BMBF-Studie

Große Innovationsfreude in deutschen Unternehmen

Zwei Männer, offensichtlich Ingenieure, blicken begeistert auf einen kleinen Roboter, den einer von beiden in seinen Händen hält. Auf dem Tisch vor ihnen liegt ein Konstruktionszeichnung.

In deutschen Unternehmen ist die Freude an Innovationen ungebrochen. Allerdings wird nicht mehr ganz so viel in Forschung und Entwicklung investiert.

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Deutsche Unternehmen gaben 2016 mehr Geld für Innovationen aus. Vor allem die Elektroindustrie investierte einen hohen Teil ihres Umsatzes in innovative Entwicklungen, wie eine aktuelle Studie des Bundesforschungsministeriums belegt. Doch die Erhebung zeigt auch: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lahmen. von Romy König

Deutschland ist innovationsfreudiger denn je: 158,8 Milliarden Euro gaben deutsche Unternehmen im Jahr 2016 für Innovationen aus. Das sind nicht nur zwei Prozent mehr als im Jahr zuvor, es ist auch ein neuer Rekordwert. Gleich geblieben ist indes der Anteil der Innovationsausgaben am Umsatzwert: Mit drei Prozent lag er gesamtwirtschaftlich genauso hoch wie 2015.

Die Zahlen gehen hervor aus der Studie „Innovationen in der deutschen Wirtschaft“, für die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) einmal jährlich das Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft untersucht. Auftraggeber ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Elektroindustrie investiert mehr als ein Zehntel des Umsatzes

Eine höhere Innovationsintensität als die Gesamtwirtschaft zeigt der Teilbereich der Industrie, die im vergangenen Jahr insgesamt 132,1 Milliarden Euro in Innovationen steckte. Zwar sind dies auch nur 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr, doch entspricht die Summe einem Umsatzanteil von 4,7 Prozent – ein neuer Höchstwert. Treiber ist die Elektroindustrie: Sie reinvestierte laut ZEW mit 19,7 Milliarden Euro 10,7 Prozent ihres Umsatzes in Innovationsentwicklung. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) kommt – allerdings für 2017 – auf noch höhere Zahlen: Demnach investieren Unternehmen der Elektroindustrie 14 Prozent ihres Umsatzes in Innovationen. „Zudem wird ein Drittel unserer Branchenerlöse mit Neuheiten erzielt“, so eine Sprecherin auf Nachfrage.

Chemie- und Pharmabranche sind größte Treiber

Nur leicht gestiegen ist die Innovatorenquote, also der Anteil jener Firmen, die Innovationen einführten: Mit 36,1 Prozent (2015: 35,2 Prozent) sei dies laut ZEW der zweitniedrigste Wert seit 2006. Dieser sei allein auf die Industrie zurückzuführen: „Dort erhöhte sich die Quote von 41,8 auf 44,9 Prozent“, so die Autoren. Größte Treiber seien die Chemie- und Pharmahersteller, von denen 71 Prozent Innovationen entwickelten, zudem die Elektroindustrie (68 Prozent) und der Maschinenbau (67 Prozent).

Den Medizintechnik-Sektor weist das ZEW in seiner Studie nicht explizit aus. Das Institut folgt einer Einteilung der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes, das medizintechnische Güter größtenteils unter der „Herstellung sonstiger Waren“ führt.

Unternehmen investieren verstärkt in deutsche Standorte

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sieht in der Grundaussage der Studie eigene Zahlen bestätigt: „Der BMBF-Bericht deckt sich mit unseren Erkenntnissen und der Entwicklung in der Medizintechnikbranche“, sagt Verbandssprecher Manfred Beeres. Die BVMed-Herbstumfrage habe im vergangenen Jahr gezeigt, dass Medizintechnikunternehmen verstärkt in ihre deutschen Produktionsstandorte investierten, „trotz der angespannten Situation durch erhöhten Preisdruck im Inland“, so Beeres: „26 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, 50 Prozent halten das Investitionsniveau.“

Innovation ja – aber mit weniger FuE

Gesunken ist jedoch laut ZEW-Studie der Anteil jener Unternehmen in Deutschland, die für ihre Innovationsaktivitäten auch Forschung und Entwicklung (FuE) betreiben: Ihr Anteil fiel von 20 Prozent auf 17,4 Prozent. Vor allem mittelständische und kleine Unternehmen zogen sich aus FuE-Tätigkeiten zurück. ZEW-Studienautorin Bettina Peters: „Da FuE für die Wettbewerbsfähigkeit von besonders großer Bedeutung ist, ist das keine gute Entwicklung.“ Pläne der sich abzeichnenden Großen Koalition, eine steuerliche Förderung von FuE einzuführen, kämen deshalb „gerade zur rechten Zeit“, so Peters.

Auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betonte anlässlich der Studie, wie wichtig Anreize für Forschung und Innovationen gerade für KMU seien und verwies auf das Zehn-Punkte-Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“ des BMBF. „Damit ermuntern wir mehr Unternehmen zu eigenen Innovationsanstrengungen.“

Medizintechnikbranche braucht schnellere Bewertungssysteme

Die Medizintechnikbranche stemmt sich dem mauen FuE-Trend derzeit noch entgegen. Laut BVMed-Herbstumfrage haben 29 Prozent der befragten BVMed-Unternehmen ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr erhöht, 45 Prozent ihr Niveau immerhin gehalten. „Die Medizintechnikbranche ist ein wichtiger Treiber des medizinischen Fortschritts“ erklärt Beeres. „Dafür werden sehr intensive Forschungsanstrengungen unternommen.“ Doch auch er sieht die Innovationsaktivitäten seiner Branche nicht als gesetzt und fordert eine Nachjustierung: „Um die Innovationskraft der MedTech-Branche zu erhalten, müssen wir unsere Erstattungs- und Bewertungssysteme an die Dynamik der Technologien anpassen.“ Wünschenswert seien schnellere Bewertungsverfahren und eine bessere Fortschrittskultur, die sich an Patientenbedürfnissen orientiert. „Das sollten Gesundheitsministerium wie auch Forschungs- und Wirtschaftsministerium nach der Regierungsbildung berücksichtigen.“

2018 könnte 170-Milliarden-Grenze geknackt werden

Ein Ende der Innovationsfreude ist laut ZEW nicht abzusehen: „Auch künftig wollen die Unternehmen zum Teil weiter kräftig in Innovationen investieren“, so die Studienautoren. Für das Jahr 2017 sei zwar noch ein eher moderater Anstieg der Innovationsausgaben um 1,1 Prozent auf 160,5 Milliarden Euro zu erwarten. Doch für 2018 planen die Unternehmen nach eigenen Angaben einen größeren Sprung: Die Ausgaben könnten dann um 5,9 Prozent auf 170 Milliarden Euro steigen.

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