Aktuelle Studien zur Schlaganfall-Therapie

Positive Nachrichten aus der Forschung

Auch Schlaganfall-Patienten, die mehr als acht Stunden auf eine Thrombektomie warten müssen, profitieren noch von ihr. Zudem kann die transkranielle Magnetstimulation helfen, Folgeschäden zu reduizieren.

Quelle: psdesign1/Fotolia

Eine vielversprechendes Behandlungsmethode, die sich für wesentlich mehr Betroffene eignet als gedacht, und ein innovatives Therapieverfahren, das die Rehabilitation fördert: Zum Schlaganfall konnte die Fachwelt jetzt auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie mit positiven Neuigkeiten aufwarten.  von Ulrich Kraft

Jahr für Jahr erleiden in Deutschland über 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Dementsprechend war das Krankheitsbild einer der Schwerpunkte auf dem 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), zu dem sich Ende September fast 6.000 Teilnehmer in Leipzig trafen. Sowohl bei der Rehabilitation als auch bei der akuten Behandlung hatten die Experten gute Nachrichten für die Millionen Betroffenen parat. „Die Zahl der Patienten, die nach einem Schlaganfall für eine Thrombektomie in Frage kommen, ist deutlich größer als bisher angenommen“, berichtete Hans-Christoph Diener. Der Seniorprofessor für klinische Neurowissenschaften an der Universität Duisburg-Essen gab einen Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse zu dieser neuen Behandlungsmethode, die viele Fachleute als Revolution in der Schlaganfallbehandlung bezeichnen.

Studie: Thrombektomie hilft auch nach mehr als acht Stunden

Bei einer Thrombektomie wird das Blutgerinnsel, das den Schlaganfall ausgelöst hat, mechanisch entfernt – mit Hilfe eines dünnen Katheters, den der Arzt durch das Gefäßsystem bis zur verstopften Stelle im Gehirn vorschiebt. Bislang galt, dass die Therapie innerhalb eines Zeitraums von höchstens sechs bis acht Stunden, nachdem die ersten Symptome aufgetreten sind, durchgeführt werden muss. Ob die mechanische Thrombektomie auch bei Schlaganfällen Sinn macht, die schon länger her sind, wollten Forscher in der DAWN-Studie an 500 Betroffenen unter die Lupe nehmen. Die Resultate fielen so überzeugend aus, dass man die Untersuchung bereits nach 206 Teilnehmern vorzeitig abbrach.

Im Mittel erhielten die Probanden 13 Stunden, nachdem sie zuletzt gesund gesehen worden waren, eine mechanische Thrombektomie. Der als Rekanalisierungsrate bezeichnete Anteil der Gefäßverschlüsse, die so wieder eröffnet werden konnten, lag bei 84 Prozent. Das wirkte sich auch auf die weitere Prognose aus. Während in der Thrombektomie-Gruppe fast die Hälfte der Schlaganfallopfer keine oder nur leichte neurologischen Beeinträchtigungen davontrug, betrug diese Rate unter den konservativ behandelten Teilnehmern gerade einmal 13,1 Prozent. Wie diese Ergebnisse zeigen, nutzt die mechanische Entfernung des ursächlichen Blutgerinnsels auch dann noch, wenn der Schlaganfall länger als sechs bis acht Stunden zurück liegt. Was wiederum bedeutet, dass die Behandlungsmethode für deutlich mehr Betroffene eine Option ist als bislang angenommen.

Patienten profitieren von der transkraniellen Magnetstimulation

Eine Probandin, die eine Kunstsprache erlernt, wird im Rahmen einer Studie mit einer transkraniellen Gleichstromstimulation behandelt.

Quelle: Charite Berlin/Flöel/DGKN

Wie DGN-Präsident Gereon Fink in Leipzig unterstrich, endet die Schlaganfalltherapie jedoch nicht mit der Entlassung aus der Stroke Unit im Krankenhaus. „Mit einer intensiven Rehabilitationsleistung steigen die Chancen auf einen erfolgreichen Neustart im Beruf wie im Privaten erheblich“, so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Köln. Dass das entgegen der noch immer verbreiteten Vorstellung nicht vor allem für jüngere, sondern für alle Betroffen gilt, haben Untersuchungen mittlerweile wiederholt belegt. Tatsächlich könnten Schlaganfallpatienten ins hohe Alter bemerkenswerte individuelle Fortschritte machen, denn das menschliche Gehirn bleibt ein Leben lang anpassungsfähig. „Wichtig ist, dass die Forschung zu innovativen Therapieansätzen in der Neurorehabilitation verstärkt wird“, betonte Fink.

Einen solchen Ansatz hat seine Arbeitsgruppe in einer Studie untersucht: die transkranielle Magnetstimulation (TMS). Bei diesem neuromodulatorischen Verfahren werden bestimmte Hirnareale mit Hilfe von starken Magnetfeldern durch die Schädeldecke hindurch angeregt oder in ihrer Aktivität gebremst. Das Kölner Team setzte die Behandlungsmethode in der Frühphase der Reha bei halbseitig gelähmten Patienten ein und konnte damit deren Handfunktion im Vergleich zur Scheinstimulation verbessern. Diese positiven Effekte waren auch drei Monate nach der Reha noch erkennbar.

Auch sechs Monate nach der Therapie noch Vorteil zu erkennen

Eine Arbeitsgruppe um Agnes Flöel von der Charité Universitätsmedizin Berlin setzte begleitend zu üblichen Rehabilitationsmaßnahmen die transkranielle Gleichstromstimulation ein. Wie der Name sagt, beeinflusst die tDSC (trancranial direct current stimulation) die Hirnaktivität mit schwachen Gleichströmen, die über Kontaktelektroden auf der Kopfhaut ins Denkorgan gelangen. Die Wissenschaftler aus der Hauptstadt konnten zeigen, dass Patienten mit chronischen Sprachstörungen auch sechs Monate später noch von der Behandlung profitieren. Solche Aphasien gehören zu den häufigsten Folgeerscheinungen von Schlaganfällen. „Ermutigend“ seien dies Studienergebnisse, bilanziert DGN-Präsident Gereon Fink.

©Medizintechnologie.de/ga

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