Israel

Sichere Wette – mit Einschränkungen

Stadtansicht von Tel Aviv vom Wasser aus: rechts liegen kleine Boote im Hafen und rechts befindet sich ein mit kleinen Häusern bebauter Hügel. Am Horizont sind Hochhäuser zu sehen.

Tel Aviv gilt als Hotspot für Innovationen. Die Gegend wird gern als „Silicon Wadi“ bezeichnet.

Quelle: Boris Stroujko/Fotolia

Der Gesundheitsmarkt in Israel ist vielversprechend für Medizintechnikhersteller: Die Bevölkerung wächst, wird älter, und in den Kliniken wird es auch künftig einen Bedarf an Medizintechnik geben. Analysten raten deutschen Unternehmen, sich in dem kleinen Land im Nahen Osten zu engagieren. Doch Israel hat auch eine starke eigene Industrie und gilt mit seiner ausgeprägten Start-up-Szene als Gründerwunderland. Wo also liegen noch Absatzchancen für deutsche Unternehmen? von Romy König

Das israelische Gesundheitssystem ist auf Effizienz getrimmt. Und doch prognostizieren Wirtschaftsexperten eine wachsende Nachfrage nach Medizintechnik.

„Beneidenswert“ ist einer dieser Begriffe, mit dem israelische Politiker und Diplomaten in Vorträgen gern ihr Gesundheitssystem beschreiben. Ein Etikett, das umso heller funkelt, da sie es sich nicht selbst anheften. Es stammt von einer unabhängigen Instanz: der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Als vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal eine OECD-Delegation die Gesundheitslandschaft des kleinen Staates im Nahen Osten durchstreifte – Israel war gerade kurz zuvor in die internationale Wirtschaftsgemeinschaft aufgenommen worden –, lobten die Analysten das System für dessen Effizienz. Die israelischen Ausgaben für Gesundheit, so heißt es im Bericht, betrugen nur 7,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lagen damit unter dem OECD-Durchschnitt. „Während die meisten anderen OECD-Staaten mit stetig wachsenden Gesundheitskosten zu kämpfen haben“, schwärmen die Autoren, „hat Israel seine Ausgaben klein gehalten“. Dabei hole das Land das „Größtmögliche aus engen Budgets“ heraus und biete dennoch eine „hochqualitative medizinische Erstversorgung“. Vor allem die Früherkennung chronischer Krankheiten funktioniere gut, was viele kostenpflichtige Krankenhausaufenthalte vermeiden helfe. „Beneidenswert“, so also das OECD-Urteil.

Dennoch monierten die Delegierten die defizitäre Ausstattung der Kliniken und forderten die Regierung zu Reformen auf. Krankenhäuser sollten durch Qualitätsmanagementprogramme dazu angehalten werden, ihre Leistungen zu verbessern.

GTAI: „Sichere Wette“

In einem Marktbericht zu Israel von 2016 bescheinigt die Germany Trade & Invest (GTAI), die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik, dem israelischen Gesundheitswesen, dass es auf „festem Grund“ stehe. Eine allgemeine Krankenkassenpflicht stelle sicher, dass jeder Israeli bei einer der vier Krankenkassen versichert sei. Dadurch sei eine „umfangreiche Leistungspalette von Medikamenten und medizintechnischen Behandlungen“ durch den Staat garantiert, so die GTAI.

Der Nahost-Staat ist zwar ein kleines Land mit nur 8,6 Millionen Einwohnern. Auch ist die Bevölkerung – mit einem Seniorenanteil von niedrigen elf Prozent – vergleichsweise jung. Doch die Nation wächst: Jedes Jahr nimmt die Bevölkerung um etwa zwei Prozent zu, und die absolute Zahl der über 65-Jährigen könnte schon bis 2025, so zitiert die GTAI eine aktuelle Statistik, um 37 bis 39 Prozent steigen. Der Seniorenanteil liegt dann bei 14 Prozent. „Unter diesen Umständen ist ein anhaltendes Wachstum der Gesundheitsausgaben eine sichere Wette“, so die GTAI optimistisch.

Rahmendaten zum Gesundheitssystem in Israel

Indikator

Wert

Einwohnerzahl (2016 in Mio.)

8,6

Bevölkerungswachstum (2015 in % p.a.)

