World Health Summit 2017

Digitalisierung soll globale Gesundheitsversorgung beflügeln

Gesundheitsminister Hermann Gröhe eröffnete am Sonntag das World Health Summit in Berlin.

Quelle: World Health Summit / S. Kugler

2000 Gesundheitsexperten aus 100 Ländern sind in dieser Woche in Berlin zusammen gekommen, um über aktuelle Fragen der globalen Gesundheitsversorgung zu diskutieren. Vernetzung und Digitalisierung sollen Antworten auf Ärztemangel, steigende Gesundheitsausgaben und eine wachsende Weltbevölkerung sein. von Tim Gabel

Deutschland hat nach Angaben von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sein weltweites Engagement beim Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme verstärkt. „Globale Gesundheitspolitik ist zu einem Markenzeichen der internationalen Verantwortung unseres Landes geworden“, sagte Gröhe am Sonntag zum Auftakt des dreitägigen Weltgesundheitsgipfels in Berlin. „Wir haben die deutsche Unterstützung beim Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme und der Bewältigung von Gesundheitskrisen spürbar ausgebaut.“ Ohne konkrete Zahlen zu nennen, erklärte Gröhe, Deutschland habe seine finanzielle Unterstützung für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche internationale Aktivitäten im Bereich der globalen Gesundheitspolitik deutlich gesteigert.

Ganz uneigennützig dürfte das verstärkte Engagement nicht sein. Schließlich ist die Bekämpfung von Fluchtursachen ein erklärtes Ziel der scheidenden Regierung, dabei spielt die Gesundheitsversorgung in den Herkunftsländern eine große Rolle. Beim weiteren Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme sei aber auch eine „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Politik mit Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Stiftungen und Wirtschaft wichtig“, so Gröhe. Insgesamt waren acht Minister aus sieben verschiedenen Ländern bei der Veranstaltung vertreten. Die Staatschefs von Deutschland und Frankreich, Angela Merkel und Emmanuel Macron, waren die Schirmherren der Veranstaltung.

M8-Allianz stellt Kernforderungen an die Politik

Die M8-Allianz, das akademische Netzwerk des World Health Summits und ein Zusammenschluss aus 25 der wichtigsten akademischen Gesundheitszentren der Welt, stellte zum Ende des World Health Summit am Dienstag drei Kernforderungen an die Regierungen weltweit auf: Gesundheitsthemen müssten die zentralen Themen der nächsten G7/G20-Treffen sein, der internationale Katastrophenschutz müsse ausgebaut werden und die sozialen Einflüsse auf die Gesundheit müssten stärker berücksichtigt werden.

Unabhängig vom sozialen Status und dem Entwicklungsstand der Nationen würden weltweit zu viele Menschen sterben, weil das Potenzial der Vernetzung und Digitalisierung noch nicht optimal genutzt werde, sagte Thomas P. Laur, Präsident der Connected Health Group des deutschen Softwareherstellers SAP. Am Beispiel von Krebserkrankungen schilderte er bei der Session „Innovations in Digital Health“, was passieren muss, um effizienter und individueller behandeln zu können: „Wir müssen große Daten-Netzwerke etablieren, die über einzelne Organisationen hinausgehen und zu Entwicklungszwecken genutzt werden können, um die globale Gesundheitsversorgung nachhaltig zu ändern.“

Forderung: Datensicherheit darf Innovationskraft nicht gefährden

Auch andere Vertreter der Industrie forderten die Politik und die internationalen Gesundheitssysteme dazu auf, sich beim Engagement für Big Data nicht hinter dem Patientenschutz zu verstecken. Eine vernünftige Datenerfassung von Vorerkrankungen, Medikation und Symptomen würde Medizinern ein wesentlich besseres Bild der Patienten ermöglichen und über Datenbank-Vergleiche eine effizientere und individuellere Behandlung von Patienten, sagte Carla Kriwet, CEO bei Philips für den Bereich „Connected Care and Health Informatics“. Zudem müssten die Patienten im Mittelpunkt stehen und einen transparenten digitalen Zugang zu ihren Daten bekommen.

Die Sicherheit von Daten sei wichtig, aber auch die Bereitschaft der Patienten, ihre Daten mit Medizinern und Entwicklern zu teilen, müsse gewürdigt werden, sagte Arnaud Bernaert, der beim Weltwirtschaftsforum für das Ressort „Globale Gesundheit“ zuständig ist. „Je nach Umfrage würden 75 bis 80 Prozent der Teilnehmer ihre medizinischen Daten teilen, wenn das die Gesundheitsversorgung verbessern würde“, so Bernaert.

doctHers gewinnt den internationalen Start-up-Wettbewerb

Mit dem Thema „Digitale Vernetzung“ konnte schließlich das Start-up „doctHers“ auch den 1. Preis beim internationalen Start-up-Wettbewerb auf dem World Health Summit gewinnen. Den 1. Preis bekam Asher Hasan von Bundesgesundheitsminister Herman Gröhe, dem Schirmherren des internationalen Wettbewerbs, am Montagabend vor rund 600 Gästen aus aller Welt überreicht. doctHers vernetzt Frauen in strukturschwachen Regionen über eine App mit Ärztinnen, die gerade ein Kind bekommen haben, aber trotz Mutterschaft ihre Karriere weiterführen wollen. Über die App können die Medizinerinnen telemedizinische Sprechstunden für Patientinnen anbieten, die ansonsten keine Möglichkeit hätten, einen Arzt aufzusuchen.

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©Medizintechnologie.de/ga

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