Förderpolitik

Nationaler Strategieprozess "Innovationen in der Medizintechnik"

Gruppenbild mit Staatssekretären anlässlich der Veröffentlichung des Schlussberichts
Quelle: © Frank Nürnberger

Im Juni 2011 haben die Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF), für Gesundheit (BMG) und für Wirtschaft und Technologie (BMWi) den Nationalen Strategieprozess »Innovationen in der Medizintechnik« ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, gemeinsam mit den Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Gesundheitswesen Handlungsempfehlungen für die Verbesserung und den Ausbau des Innovationssystems Medizintechnik erarbeiten.

Gesundheitssystem und Gesundheitswirtschaft stehen in Deutschland im Zuge des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Als Teilmarkt der Gesundheitswirtschaft leistet die Medizintechnik ihren Beitrag, Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten und eine optimale medizinische Versorgung für alle Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Zugleich stellt die Medizintechnikbranche für den Standort Deutschland einen relevanten Wirtschaftsfaktor mit hohen Exportanteilen dar. Das Innovationsklima am Standort wird bisher als gut eingestuft. Im Trend wird der Innovationsprozess jedoch als zunehmend komplexer, länger und kostenintensiver wahrgenommen. Dies stellt angesichts des hohen Anteils an kleinen und mittleren Unternehmen in der Branche ein Risiko für das hiesige Innovationsgeschehen dar. Zugleich muss die berechtigte Maxime des Gesetzgebers nach bestmöglichem Patientenschutz und der Kostenträger nach möglichst günstigem Kosten-Nutzenverhältnis medizintechnischer Innovationen berücksichtigt werden.

Die Ziele des Nationalen Strategieprozesses

Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes setzt sich der Nationale Strategieprozess "Innovationen in der Medizintechnik" zum Ziel, einen strukturierten Dialog unter Mitwirkung aller Akteure zu organisieren. Es gilt unter Einbezug der diversen Interessenlagen, einen gangbaren Weg zu definieren und zu implementieren, um Innovationsprozesse zu beschleunigen, die Patientenversorgung zu verbessern und die Innovationsleistung der Medizintechnikbranche am Standort Deutschland zu stärken. Hierbei sind Ansätze zum Abbau von Innovationshürden und zur Schaffung günstiger Rahmenbedingungen auf allen Stufen des Wertschöpfungsprozesses in der Medizintechnik zu adressieren.

Kern des Strategieprozesses bilden die Sitzungen des Lenkungskreises und der Arbeitsgruppen. In den insgesamt vier Sitzungen jeder Arbeitsgruppe werden zentrale Fragen innerhalb des definierten Themenfokus diskutiert und gemeinsam umsetzungsfähige Handlungsansätze erarbeitet. Querschnittsthemen und wechselseitige Abhängigkeiten der Fragen werden zudem arbeitsgruppenübergreifend bearbeitet. Flankiert wird der Prozess durch Hintergrundanalysen.

Schlussbericht Strategieprozess "Innovationen in der Medizintechnik"

Am 8. November 2012 haben die Staatssekretäre des Bundes­for­schungs­ministeriums (BMBF), des Bundes­ge­sund­heits­ministeriums (BMG) und des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­teriums (BMWi) in Berlin den Schluss­bericht zum Nationalen Strategieprozess ent­gegen­genommen. Mehr als 150 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Ge­sund­heits­wesen hatten darüber diskutiert, wie die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ge­stei­gert, die Pa­ti­enten­versorgung ver­bessert, die Leistungs­fähigkeit des Ge­sundheits­systems ausgebaut sowie die Innovationskraft der medizintechnischen Forschung gestärkt werden kann. Der Bericht fasst die Er­geb­nisse verschiedener Workshops zusammen und benennt die wichtigsten Herausforderungen und die Handlungsempfehlungen, die sich daraus ableiten.

Die drei Staatssekretäre bekräftigten im Rahmen der Übergabeveranstaltung, dass die enge Zusammenarbeit der beteiligten Bundesministerien weiter intensiviert wird.

