Förderantrag

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Der Weg eines neuen Medizinprodukts von der Idee bis in den Markt kann mitunter lang und risikobehaftet sein. Eine erste wissenschaftliche Prüfung der Produktidee ist vergleichsweise günstig. Die Kosten für die Entwicklung eines marktfähigen Produkts sind allerdings oft so hoch, dass sich mangels Finanzierung viele gute Ideen bereits frühzeitig wieder im Sande verlaufen. Eine Möglichkeit besteht darin, das Forschungsprojekt anteilig durch eine öffentliche Förderung zu finanzieren. Es gibt zahlreiche Förderrichtlinien, die jeweils inhaltlich einen anderen Schwerpunkt setzen. Im Folgenden wird am Beispiel eines Verbundprojekts beschrieben, was es bei einem Antrag auf Forschungsförderung zu beachten gilt.

Am Anfang: eine gute Idee

Die Idee für ein innovatives Medizinprodukt sollte zunächst schriftlich definiert werden. Folgende Kriterien dienen der Abschätzung, ob grundsätzlich Aussichten auf Forschung und Entwicklung (F&E) bestehen:

  • Es handelt sich um eine Idee, die auf einem medizinischen Bedarf und einer wissenschaftlichen Grundlage beruht.
  • Die Idee geht deutlich über den Stand der Technik hinaus und ist mit einem wissenschaftlichen und technischen Risiko behaftet.
  • Eine Realisierung ist nur im Verbund möglich. Dabei sollte der Blick bereits bis zur Anwendung bei den Nutzern reichen und neben der F&E-Phase auch die spätere Fertigungs- und Vermarktungsphase beinhalten.
  • Die Idee könnte ohne Förderung in absehbarer Zeit nicht umgesetzt werden.

Sind diese Kriterien erfüllt, sollte nach einer geeigneten Förderrichtlinie Ausschau gehalten werden. Der geeignete Zeitpunkt zur Erstellung einer Projektskizze hängt davon ab, welche Einreichfrist in der Förderrichtlinie gesetzt wird. Verspätet eingereichte Skizzen können möglicherweise nicht mehr berücksichtigt werden.

Die passende Förderrichtlinie finden

Nachdem die Projektidee grob skizziert wurde, empfiehlt es sich, gezielt nach geeigneten Förderrichtlinien zu suchen. Dafür bietet sich die Förderdatenbank an. Neben den Förderzielen haben vor allem die Zuwendungsvoraussetzungen Einfluss auf die Struktur des Projektkonsortiums. Sie geben damit die Randbedingung zur Wahl der Projektpartner und deren Rollen vor.

Ein Konsortium bilden

Bei der Wahl der Konsortialpartner sind einige Anforderungen zu beachten. Alle Partner müssen einen relevanten Projektbeitrag leisten. Zudem sollte sichergestellt werden, dass die späteren Ergebnisse am Standort Deutschland verwertet werden können. Die jeweilige Förderrichtline schreibt zudem vor, wer antragsberechtigt ist. Für den Fall, dass die zugesagte Förderung erst später ausgezahlt wird, muss sichergestellt sein, dass der Antragsteller in der Lage ist, die Personal- und Sachkosten zunächst selbst zu tragen. 

Steht das Konsortium passend zur Förderrichtlinie, kann das Antragsverfahren gemeinsam durchlaufen werden. Meist ist dies ein zweistufiges Verfahren. Dabei reicht jeder Verbundpartner über einen Koordinator beim Projektträger eine begutachtungsfähige Projektskizze ein.

Das macht eine gute Projektskizze aus

Die Projektskizze ist der erste Schritt für die Bewerbung um Fördermittel. Je nach Förderrichtlinie wird sie von internen und/oder externen Gutachtern eingesetzt. Bei der Ausformulierung der Projektskizze sollte ein Antragsteller versuchen, die Gutachterperspektive einzunehmen und  kritisch zu hinterfragen, ob die vorgelegte Projektbeschreibung den Anforderungen entspricht.

Grundsätzlich sollte die Skizze klar, übersichtlich und die Schreibweise konsistent sein. Die formalen Vorgaben für die Projektskizze sind in der Förderrichtlinie unter dem Punkt „Verfahren“ zu finden. Oftmals bieten die Projektträger neben einer Online-Einreichung auch eine elektronische Vorlage zur Erstellung der Skizze an. Diese enthält meist spezifische Hinweise für den Inhalt im Bezug auf die Förderrichtlinie.

Allgemein wird eine Projektdarstellung folgendermaßen gegliedert:

Thema und Zielsetzung: Die wesentlichen Inhalte des geplanten Projekts sollten präzise, verständlich und übersichtlich aufgeführt werden. Es muss beschrieben werdne, worum es bei dem F&E-Vorhaben geht und worauf es abzielt. Die angestrebte Innovation ist genau zu erläutern. Dabei sollte auch darauf eingegangen werden, welcher Patienten- und/oder Anwendernutzen zu erwarten ist und ob weitere gesellschaftliche Bedarfe angesprochen werden.