2,0

Altersstruktur der Bevölkerung (2014)
Anteil der unter 14-Jährigen (Prozent)
Anteil der über 65-Jährigen (Prozent)


28,3
11,0

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2014 in Jahren)
Frauen
Männer

 
84,3
80,6

Durchschnittseinkommen pro Monat (2014 in US-Dollar)

2.461

Gesundheitsausgaben pro Kopf nach Kaufkraftparität (2014 in US$)

2.698

Gesundheitsausgaben pro Kopf nominal (2014 in US-Dollar)

2.688

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2014 in Prozent)

7,5

Ärzte/100.000 Einwohner (2014)

340

Zahnärzte/100.000 Einwohner (2014)

77

Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2013), davon
privat
öffentlich

534
191
343

Quelle: GTAI: Branche kompakt: Moderne Medizintechnik in Israel gefragt; Originalquelle: Zentralamt für Statistik

2015 wurden in Israel umgerechnet 22,5 Milliarden US-Dollar für Gesundheitsleistungen und -produkte ausgegeben. 60 Prozent davon hat der Staat finanziert, den Rest zahlten die Bürger aus eigener Tasche oder über private Zusatzversicherungen.

In Medizinprodukte und medizintechnische Ausstattung flossen etwa 20 Prozent der Ausgaben. Hauptabnehmer von medizintechnischen Geräten sind in Israel die 354 Krankenhäuser und hier vor allem die 44 größtenteils staatlichen oder gemeinnützigen Universalkrankenhäuser, die ihre Beschaffungen ausschreiben müssen. Sie stellen 343 Krankenhausbetten pro 100.000 Einwohner. Privatkliniken, die sich vorrangig um chronisch Kranke kümmern, stellen 191 Betten pro 100.000 Einwohner. Doch auch die Ärzte fragen Medizintechnik nach, ebenso schließlich die vier Krankenkassen selbst, da diese in Israel auch eigenständig Gesundheitsleistungen anbieten dürfen.

Mehr im Internet:

OECD Reviews of Health Care Quality: Israel

GTAI-Report „Branche kompakt: Moderne Medizintechnik in Israel gefragt“

Wer in Israel Medizintechnik verkaufen will, sollte wissen: Das Land exportiert mehr als doppelt so viele medizintechnische Güter, wie es einführt.

Portrait eines Mannes in den dreißigern oder vierzigern, mit lichtem kurzen Haar und kurzem Bart, der sehr ansteckend in die Kamera lacht. Er trägt ein hellblau gemustertes Hemd.

Gregor Schlosser, AHK Israel: „Für deutsche Unternehmen ist Israel kein einfacher Markt.“

Quelle: AHK Israel

Die Zuversicht hinsichtlich künftiger Abverkaufschancen für ausländische Medizinprodukte in Israel teilt die GTAI mit der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer (AHK Israel). „Israel verzeichnet einen wachsenden Lebensstandard, eine steigende Lebenserwartung und eine gute Konjunktur“, lässt deren Geschäftsführer Grisha Alroi-Arloser auf Nachfrage aus Tel Aviv verlauten und ergänzt: „Damit wird das Land auch in Zukunft ein vielversprechender Absatzmarkt für Medizintechnik sein.“ Hinzu komme, so die GTAI in ihrem Marktbefund, dass die hohe Zuverlässigkeit und ein schneller Kundendienst – beides von den Israelis besonders hoch geschätzt – deutschen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffe.

Es gibt aber auch vorsichtigere Einschätzungen, etwa jene von Gregor Schlosser. Er bringt bei Betatec, einer AHK-Initiative, Start-ups, Industrie und Wissenschaftler zusammen. Schlosser kann nicht bestätigen, dass das Land zwischen Mittelmeer und Totem Meer nur auf deutsche Medizintechnik warten würde. „Für deutsche Unternehmen ist Israel kein einfacher Markt“, räumt er ein. „Die Israelis stellen ja auch viele medizinische Produkte selbst her.“

Beliebte Technik aus Deutschland: radiologische Geräte und Strahlengeräte

2015 wurde laut GTAI in Israel Medizintechnik im Wert von 849,3 Millionen US-Dollar eingeführt. Davon kam aus Deutschland Medizintechnik im Wert von 115,8 Millionen US-Dollar. Dies entspricht 13,6 Prozent der Gesamtimporte. Besonders groß war 2015 die Nachfrage nach Elektrodiagnose- und Röntgengeräten – von eingeführten Geräten im Gesamtwert von 300.000 Dollar kamen Geräte im Wert von 56.200 Dollar aus Deutschland. Für 21.600 Dollar wurden „andere Instrumente, Apparate und Geräte“ aus Deutschland importiert, gefolgt von Orthopädietechnik und Prothesen im Wert von 17.700 Dollar.

