Neuer RKI-Bericht „Krebs in Deutschland“

Weniger Rauchen, weniger Krebs

Das Robert-Koch-Institut rechnet damit, dass altersbedingt die Krebsneuerkrankungsrate in der Bundesrepublik bis 2030 erheblich ansteigen wird.

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Die neuen Krebsdaten wurden vergangene Woche vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Sie belegen einen seit Jahren bekannten Trend: Jeder zweite Deutsche erkrankt in seinem Leben an Krebs. Und die absoluten Zahlen nehmen weiter deutlich zu. Zudem verfestigt sich ein anderer Trend: Die Neuerkrankungsrate bei den Männern geht zurück, während sie bei den Frauen leicht zunimmt. Beide Trends haben ihre Gründe. von Matthias Lehmphul

Die neuen Krebsdaten sind am 6. Dezember 2017 vom RKI in Berlin veröffentlicht worden. Mittlerweile ist es die 11. Ausgabe des alle zwei Jahre erscheinenden Berichtes „Krebs in Deutschland“. Erarbeitet wird er vom Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am RKI , das die Daten der Landeskrebsregister auf Bundesebene sammelt, und von der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland. Die Wissenschaftler schauten sich dieses Mal die Krebsregisterdaten aus den Jahren 2013 und 2014 an.

Demnach erkrankten in der Bundesrepublik Deutschland 2013 insgesamt 487.110 Menschen und 2014 insgesamt 476.120 Menschen an Krebs. Trotz dieses leichten Rückgangs von einem zum anderen Jahr kann von einer Trendwende keine Rede sein. Zwischen 2004 und 2014 hat nach Angaben des RKI die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen bei Männern um 6 Prozent und bei Frauen um 9 Prozent zugenommen.

Das RKI rechnet sogar damit, dass es zwischen 2010 und 2030 insgesamt 20 Prozent mehr Krebsneuerkrankungen geben wird. Die Epidemiologen führen diesen Zuwachs auf den demografischen  Wandel zurück.

Mehr Lungenkrebs bei Frauen

Allerdings verzerre die Alterung der Gesellschaft den Blick auf die eigentliche Entwicklung. Demnach gingen „altersbereinigt“  die Erkrankungsraten bei Männern um 10 Prozent zurück, während sie bei den Frauen um 3 Prozent anstiegen. Den Rückgang an Krebsneuerkrankungen bei den Männern führen die Wissenschaftler des RKI auf das veränderte Rauchverhalten zurück – weniger Rauchen, weniger Lungenkrebs. Gleichzeitig rauchten mehr Frauen in Deutschland. Dies führe letztendlich auch zu mehr Neuerkrankungen.

Aufgeteilt nach Geschlecht ergibt sich – in absoluten Zahlen – folgendes Bild: 2013 erkrankten insgesamt 255.830 Männer an Krebs. Und 2014 waren es 249.160 Männer. In dem Berichtszeitraum erkrankten sie am häufigsten an Prostatakrebs (23 Prozent), Lungenkrebs (13,9 Prozent) und Darmkrebs (13,3 Prozent). Im Mittel sind die Männer bei der Diagnose 70 Jahre alt. Grundsätzlich ist bei den absoluten Zahlen der Frauenanteil etwas geringer. 2013 erkrankten insgesamt 231.280 Frauen an Krebs. Und 2014 waren es 226.960 Frauen. Sie erkrankten am häufigsten an Brustdrüsenkrebs (30,5 Prozent), Darmkrebs (12,3 Prozent) und Lungenkrebs (8,5 Prozent). Im Mittel sind die Frauen 69 jahre alt. Insgesamt wiesen die unter 55-jährigen Frauen höhere Erkrankungsraten auf. Nach dem 65. Lebensjahr sei bei Männer die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken fast doppelt so hoch als bei den Frauen.

Länger Leben mit Krebs

Krebs wird immer mehr zu einer chronischen Erkrankung. Nach Schätzungen des RKI erkrankt jeder zweite Bundesbürger in seinem Leben an Krebs. Der Anteil der Krebserkrankungen an allen Todesursachen sei seit Ende der 1990er nahezu konstant geblieben – 28 Prozent bei Männern und 22 Prozent bei den Frauen. Grund dafür sei auch hier der demografische Wandel. Denn die altersstandardisierten Sterberaten seien zwischen 2005 und 2015 um 12 Prozent bei Männern und um 7 Prozent bei Frauen zurückgegangen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Menschen in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich 2 bis 3 Lebensjahre hinzugewonnen haben.