Stand der Wissenschaft und Technik: Es muss dargelegt werden, worin der Innovationshub und der wesentliche Vorteil des neuen Verfahrens/Geräts gegenüber konventionellen bzw. konkurrierenden Ansätzen besteht. Die Ausgangslage muss präzise und knapp beschrieben werden. Gleiches gilt für das zugrunde liegende medizinische Problemfeld sowie den existierenden Stand der Technik. Gegebenenfalls sollte auf konkurrierende Ansätze hingeweiesen werden (mit Literaturangaben). Auch bestehende Schutzrechte müssen aufgeführt werden: Welche eigenen Patente wurden bereits angemeldet bzw. erteilt? Stehen der angestrebten Innovation möglicherweise Patente von dritter Seite entgegen? Wurde eine Freedom-to-operate-Analyse durchgeführt, und welche Ergebnisse hat diese erbracht?

Bedarf, Bedeutung und Potenzial: Aus den Antragsunterlagen muss klar hervorgehen, welche Perspektiven für Prävention, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation bzw. Pflege durch die Innovation zu erwarten sind. Auch die medizinische Fragestellung, die das Projekt adressiert, muss eingehend erläutert werden: Ist sie durch hohe Mortalität oder Morbidität bzw. große Häufigkeit gekennzeichnet? Eignet sie sich als Modellfall für andere Krankheitsbereiche? Bildet sie einen erheblichen Kostenfaktor im Gesundheitssystem? Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Innovation ist realistisch abzuschätzen (und möglichst mit Zahlen zu belegen), mit bisherigen Produkten oder Verfahren zu vergleichen, die Auswirkungen sowohl in monetärer Hinsicht als auch mit Blick auf die Lebensqualität der Patienten darzulegen. Das zu erwartende Marktpotenzial für die angestrebte Innovation muss angegeben werden. Der Antragsteller sollte gegebenenfalls beschreiben, inwiefern durch die Innovation eine herausragende Marktposition eingenommen werden kann. Dabei sollte er nicht die Marktlage allgemein beschreiben, sondern direkt das vom Produkt oder Verfahren adressierte Marktsegment. Seine Aussagen sollte er mit belastbaren Zahlen und Referenzen unterlegen. Bei der Beschreibung des Marktumfeldes sollte der Antragsteller auch darlegen, welche Konkurrenzlösungen bereits auf dem Markt sind oder in absehbarer Zeit sein könnten. Den Projektträger interessiert auch, ob die angestrebte Innovation preislich konkurrenzfähig und sich das F&E-Projekt in angemessener Zeit amortisieren wird. Last but not least möchte er auch wissen, welche Kunden angesprochen und wie sie erreicht werden sollen.

Verbundstruktur: Die antragstellenden Arbeitsgruppen/Institute (Umfang, fachliches Spektrum) und Unternehmen (Geschäftsmodell, Größe und Alter des Unternehmens, Finanzierungssituation) sollten sich und ihre Rolle im Verbund kurz beschreiben und darlegen, welche Kompetenzen sie in das Projekt einbringen. Sie sollten darlegen, aus welchen Quellen (Umsatz, Eigenkapital usw.) der Eigenanteil für das geplante F&E-Projekt kommen soll. Beteilligte Unternehmen sollten ihr Kerngeschäft beschreiben und schildern, ob sie sich mit der Innovation ein neues Geschäftsfeld erschließen wolle. Ist das der Fall, sollten sie dieses ebenfalls beschreiben. Dabei sollten sie auch darauf eingehen, auf welchen Gesundheitsmarkt Geschäftsmodell und Marktperspektiven ausgerichtet sind.

Arbeitsplan: Im Arbeitsplan werden die einzelnen Arbeitspakte in ihrem zeitlichen Ablauf dargestellt, beispielsweise in einem Gantt-Diagramm. Dabei wird beschrieben, welcher Partner welche Arbeiten übernimmt. Jedes Arbeitspaket beschreibt das Teilziel der einzelnen Partner und die zentralen Lösungsansätze. Auch die Meilensteine, die eine Einschätzung des Projektfortschritts ermöglichen können, sollten aufgeführt werden.

Finanzierungsplan: Zu Lasten des Projekts können Kosten abgerechnet werden, die projektspezifisch und zahlenmäßig abgrenzbar sind. Für die Skizze genügt eine plausible Schätzung. Die genaue Vorkalkulation bleibt dem eventuell folgenden förmlichen Antrag vorbehalten. Grundsätzlich können Mittel beantragt werden für

  • Personal
  • Verbrauchsmaterial
  • Dienstreisen
  • Abschreibungen auf projektspezifische Investitionen, welche während der Laufzeit getätigt werden
  • Aufträge (F&E- und Dienstleistungsaufträge)
  • Patentierungskosten von während der Laufzeit erzielten Ergebnissen (in der Regel durch Unternehmen zu beantragen),
  • klinische Studien

Auf die Personalkosten wird bei Unternehmen ein Gemeinkostenzuschlag von bis zu 120 Prozent gewährt, mit dem alle anfallenden kalkulatorischen Kosten abgegolten sind. Bei Hochschulen ist die Projektkostenpauschale zu berücksichtigen (pauschal 20 Prozent der Zuwendung). Bei Helmholtz-Zentren, Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft und Max-Planck-Instituten sind die Overhead-Pauschalen entsprechend den aktuellen Vereinbarungen für das jeweilige Institut zu berücksichtigen.

