“ Die neue Strategie des Konzerns trägt den Arbeitstitel „2020+“. Damit soll Siemens für die digitale Zukunft zuverlässig vorbereitet werden.

Eine Erkenntnis treibt die Überlegungen an: „Nicht die größten und diversifiziertesten Unternehmen werden im digitalen Zeitalter erfolgreich sein, sondern diejenigen, die sich am besten an die sich rasant verändernden Umgebungsbedingungen anpassen.“ Künftig müsse sich Siemens deshalb um die Werterhaltung der „Mega-Marke“ kümmern, noch stärker auf die einzelnen Geschäfte fokussieren und eine flexiblere „Governance“ etablieren – und alle drei Aspekte „optimal“ miteinander verknüpfen.

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