Der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Dr. Georg Schütte, erklärte auf der Pressekonferenz: „Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diesen nationalen Strategieprozess ganz im Sinne der Hightech-Strategie angestoßen. Wir werden die Ergebnisse nutzen, um uns in der Medizintechnik-Förderung neu aufzustellen. Hierfür werden wir unsere Anstrengungen künftig in einem Förderprogramm Medizintechnik bündeln und auf diese Weise eine anwendungsnahe sowie am Bedarf ausgerichtete Forschung unterstützen. Denn dies – so steht es im Bericht – ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass künftig mehr Innovationen bei den Patientinnen und Patienten ankommen. Zudem wollen wir die Medizintechnik beim Wandel zum Anbieter von Systemlösungen aktiv unterstützen. In einem ersten Schritt werden wir schon jetzt unsere Maßnahme KMU-innovativ Medizintechnik ausbauen und die Fördersumme mit Beginn des kommenden Jahres verdoppeln. Darüber hinaus setzen wir den akteurs­über­greifenden Dialog in der Medizintechnik fort: Wir werden eine Nationale In­for­ma­tions­plattform Medizintechnik einrichten, die Themen von der Forschung bis zur Erstattung transparent und übersichtlich darstellt.“

Thomas Ilka, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit, unterstrich: „Der Strategieprozess liefert uns wesentliche Impulse dafür, wie sich Versorgungsqualität und Patientensicherheit bei medizintechnischen Innovationen verbessern lassen. Dazu gehört unter anderem ein Aus- und Aufbau medizinischer Register für Hochrisikoprodukte. Um hier Er­fah­rungen zu sammeln, unterstützt das Bundesministerium für Gesundheit das En­do­pro­the­sen­register Deutschland (EPRD) mit rund 330.000 Euro. Für uns ist dieses Register ein wichtiges Instrument, um die hohe Qualität der Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken weiter zu verbessern. Ich appelliere bei dieser Gelegenheit an Kliniken und Patienten freiwillig beim Endoprothesenregister mitzumachen, da es Patienten und Kliniken gleichermaßen nützt. Wir werden uns außerdem in Brüssel bei den Verhandlungen zum EU-Rechtsrahmens für Medizin­produkte dafür einsetzen, dass ein weltweit einheitliches System zur eindeutigen Identifizierung von Medizinprodukten (UDI) mindestens für Implantate möglichst umgehend eingeführt wird.“

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie und Beauftragte der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus, Ernst Burgbacher, betonte: „Die Medizintechnikindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland mit einem hohen Wachstumspotenzial. Der Strategieprozess hat uns gezeigt, dass wir die Exportintensität der mittelständischen  Medizintechnik-Unternehmen weiter stärken müssen. Die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft des Bundeswirtschafts- und des Bundes­ge­sund­heits­ministeriums ist längst zu einem exzellenten Begleiter der  Unternehmen auf dem Weg in ausländische Wachstumsmärkte geworden. „Health made in Germany“ wird immer mehr zu einem Exportschlager. Unser technologieoffenes Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand, kurz ZIM, sowie das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung bieten zudem beste Möglichkeiten, Forschungsaktivitäten anzukurbeln bzw. den Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften unter die Arme zu greifen."

Nationale Strategiekonferenz im Mai 2014

Am 22. Mai 2014 setzten das BMBF, das BMG und das BMWi den im Nationalen Strategieprozess begonnenen Dialog zwischen den Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Ärzteschaft, Kliniken, Selbstverwaltung, Kostenträgern, Regulierungsbehörden und Dienstleistern mit der Nationalen Strategiekonferenz „Innovationen in der Medizintechnik“ in Berlin fort.

Im Anschluss an eine Podiumsdiskussion, an der Dr. Georg Schütte vom BMBF, Stefan Kapferer vom BMWi und Lutz Stroppe vom BMG teilnahmen, diskutierten mehr als 200 Experten in sechs parallel laufenden Arbeitsgruppen die Themen:

  • neue Formate der Innovationsförderung,
  • klinische Studien und ihre Finanzierung,
  • Digitalisierung der Medizintechnikindustrie,
  • Chancen und Möglichkeiten datengestützter Analysen der Versorgungssituation,
  • Potenziale von Registern für Medizinprodukte und
  • zukünftige Entwicklung des Endoprothesenregisters.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppengespräche wurden im Rahmen des Abschlussplenums noch einmal allen Teilnehmern präsentiert, als Grundlage für zukünftige politisch-wirtschaftliche Entscheidungen zur Stärkung des Innovationssektors Medizintechnik in Deutschland.

Weitere Informationen zum Nationalen Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik:

Weitere Informationen auf medizintechnologie.de:

© medizintechnologie.de und strategieprozess-medizintechnik.de