Ein Drittel aller medizintechnischen Geräte stammt aus dem eigenen Land

Bei aller Einkaufslust: Israel ist selbst Industrie- und mehr noch Exportland. Mit Medizintechnik machten israelische Hersteller 2014 einen Umsatz von umgerechnet etwa 3,4 Milliarden Dollar, wobei die Exportquote rund 88 Prozent betrug. Das heißt: In Israel produzierte medizintechnische Geräte und Instrumente im Wert von 424 Millionen Dollar verblieben im Land – was einem Marktanteil von einem Drittel entspricht. Laut Außenhandelsstatistik führt Israel 2,3 Mal so viele medizintechnische Güter aus wie es einführt.

Markt für Medizintechnik in Israel (in Mio. US-Dollar, Veränderung in Prozent):

Kennziffer

2013

2014

Veränderung 2014/2013 in %

Lokale Produktion

2.985

3.389

13,5

Import

836

854

2,1

Export 1)

2.614

2.965

13,4

Marktvolumen 2)

1.207

1.278

5,7

1) Exportzahlen laut Industriestatistik mit Abweichungen von der Außenhandelsstatistik,
2) Marktvolumen = lokale Produktion + Import - Export

Quelle: GTAI Branche kompakt, Originalquelle: Zentralamt für Statistik, UN Comtrade Database

„Es gibt keinen Markt“

Auf einem Charité-Entrepreneur-Summit des Berlin Institute of Health (BIH) im Mai 2017 will man denn auch, zumindest hinter vorgehaltener Hand, Israel nicht als verheißungsvollen neuen Absatzmarkt preisen: So etwas wie „den israelischen Markt“, den ausländische Unternehmen noch stärker mit ihren Produkten bereichern, ihn gar erobern könnten, gebe es nicht, wehrt ein israelischer Geschäftsmann ab. Vielmehr verhalte es sich genau anders herum: Israelische Firmen suchten weiter Gelegenheiten und Wege, ihre eigenen Entwicklungen im Ausland auf den Markt zu bringen.

Diplomatischere Töne findet dagegen Lior Teitelbaum von MindUP, einem Inkubator mit Sitz in Haifa: Natürlich sei das Land klein und der Vertriebsmarkt daher nicht riesig. Dennoch werde deutsche Medizintechnik in Israel gern und häufig genutzt. Der Weg deutscher Unternehmen nach Israel führe, das sagt auch AHK-Chef Grisha Alroi-Arloser, über Synergien mit israelischen Start-ups. So könne man gemeinsam Produkte und Dienstleistungen entwickeln, „vor allem im Bereich der Telemedizin und von E-Health“.

Mehr im Internet:

Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer

Betatec – Initiative, die Start-ups, Wissenschaft und Industrie aus Deutschland und Israel zusammenbringt

MindUP – israelischer Inkubator, der Kliniken, Industrie, Investoren und Start-ups zusammenbringt

Israel hat eine beeindruckende Start-up-Szene. Ermöglicht und gefördert wird sie durch die Regierung, durch Risikokapital – aber auch durch eine für Israel typische Unternehmerkultur.

Es sei erstaunlich, sagt BIH-Vorstandsmitglied Rolf Zettl auf dem Charité-BIH-Unternehmer-Gipfel: Israel sei ein so kleines Land, umrahmt von Feinden an nahezu jeder seiner Grenzen – und doch habe es eine immense Stärke und eine bemerkenswerte Start-up-Szene entwickelt.

