50 Jahre Herztransplantation

Neuer Puls mit fremden Herzen

Ein entnommenes Herz liegt wird von zwei behandschuhten Händen gehalten. Die Person dazu trägt hellgelbe OP-Kleidung. Rechts sind zwei weitere behandschuhte Hände im Bild. Sie scheinen jeweils eine Schere zu halten.

Im Jahr 2016 wurden in der Bundesrepublik insgesamt 291 Herzen transplantiert.

Quelle: iStock/fstop123

Vor 50 Jahren fand die erste Herztransplantation statt. Trotz der Entwicklung von Herzunterstützungssystemen gehört dieser Eingriff heute noch zum Goldstandard in der Behandlung von herzkranken Patienten. von Matthias Lehmphul

Der südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard führte am 3. Dezember 1967 die weltweit erste Herztransplantation am Groote-Schuur-Hospital in Kapstadt durch. Sein Patient, der 55-jährige, schwer herzkranke Gemüsehändler Louis Washkansky überlebte nur 18 Tage nach der Transplantation des weiblichen Spenderherzens, ehe er an den Folgen einer bakteriellen Lungenentzündung verstarb.

„Was damals in Südafrika gelang, revolutionierte die Herzmedizin“, sagt Wolfgang Harringer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). „Operationstechnisch war der Eingriff bereits eine besondere Herausforderung, aber viel entscheidender waren die zu diesem Zeitpunkt kaum erforschten Mechanismen und Gesetzmäßigkeiten im Kontext der Organabstoßung. Zum damaligen Zeitpunkt gab es zudem noch keine effektiv und zielgerichtet wirkenden Immunsuppressiva, die die natürliche Abstoßungsreaktion gegen das transplantierte Organ unterdrückten.“

Der 45-jährige Barnard überraschte die medizinische Fachwelt weltweit. Denn eigentlich erwarteten die Experten, dass die Herzchirurgen Norman Edward Shumway und Richard Lower die erste Herzverpflanzung durchführten - in den USA. Shumway, Leiter der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie der Stanford University, war federführend in der herzchirurgischen Forschung und entwickelte innovative Operationstechniken für die Herztransplantation. Der Südafrikaner Bernard lernte diese während seines Aufenthaltes in San Francisco kennen und konnte dadurch erst die Operation am Groote-Schuur-Hospital in Kapstadt durchführen. Lediglich vier Wochen nach Barnards Erfolg, am 6. Januar 1968, gelang auch Shumway die zweite Herztransplantation am Menschen. Einen weiteren Monat später, am 13. Februar 1968, führte der deutsche Herzchirurg Rudolf Zenker am Universitätsklinikum München die erste Herztransplantation durch. Sein Patient überlebte nur 27 Stunden mit dem neuen Herzen.

Erkenntnisse über Immunsystem verbesserten Behandlungsergebnisse

„Die ersten Herztransplantationen lösten eine Welle an Organverpflanzungen aus, die jedoch allesamt nicht nachhaltig erfolgreich waren. Erst durch weiterreichende Erkenntnisse über das menschliche Immunsystem und dem damit einhergehenden besseren Verständnis der Abstoßungsreaktion wie auch der darauf basierenden Entwicklung geeigneter Arzneistoffe, wie dem Ciclosporin, einem wirksamen Immunsuppressivum, führte zu deutlich höheren Überlebenschancen organtransplantierter Patienten. Somit zeigt sich auch in diesem Zusammenhang, dass der herzchirurgische Eingriff eine zentrale Rolle in der Behandlung darstellt, die mittel- und langfristige Perspektive des Behandlungserfolgs jedoch auch von weiteren essenziellen Begleitmaßnahmen entscheidend beeinflusst wird“, so Harringer.

Bei irreversiblen akut oder chronisch herzinsuffizienten Patienten, bei denen alle konservativen, interventionellen und operativen Therapien ausgeschöpft sind, ist diese häufig die einzige Möglichkeit, das Überleben mittel- und langfristig zu sichern. Allerdings müssen sie genau definierte Kriterien für eine Herztransplantation erfüllen - wie etwa das Alter und das Stadium der Erkrankung. „Die Patienten mit weit fortgeschrittener Herzschwäche haben vor der Herztransplantation häufig bereits eine lang andauernde Krankheitsgeschichte hinter sich. Die Herztransplantation als besondere Behandlung führt bei den Patienten häufig zu einem zuvor nicht mehr zu erreichenden Gesundheitszustand, verschafft wieder einen guten Allgemeinzustand und behebt erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität“, betont Harringer.

Bereits vor 20 Jahren wurde die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen in einem eigens dafür geschaffenen Transplantationsgesetz verbindlich geregelt. Im letzten Jahr haben nach Angaben der für die Organtransplantation zuständigen europäischen Organisation Eurotransplant allein in Deutschland etwa 700 Patienten auf ein geeignetes Spenderherz gewartet. Der Status der Dringlichkeit wird hierbei in die Kategorien „High Urgent“ und „Transplantable“ eingeteilt. „Wir haben bereits seit Jahren einen großen Mangel an Spenderherzen und beobachten zudem noch den Abwärtstrend der Herz-Transplantationen mit großer Sorge“, sagt Harringer. „So wurden 2016 insgesamt nur 291 Herztransplantationen in Deutschland durchgeführt. Andererseits wurden im Jahr 2016 etwa 1.000 Herzunterstützungssysteme bei Patienten, die potenziell transplantiert werden müssten, implantiert, um sie überhaupt am Leben zu erhalten, bis ein geeignetes Spenderherz zur Transplantation gefunden wird. Diese sogenannten Überbrückungsmaßnahmen sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.“ Zum Vergleich: Vor zwölf Jahren wurden lediglich 350 Herzunterstützungssysteme implantiert.

Die Überlebenschancen mit einem Spenderorgan sind durchaus vielversprechend. „Nach erfolgreicher Transplantation und stationärer Krankenhausbehandlung, einer zielgerichteten Rehabilitation und kontinuierlicher Immunsuppressiva-Therapie haben herztransplantierte Patienten zumeist kaum Einschränkungen im Alltag“, sagt Herzchirurg Harringer.

Als Organspender kommen nur Menschen mit unumkehrbarem Hirnfunktionsausfall infrage, deren Herz angemessen funktionsfähig ist und keine gravierenden Vorerkrankungen aufweist. Das transplantierte Organ muss mit bestimmten Merkmalen des Empfängers kompatibel sein und nach Explantation beim Spender innerhalb der darauffolgenden vier bis sechs Stunden auf den Empfänger übertragen worden sein.  „Trotz der medizinischen Innovation und dem technischen Fortschritt gibt es bis heute keine wirkliche Alternative zum menschlichen Herzen."

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