BVMed-Herbstumfrage 2017

„Wir brauchen eine bessere Fortschrittskultur“

Blick auf einen Tisch, an dem vier Herren in Anzug sitzen. Vorn links ragt ein Schild ins Bild, auf dem steht: BVMed Gesundheit gestalten.

Machten sich unter anderem eine aktivere Beteiligung der Hersteller an den Entscheidungen der Selbstverwaltung, schnellere Verfahren bei der Nutzenbewertung und pragmatische Lösungen für die Umsetzung der MDR stark (v.l.n.r.): Manfred Beeres und Joachim M. Schmitt vom BVMed, Marc Michel von der Peter Brehm GmbH und Frank Matzek von Biotronik.

Quelle: BVMed

Immer im Herbst befragt der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) seine Mitgliedsunternehmen. In diesem Jahr hat sich gezeigt: Der Abwärtstrend bei den Inlandsumsätzen ist ungebrochen. Dank guter Absatzchancen im Ausland geht es der Branche aber nach wie vor gut. von Jana Ehrhardt-Joswig

Mann mittleren Alters, graues haar, Brille mit Goldrand. Auf dem Namensschild vor ihm steht: Schmitt.

BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt forderte eine bessere Fortschrittskultur: „Politik und Selbstverwaltung sollten den medizintechnischen Fortschritt positiv verstehen.“

Quelle: BVMed

Die gute Nachricht vorweg: Der überwiegende Teil der befragten BVMed-Mitgliedsunternehmen – 76 von 106 Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben – gibt an, 2017 wahrscheinlich mit einem besseren Umsatzergebnis abschließen zu können als im Vorjahr. Das liege am florierenden Auslandsmarkt, betonte BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse gestern in Berlin. Demnach verzeichnen die Unternehmen ein weltweites Umsatzwachstum von 5,9 Prozent. „Akzeptabel, wenn auch nicht berauschend“, urteilte Schmitt. Der Inlandsmarkt hingegen schwächele, führte er weiter aus. Innerhalb Deutschlands seien die Umsätze nur noch um 2,8 Prozent gewachsen. Es geht also abwärts: Vor zwei Jahren lag das Umsatzwachstum bei 4,3 Prozent, 2016 immerhin noch bei 4 Prozent.

Gleiches gilt für die Gewinnsituation in Deutschland. Nur 22 Prozent (23 Unternehmen) erwarten in diesem Jahr verbesserte Gewinne. 33 Prozent (35 Unternehmen) gehen davon aus, dass sie schlechter abschneiden als in den Vorjahren. Auch bei der Frage nach dem Innovationsklima für die Medizintechnikbranche reagieren die Unternehmen eher verhalten. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) bewerten die Unternehmen das Innovationsklima im Durchschnitt nur mit 4,5. 2012 und 2013 lag der Index noch bei 6,2 Punkten.

MDR stellt große Hürde dar

Größtes Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche ist in den Augen der Unternehmer die europäische Medizinprodukte-Verordnung (MDR). 63 Prozent (67 Unternehmen) nennen die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten eine Hürde. Auch die zu erwartenden Ressourcendefizite bei den Benannten Stellen werden kritisch gesehen. 68 Prozent der Unternehmen befürchten, dass Produkte aus ökonomischen Gründen vom Markt genommen bzw. nicht auf den Markt gebracht werden. „Insbesondere bei Nischenprodukten sind Lieferengpässe zu erwarten“, warnte Frank Matzek von Biotronik. Gemeinsam mit Marc Michel von Peter Brehm forderte er Unterstützungsmaßnahmen der Politik. So sollten beispielsweise klinische Studien in Deutschland stärker gefördert werden.

Knapp zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass aufgrund der MDR die Kosten und damit auch die Preise der Medizinprodukte steigen werden. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) werden dadurch unter Druck geraten, sagen 56 Prozent der Befragten. Knapp die Hälfte der Unternehmen befürchtet, dass die Patientenversorgung darunter leiden wird.

Als größte Hemmnisse der aktuellen nationalen Rahmenbedingungen bezeichnen die Medizintechnikunternehmen den Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften sowie innovationsfeindliche Einstellungen von Krankenkassen. „Wir brauchen eine bessere Fortschrittskultur“, forderte Schmitt.

Jobentwicklung bleibt positiv

Gleichwohl seien die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medizintechnikbranche nach wie vor glänzend, betonte Schmitt. Gesucht würden vor allem Ingenieure, Medizintechniker nd Wirtschaftswissenschaftler, aber auch Vertriebsmitarbeiter, Fachleute für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Key Account Manager und Regulatory Affairs-Spezialisten. Die Unternehmen investieren verstärkt in ihre deutschen Produktionsstandorte. 26 Prozent (28 Unternehmen) haben angegeben, dass sie ihre Investitionen erhöht hätten. 50 Prozent (53 Unternehmen) bewegen sich auf demselben Investitionsniveau wie im Vorjahr. Und auch die Innovationsfreude hat unter den schlechteren Bedingungen noch nicht spürbar gelitten. So haben 29 Prozent (31 Unternehmen) der Hersteller für die Forschung sogar etwas tiefer in die Tasche gegriffen. Und 45 Prozent (48 Unternehmen) haben immerhin nicht weniger dafür ausgegeben.

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