Knapp 400 junge israelische Unternehmen agieren derzeit auf dem Gesundheitsparkett: Knapp 180 von ihnen entwickeln Programme für „Personal Health“, die restlichen arbeiten an B2B-Tools, etwa für Health Analytics, klinische Prozesse, Wearables und Sensoren sowie für telemedizinische Anwendungen. Schon heute nimmt der Gründer-Hotspot Tel Aviv – laut einem Compass-Ranking – weltweit den sechsten Platz ein, „noch vor Berlin, Los Angeles oder Seattle“, sagt Anya Eldan, Leiterin der Start-up-Abteilung bei der israelischen Innovationsbehörde. Nicht umsonst wird die Gegend, in der die jungen Firmen ansässig sind, „Silicon Wadi“ genannt. „Und gerade in unserer Digital-Health-Szene ist ordentlich Dampf.“

Allein dass Israel eine eigene Innovationsbehörde unterhält, zeigt, welche Bedeutung dem Gründertum im Staat zukommt. Was hinter dem Erfindergeist steckt, erklärt Arie Orenstein. Der 73 Jahre alte plastische Chirurg leitet am Sheba Medical Center einige Kilometer östlich von Tel Aviv das Advanced Technology Center. „Die Regierung hält die Krankenhäuser mit Regulierungen und Einsparungen klein.“ Deshalb würden Kliniken erfinderisch, knüpften Kooperationen mit Universitäten und mit Firmen.

Torso-Bild eines älteren weißhaarigen Mannes mit Brille hinter einem Rednerpult. Er trägt ein dunkles Jacket, eine dunkle Krawatte und ein helles Hemd, und hat ein Mikrofon am Ohr befestigt.

Israels Businesskultur sei vom Denken „outside the box“ geprägt, sagt Arie Orenstein aus Tel Aviv.

Quelle: Charité

Als das Sheba-Krankenhaus vor mehreren Jahren auf der Suche nach einer Lösung für komplizierte neurochirurgische Eingriffe war, holte es Techniker und Ärzte zusammen und ließ sich kurzerhand einen offenen Mini-Magnetresonanztomografen entwickeln, in dem Patienten während einer Operation in eine aufrechte Position gebracht und gescannt werden können. Mittlerweile sei das Patent dafür in die USA verkauft worden, erzählt Orenstein. Das Denken „outside the box“, wie Orenstein sagt, mache Israels Businesskultur aus – und habe in den vergangenen Jahren eine der interessantesten Start-up-Nationen der Welt hervorbringen können.

Weit entwickelter Risikokapitalmarkt

Gestützt wird die Gründerszene zudem durch eine ausgeprägte Risikokapitalkultur, wie Anya Eldan weiter erläutert. So lag der Venture-Capital-Anteil in Israel laut einer OECD-Erhebung 2016 bei 0,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das mag nach wenig klingen, ist aber die weltweit höchste Rate. Eldan: „Damit liegt Israel noch vor den USA“, deren Venture Capital-Anteil bei 0,33 Prozent liegt. Zum Vergleich: In Deutschland machen Risikokapitalinvestitionen nur etwa 0,02 Prozent des BIP aus.

Niederlassung, Vertriebspartner, Handelspartner – es gibt mehrere Wege, in Israel Fuß zu fassen. Im Trend sind vor allem Kooperationen mit Israels Start-ups. Das Ziel dabei: die digitale Kompetenz der Israelis anzuzapfen.

„Die direkte Niederlassung in Israel lohnt sich oft bei größeren bis großen Unternehmen“, erklärt AHK-Geschäftsführer Grisha Alroi-Arloser. „Allerdings auch erst, nachdem die Marktchancen tatsächlich geklärt wurden.“ GE Healthcare etwa betreibt in Israel eine Dependance; heute erwirtschaftet die Niederlassung mit 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 321 Millionen US-Dollar. Auch das niederländische Unternehmen Philips ist in dem Nahost-Land über eine eigene Filiale – Philips Medical Solutions – samt Entwicklungscenter aktiv und setzte hier zuletzt mit seinen 850 Mitarbeitern 238 Millionen US-Dollar um.

Handelspartner helfen bei komplizierter Zulassung

Portrait eine älteren Mannes mit kurzem weiß-meliertem Haar und Brille. Er trägt ein hellblau gemustertes Hemd und ein dunkles Sakko.

