Weltdiabetestag

Zuckerkrankheit - Mehr Tote als angenommen

Ein weißer Totenkopf auf schwarzem Grund.

In Deutschland sterben weit mehr Menschen an einem Diabetes und dessen Folgeerkrankungen, als in der offiziellen Todesursachenstatistik angegeben.

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Eine schlechte und eine gute Nachricht zum Weltdiabetestag: In Deutschland sterben einer neuen Studie zufolge weit mehr Menschen an einem Diabetes und Folgeerkrankungen, als in der offiziellen Todesursachenstatistik angegeben wird. Gleichzeitig liefert die Medizintechnik seit Jahren innovative Lösungen, durch die die chronische Erkrankung in Zukunft besser zu handhaben sein wird. von Tim Gabel

Für Deutschland fehlten bislang Angaben zur bundesweiten Diabetessterblichkeit. Forscherinnen und Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben vergangene Woche in der Zeitschrift „Diabetes Care“ erstmals eine Berechnung veröffentlicht, nach der im Jahr 2010 insgesamt rund 175.000 Todesfälle mit Diabetes assoziiert sind. Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass in Deutschland weit mehr Menschen an einem Diabetes und dessen Folgeerkrankungen sterben, als in der offiziellen Todesursachenstatistik angegeben wird.

In Deutschland gab es bislang nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit – basierend auf regional begrenzten Studien, bei denen nur wenige Menschen mit Diabetes untersucht wurden. Diese Veröffentlichungen weisen für das Jahr 2010 diabetesbedingte Sterbefälle mit nur 23.000 aus, das entspricht 2,7 Prozent aller Todesfälle in Deutschland. Durch die im Jahr 2012 umgesetzten Vorschriften zur Datentransparenz können seit 2014 Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die für den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) zwischen den Krankenkassen gesammelt werden, für Versorgungsanalysen genutzt werden.

21 Prozent aller Todesfälle hängen mit Diabetes zusammen

„Diese Daten ermöglichen uns neue Möglichkeiten, epidemiologische und versorgungsrelevante Untersuchungen für ganz Deutschland durchzuführen“, erklärt Dr. Wolfgang Rathmann, stellvertretender Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am Deutschen Diabetes-Zentrum und Mitglied im Research Coordination Board des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Die von seinem Forscherteam ausgewerteten Daten für das Jahr 2010 umfassen etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung und haben den Vorteil, dass alle Altersklassen abgebildet sind, so Rathmann weiter.

Die Berechnungen ergaben, dass im Jahr 2010 insgesamt 175.000 Todesfälle (Typ-2-Diabetes: 137.950 Todesfälle) hätten verhindert werden können, wenn die Mortalität bei Menschen mit Diabetes genauso wäre wie bei Menschen ohne Diabetes. Damit waren im Jahr 2010 rund 21 Prozent aller Todesfälle in Deutschland auf Diabetes zurückzuführen. Ein Typ-2-Diabetes war mit 16 Prozent aller Todesfälle assoziiert. In Deutschland leben mehr als 6 Millionen Menschen mit Diabetes. Ungefähr 300 000 davon haben Diabetes Typ 1 und müssen Insulin spritzen.

Durch Innovationen sinkt die Zahl der Patienten, die an Diabetes sterben

Weltweit hat sich die Zahl der diabetesbedingten Todesfälle zwischen 1990 und 2010 verdoppelt. Das liegt aber vor allem an der Verbreitung der Erkrankung, die sich durch den Lebenswandel in den Industrieländern wie eine Epidemie ausgebreitet hat. Im Jahr 2013 sind schätzungsweise 5,1 Millionen Menschen weltweit und 620.000 Menschen in Europa an einem Diabetes bzw. an diabetesbedingten Folgeerkrankungen gestorben. Damit ist die Lebenserwartung für Menschen mit Diabetes im Durchschnitt um etwa 5 bis 6 Jahre kürzer als bei gleichaltrigen Personen ohne Diabeteserkrankung.

Hinsichtlich der Sterblichkeit von Menschen mit Diabetes zeichnet sich inzwischen aber ein positiver Trend ab. Die Mortalitätsraten sinken seit mehr als 20 Jahren stetig. Gründe hierfür sind unter anderem eine verbesserte Versorgung der Menschen mit Diabetes durch Disease Management Programme und die verbesserte Prävention und Therapie diabetesbedingter Komplikationen. Inwieweit diese Trends auch auf Deutschland zutreffen, soll durch zukünftige Analysen festgestellt werden.

© Medizintechnologie.de/mit dpa