Diesen Trend untermauern die gesammelten Mittel- und Langzeitdaten im Register: In dem Berichtszeitraum lebten 774.100 Männer und 771.500 Frauen 5 Jahre mit einem Tumor. Die durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit von 5 Jahren lag für Männer bei 59 Prozent und für Frauen bei 65 Prozent. 10 Jahre lebten 1,3 Millionen Männer und 1,32 Millionen Frauen mit einem Krebs. Die durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit von 10 Jahren lag im Berichtszeitraum für Männer bei 55 Prozent und für Frauen bei 60 Prozent.

„Die Überlebensaussichten für Krebspatientinnen und Krebspatienten in Deutschland haben sich in den vergangenen 30 Jahren erheblich erhöht. Deutliche Verbesserungen bei Betroffenen  im Erwachsenenalter wurden vor allem auch für die häufigen bösartigen Tumoren der Brustdrüse, des Darms und der Prostata erreicht, bei Kindern vor allem für die Leukämien“, schreiben die Autoren.

Rauchen, Übergewicht und Alkohol sind entscheidende Risikofaktoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass ein Drittel aller Krebserkrankungen sich verhindern ließen. Das ZfKD geht davon aus, dass allein 16 Prozent aller Krebserkrankungen in der Bundesrepublik durch das Rauchen verursacht worden sind. Ein weiterer entscheidender Faktor sei das Übergewicht sowie eine „Stoffwechselschieflage“ aus hohen Bluttfettwerten und Blutzuckerwerten sowie Bluthochdruck. Zudem seien Alkoholkonsum und  Sonnenlicht (UV-Strahlung) wichtige Risikofaktoren, die sich vermeiden ließen.  

„Chronische Infektionen sind heute für einige verbreitete Krebsarten als Risikofaktoren bekannt. Impfungen oder ursächliche Therapien können zur Senkung des Krebsrisikos beitragen“, schreiben die Autoren. Das sei beispielsweise nachgewiesen bei der Impfung gegen Hepatitis-Viren und der Entstehung von Leberkrebs oder der Impfung gegen humane Papillomviren und die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs.

Anderes Diagnosespektrum bei Kindern

Last but not least: Nach Angaben der Wissenschaftler gibt es einen positiven Trend bei der Therapie von krebskranken Kindern. „Erfreulicherweise haben sich die Überlebenswahrscheinlichkeiten in den letzten 30 Jahren dank deutlich differenzierter Diagnostik und des Einsatzes multimodaler Therapiekonzepte deutlich verbessert“, schreiben die Autoren. In dem Berichtszeitraum lebten 82 Prozent aller krebskranken Kinder auch noch nach 15 Jahren.

In der Bundesrepublik erkranken jährlich etwa 1.750 Kinder an einem Krebs. Der Anteil an allen Krebskranken liege damit unter 1 Prozent. Trotzdem sind bösartige Tumore immer noch die zweithäufigste Todesursache bei den kleinen Patienten.

Allerdings sei das Diagnosespektrum bei Kindern ein anderes, so die Autoren des Berichtes. Demnach würden die meisten Krebserkrankungen in der embryonalen Entwicklung bereits im Mutterleib entstehen. Krebserkrankungen im Kindesalter seien hingen äußerst selten. Die häufigsten Krebserkrankungen sind Leukämien (32,9 Prozent), ZNS-Tumore (24,6 Prozent) und Lymphome (10,7 Prozent). Die Erkrankungswahrscheinlichkeit vor dem 5. Lebensjahr ist doppelt so hoch wie die der 5 bis 14-jährigen Kinder. Am häufigsten wird eine Krebserkrankung bei Kindern rund um das 5. Lebensjahr von den Ärzten festgestellt. Dabei erkranken Jungs 1,2 Mal häufiger als Mädchen.

Hervorragende Datenlage zu Krebs

Die Krebsregisterdaten der Bundesländer seien mittlerweile sehr aussagekräftig. Denn es wurden 93 Prozent aller Erkrankungsfälle in den Jahren 2013 und 2014 registriert, so das RKI. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor seien es nur 65 Prozent gewesen. Die Experten des RKI gehen davon aus, dass in keinem anderen Land mit vergleichbarer Bevölkerungsgröße eine derartige Abdeckung der Erkrankungsfälle erreicht worden ist. „Mit der flächendeckenden Krebsregistrierung ist Deutschland international auf diesem Gebiet in die Spitzengruppe aufgestiegen“, schreiben die Autoren des Berichtes. „Die Daten aus den Krebsregistern werden künftig für eine umfassende Qualitätssicherung und mehr als bisher auch für die Versorgungsforschung nutzbar sein.“  

Mehr dazu im Internet:

11. Krebsbericht des Robert-Koch-Institutes

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