Grisha Alroi-Arloser, AHK Israel: „Für KMU führt der Weg nach Israel über einen Handelspartner.“

Quelle: AHK Israel

Für kleine und mittlere Unternehmen jedoch führt der Weg nach Israel möglichst über einen Handelspartner, rät Alroi-Arloser, „am besten über einen am Markt erfahrenen Importeur mit nachgewiesener Branchenkenntnis“. Die AHK sei darauf spezialisiert, solche Partner für deutsche Firmen zu finden und zu vermitteln. Ein guter Partner würde dann auch die Zulassungsbeschränkungen kennen, die, so warnt die GTAI, recht kompliziert seien: So gebe es ausländische Firmen, die wegen allzu langer Zulassungszeiten lieber auf den Markteintritt in Israel verzichten, weil sie befürchten, dass das Produkt zum Zeitpunkt der Zulassung schon wieder veraltet sei. 

Über eine Handelspartnerschaft hat auch General Electric 1950 seinen Weg in Israel begonnen: einen lokalen Distributeur ausgewählt und über diesen schrittweise seine Position weiter entwickelt. Erst in den späten 1990er Jahren baute der Konzern sein Israelgeschäft durch zahlreiche Investitionen und Zukäufe aus – im Gesundheitssektor etwa über die Akquisition des israelischen Unternehmens Elbit Medical Imaging – und formte das heutige GE Healthcare Israel. Seither wird am Standort in Tirat Carmel, nördlich von Tel Aviv, auch geforscht und entwickelt: Das erste miniaturisierte und tragbare Herz-Ultraschallsystem Vivid stammt zum Beispiel aus der GE-Forscherschmiede am Mittelmeer. 

Klassische Industrie trifft Israels Digital-Tüftler

Heute seien aber vor allem Partnerschaften mit der boomenden Start-up-Szene die fruchtbarste Variante, in Israel einzusteigen, so Betatec-Projektleiter Gregor Schlosser. Die eigenen industriellen Fertigkeiten mit dem frischen Hightech-Wind aus dem Nahost-Staat zu verknüpfen, das ist der Trend. „Die Automobilindustrie macht es ja vor“, sagt Schlosser. Tatsächlich hat zum Beispiel Daimler 2016 in Tel Aviv ein neues Technology Center gegründet, um sein „weltweites Netzwerk mit Kompetenzen aus dem Hightech-Land Israel zu stärken“, wie Daimler-Vorstandsmitglied Thomas Weber anlässlich der Eröffnung sagte. Ein „hoch spezialisiertes Team“ solle Daimler unter anderem im Bereich Digitalisierung unterstützen.

Symbolisch gezeichnetes Bild von drei Personen - links und rechts Männer, in der Mitte eine Frau - die lächelnd jeder eine Glühbirne in der Hand halten. Der Hintergrund ist helltürkis mit kleinen Wölkchen im oberen Drittel.

Israel hat eine sehr lebendige Start-up-Szene und gilt als Gründerwunderland.

Quelle: creatarka/Fotolia

Auch GE Healthcare Israel investiert in Start-ups, so etwa in die israelische Firma Check-Cap, die eine Kapsel für die eingriffsfreie endoskopische Untersuchung des Verdauungstrakts entwickelt: Der Patient schluckt die Hightech-Kapsel und diese zeichnet, während sie durch den Darm wandert, Informationen auf und sendet sie an einen externen Receiver. GE Healthcare finanziert das Projekt über seinen sechs Milliarden schweren Fonds GE Healthymagination.

Der Philips-Konzern hat sich zuletzt mit einem der großen israelischen Player zusammengeschlossen, um sich in der Start-up-Szene zu engagieren: Gemeinsam mit der Pharmafirma Teva – und mit insgesamt 26,5 Millionen US-Dollar Kapital – gründete das Medizintechnikunternehmen Sanara Ventures. Der Inkubator soll über acht Jahre Start-ups unterstützen. Für Frans von Houten, CEO von Philips, ist Sanara Ventures „ein strategischer Weg, in neue Entwicklungen in der Gesundheitstechnologie einzusteigen“. Dies gerade in Israel zu tun, war Folge einer Nahost-Reise von Houtens vor einigen Jahren. Er sei so begeistert gewesen von Israels Gesundheitswirtschaft, dass er wusste: Wenn er eine Plattform für Startinvestitionen schaffen will – dann in Israel.

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