Verwertungsplan: Aus dem Verwertungsplan muss hervorgehen, welcher Entwicklungsstand am Ende des geplanten F&E-Projekts erreicht sein soll und welche weiteren Schritte  dann noch bis zur Marktreife zurückzulegen sind. Es muss auch dargelegt werdne, welche regulatorischen Fragestellungen sind zu beachten und was sind die geplanten Szenarien für die Zertifizierung, Erstattung und Vermarktung des angestrebten Medizinprodukts sind. Schlussendlich muss der Antragsteller die wissenschaftlich-technischen und die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten des Projekts nachvollziehbar beurteilen.

Zur Berechnung der Förderquote Ihres Forschungsprojektes steht Ihnen dieser Förderquotenrechner zur Verfügung:

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Die Begutachtungsphase

Die eingegangen Skizzen stehen untereinander im Wettbewerb und werden, abhängig von der Förderrichtlinie, nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Bedeutung des Forschungsziels: gesellschaftlicher und versorgungsseitiger Bedarf, Produktrelevanz, Relevanz für die Gesundheitswirtschaft
  • wissenschaftlich-technische Qualität des Lösungsansatzes und der Arbeitsplanung
  • Innovationshöhe des wissenschaftlich-technischen Konzepts
  • technologisches und wirtschaftliches Potenzial
  • Qualifikation der Partner, Kompetenzen der Partner im Innovationsmanagement
  • Qualität des Projektmanagements und der Verbundstruktur, substanzielle Beteiligung von technischen Entwicklern und Anwendern der Gesundheitsversorgung
  • Qualität und Umsetzbarkeit des Verwertungsplans, Kommerzialisierungsperspektive, Marktpotenzial, Vermarktungsstrategie
  • Beitrag des Projekts zur zukünftigen Positionierung des Unternehmens am Markt
  • Abschätzung der mit den wissenschaftlich-technischen Innovationen verbundenen sozioökonomischen und wirtschaftlichen Chancen und Risiken
  • Qualität und Umsetzbarkeit der klinischen Studie (gilt nur bei geplanter klinischer Studie)

Nach erfolgter Begutachtung erhält der Koordinator vom Projektträger einen Bescheid mit der Bewertung der Skizze sowie mit Hinweisen zum weiteren Verfahren. Wurde die Skizze abgelehnt, besteht meist die Möglichkeit, sich über die Gründe zu informieren. Auch wenn die Skizze nicht allen Kriterien vollständig gerecht wird, kann unter bestimmten Auflagen eine Förderung erfolgen. In diesem Fall wird der Koordinator aufgefordert, zu den Auflagen schriftlich Stellung zu beziehen.

Wie auch immer die Bewertung ausfällt, der Koordinator sollte jede Information des Projektträgers an seine Konsortialpartner weiterleiten. Bei positiv bewerteten Skizzen erfolgt mit dem Bescheid meist die Aufforderung, mit dem Projektträger ein Informationsgespräch zu vereinbaren. Dies markiert den Übergang zur Antragsphase.

Die Antragsphase

Die Antragsphase beginnt mit dem Antragsgespräch beim Projektträger. Ziel ist ein persönlicher und fachlicher Austausch über das Projekt. Dabei werden die erforderlichen administrativen Schritte besprochen. Zur Vorbereitung können bereits die frei verfügbaren Informationen aus dem BMBF-Formularschrank (siehe: Relevante Links) einbezogen werden.

Anschließend stellen die Konsortialpartner separate Anträge auf Förderung. Industriepartner stellen einen Zuwendungsantrag auf Kostenbasis, alle anderen Institutionen einen Zuwendungsantrag auf Ausgabenbasis. Zu den Antragsunterlagen gehören verschiedene Dokumente. So ist es oft üblich, eine Gesamtvorhabensbeschreibung (GVB) zu erstellen. Diese beschreibt die übergeordneten Ziele sowie die Interaktion des Verbundes. Auf dieser Basis erstellen die Projektpartner separate Teilvorhabensbeschreibungen (TVB), die als Arbeitsdokument die individuellen Ziele, Arbeitsplanung und Verwertungsmöglichkeiten aufzeigen. Ferner soll die TVB die Jahresvorkalkulation fachlich unterbauen und die notwendigen Personalansätze, Materialkosten, Investitionen usw. begründen. Darüber hinaus müssen alle Industriepartner Bonitätsunterlagen einreichen. Diese umfassen zum einen die beiden jüngsten Jahresabschlüsse, eine aktuelle Bankauskunft sowie einen Handelsregisterauszug.

Die formalen Zuwendungsanträge mit allen Dokumenten reicht jeder Antragsteller separat beim Projektträger ein.