InnovationsLOTSE

Von der Idee zum Medizinprodukt

Alternative Vergütungswege prüfen

Neben der stationären und ambulanten Vergütung gibt es weitere Wege in die Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung. Im Rahmen von Einzelfallentscheidungen werden bei einzelnen Patienten die Kosten für ein Medizinprodukt übernommen. Zum anderen gibt es Selektivverträge, die als Überbrückungsstrategien fungieren können, bis das Produkt regelhaft gesetzlich vergütet wird. Diese sollten auch dazu genutzt werden, evidenzbasierte Daten unter Alltagsbedingungen zu generieren, um damit die Aufnahme des Medizinproduktes bzw. des damit zusammenhängenden Verfahrens in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen voranzutreiben. Je nach Ausgestaltung der Verträge können Selektivverträge eine Lösung für bestimmte Prozeduren und Produkte sein. Selektivverträge für Hilfsmittel werden von Krankenkassen öffentlich ausgeschrieben. Die Initiative für Verträge im Rahmen der integrierten Versorgung kann auch von Leistungserbringern (inklusive der Hersteller von Medizinprodukten) ausgehen. Während diese Verträge für bestimmte Regionen und in der Regel für bestimmte Indikationen gelten, sind Selektivverträge im Rahmen von Einzelfallentscheidungen für individuelle Patienten gedacht

Prof. Dr. med. Reinhard Busse

Professor für Management im Gesundheitswesen, Technische Universität Berlin

Herausforderungen

  • Nach der Zertifizierung eines innovativen Produkts ist die grundsätzliche Erstattungsfähigkeit möglicherweise noch ungeklärt. Gleichzeitig werden häufig noch klinische Daten benötigt, um Anwender und Kostenträger von diesem Produkt zu überzeugen. Hier bieten sich alternative Vergütungswege als Überbrückungsfinanzierung an.
  • Eine Einzelfallvergütung wird patientenindividuell beantragt. Für die notwendige Bekanntheit der eigenen Lösung kann der Kontakt zu Patienten-Selbsthilfegruppen eine wertvolle Verbreitungsmöglichkeit sein.
  • Bei einem Selektivvertrag wird je nach Produkt zwischen Krankenkasse und Leistungserbringer bzw. Hersteller eine Vergütung der Leistung vereinbart. Hier gilt es, eine innovationsfreundliche Krankenkasse zu finden, die auch eine entsprechende Versichertenzahl mit der angedachten Indikation hat. Im Vorfeld erlangte aussagekräftige klinische Daten sind häufig notwendig, um die Krankenkasse zu überzeugen.